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München - Der mit einer schweren körperlichen Beeinträchtigung lebende Niklas "nik-lugi" Luginsland spricht über sein Leben als eSportler beim VfB Stuttgart.

Von Florian von Stackelberg

"FIFA ist für alle da", sagt Niklas "nik-lugi" Luginsland. Das könnte ein normaler Satz sein von einem jungen Mann, der sich auf den Release von FIFA 20 freut. Wenn aber der 23 Jahre alte eSportler vom VfB Stuttgart ihn sagt, bekommt der Satz eine Tragweite.

Um Schlagwörter wie Gleichstellung und Inklusion.

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"nik-lugi" ist einmalig in der FIFA-Szene. Er sitzt im Rollstuhl, weil er die seltene Erbkrankheit Osteogenesis imperfecta hat, auch Glasknochenkrankheit genannt. Auf dem virtuellen Rasen ist diese Einschränkung aber nicht hinderlich für ihn.

"Bei FIFA geht um Reaktionsfähigkeit, Hand-Augen-Koordination und um Erfahrung", sagt Luginsland und sieht hier keine Unterschiede zu seinen Konkurrenten. Auch mentale Stärke sieht er als ein Faktor und nennt dabei MoAuba im WM-Halbfinale als Beispiel. Dabei dient er selbst als hervorragendes Beispiel.

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Schon als Kind hatte der eSportler unzählige Brüche in vielen Knochen, die ohne Fremdeinwirkung zustande gekommen sind. So schmerzhaft wie für jeden anderen auch. Mit der Pubertät verbesserte sich die Situation etwas. Trotzdem hätte er allen Grund dazu, missmutig durch das Leben zu gehen. Und hier kommt die mentale Stärke ins Spiel: Denn genau das tut er nicht.

"nik-lugi" nimmt mit seiner positiven Art das Leben, wie es kommt und holt sich damit auch für FIFA seine mentale Stärke. Und natürlich auch aus seinem Können. Offline-Turniere konnte er gewinnen, er stand 2018 im Grand Final des BFV-eSports Cups. Dazu kamen erfolgreiche Online-Turniere, bei einem davon wurde er von der Agentur eSports Reputation entdