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Seit beinahe vier Jahren war MATUMBAMAN ein fester Bestandteil des Dota 2 Teams bei Team Liquid. Nun hat diese Zeit ein Ende gefunden. SPORT1 blickt zurück.

Als im Oktober 2015 die Spieler des frischen Dota-2-Teams "5jungz" von Team Liquid aufgenommen wurden, um in ihrem Namen im Frankfurt Major um den Sieg zu kämpfen, wusste noch niemand, dass dies der Beginn einer langen Reise sein würde.

Neben der deutschen eSports-Legende Kuro "KuroKy" Salehi Takhasomi fand an diesem Tag auch Lasse "MATUMBAMAN" Urpalainen seinen Weg zu Liquid.

Der mittlerweile 24 Jahre alte Dota-Spieler erhaschte zum ersten Mal die Aufmerksamkeit der Community, als er auf der größten LAN-Party Finnlands, der Assembly Summer 2014, in einem 8-Team-Dota-Turnier mit seinem Team "Veni,Vidi,Vici" problemlos den ersten Platz erreichte. Die erste kleine Machtdemonstration.

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Damals betrug das Preisgeld noch 5.000 Euro.

Geld, das der gebürtige Finne zu der Zeit auch noch bitter nötig hatte. Nachdem er sein Kapitänsstudium an der Uni mit 19 abgebrochen hatte, stellten seine Eltern ihn vor die Wahl: entweder aufhören, andauernd Dota 2 zu zocken, oder ausziehen.

MATUMBAMAN wählte die Computerspiele 

Er zog daraufhin mit seiner Freundin zusammen, auch wenn dies bedeutete, dass das Geld von da an knapp sein würde.

Vom Einzug in die finnische Armee ließ er sich als zu der Zeit Semi-Professioneller eSportler freisprechen.

Mittlerweile kann er die damalige Strenge seiner Eltern verstehen und steht auch wieder in gutem Kontakt mit ihnen.

Bei Team Liquid brauchte er mit seinem Team trotz herausragender Leistungen erst ein paar Anläufe bis es beim Shanghai Major 2016 zum zweiten und schließlich sogar beim EPICENTER 2016 zum ersten Platz reichte. Damals der erste Schritt auf die große Dota-Bühne.

SPORT1-Experte Martin Braunmiller, der auf eSPORTS1 Liquids-Spiele auf der ESL One Birmingham kommentierte, ist sogar der Meinung, dass MATUMBAMAN dank Liquids' Teamstruktur oft nicht genug Gelegenheit hatte zu glänzen.

"Er bekam häufig die Rolle des Spacemakers, Tanks oder Splitpushers, um Miracle mehr zu pushen. Und dass, obwohl er in den Jahren vor Miracle ein anderer Spielertyp war. Er hatte früher aggressivere Helden, die er spielen durfte, mit denen man sich auch besser präsentieren kann."

Doch mit Aufstreben seines Starmitspielers Amer "Miracle-" Al-Barkawi wurde sein Championpool mit den Charakteren Lone Druid, Lycan, Viper, Necrophos oder Venomancer passiver. "Heroes, die halt nicht so eindrucksvoll sind, aber dazu da sind, um ihren Zweck zu erfüllen und Spiele zu gewinnen", führt Braunmiller aus.

Der Finne stellte sich immer in den Dienst der Mannschaft.

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Nach dem EPICENTER-Sieg ging es für MATUMBAMAN steil bergauf. Und dann der Höhepunkt seiner Karriere: The International 2017.

Der Anfang war schwer: In der ersten Runde ging es ins Lower Bracket, doch ab da holten sie fünf Siege in Folge, die das Team entgegen aller Erwartungen doch noch in das Finale gegen "Newbee" beförderten. Damals eine beeindruckende Leistung, da nur eine weitere verlorene Runde das Turnier-Aus für sie bedeutet hätte.

Am Ende jubelte er mit seinem Team Liquid und der Trophäe in der Hand.

In dem Finale dominierte Team Liquid in nur 3 Spielen die Gegner

Sie holten sich damit das Preisgeld von fast elf Millionen US-Dollar, was damals 44 Prozent des Gesamtpools betrug. An seiner Seite wurde KuroKy zum ersten deutschen eSports-Millionär.

MATUMBAMAN kaufte sich davon sein eigenes Haus. Der logische Schritt, nachdem er in jungen Jahren schon auszog, um eSportler zu werden.

Direkt nach diesem legendären TI7-Sieg gab er sich allerdings bescheiden. Er fühle sich leer, weil er so auf das Spiel fokussiert gewesen sei und es nun vorbei wäre.

"Um ehrlich zu sein, habe ich den Weg zum Gewinn viel mehr genossen als das Gewinnen selbst. Die unzähligen Stunden, die wir als Team mit Üben und Turnierspielen verbracht haben", erklärte er zu der Zeit in einer Teamdoku zum Event nüchtern.

"Die Freude des Gewinnens und die Spiele, die man mit Teammates teilt, sind wirklich schön. Geld gibt mir nicht dieses schöne Gefühl. Ich glaube man sollte tatsächlich niemals blind einen Traum verfolgen, wenn man nicht wirklich den Weg dorthin genießen kann. […] Für mich wäre es das nicht wert."

Das MATUMBAMAN nun beinahe vier Jahre bei Team Liquid spielte, zeigt dass er menschlich einfach in die Aufstellung gepasst haben muss.

SPORT1-Experte Alexander Englisch bezeichnet ihn ebenso als charismatischen Typ, räumt aber auch ein, dass ein gewisser Wechsel nun notwendig war.

"Liquid war bei weitem kein schlechtes Team, aber ich denke sie und MATUMBAMAN waren in den letzten Jahren zu sehr auf ihren Plan festgefahren und dass der Wechsel nötig war, um ihnen eventuell eine Chance auf den zweiten TI-Sieg geben zu können."

So kam es nun zu dem ersten Roster-Wechsel seit zwei Jahren innerhalb des Teams. Die letzten Änderungen waren, als Miracle sich zum TI6 und Maroun "GH" Merhej sich zum TI7 dem Team angeschlossen hatten. Ein starke Statistik im sonst so schnellen eSports-Wechselkarussell.

MATUMBAMAN gilt nun bei Team Liquid offiziell als "inaktiv"

Er ist also nicht länger Teil des Starting-Rosters, wenn Turniere bestritten werden.

Für ihn gibt das die Gelegenheit, bei anderen Teams nach einer neuen Position für sich zu suchen. Ob er das aber überhaupt will und wie seine Zukunft bei Liquid aussieht, ist bisher nicht bekannt.

Fest steht nur, dass er sich über die Jahre viel verändert hat. Er ist ruhiger geworden, bodenständiger, und legt viel Wert auf sein eigenes Wohlbefinden.

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"Was mich angeht, glaube ich, mich sehr während meiner Dota-Jahre entwickelt zu haben. Ich fühle mich, als sei ich ein alter Mann geworden. Ich brauche eine große Präsenz auf Social Media nicht mehr. Ich finde Interviews auch nicht mehr so wichtig", äußerte er sich Mitte 2018 in einem Interview mit Monster Energy.

"Damals, als ich noch in der Schule war, war ich immer der witzige Typ. Aber jetzt habe ich realisiert, dass ich nicht die Zustimmung anderer Leute, die mich lustig finden, brauche. Ich kann einfach das tun, was ich liebe, um mit mir zufrieden zu sein. Leute müssen mich nicht mögen."

Die Zuneigung von Fans gab es dennoch zur Genüge. Denn für viele ist nun klar: Mit dem Abgang von MATUMBAMAN geht auch die legendäre Liquid-Ära zu Ende.

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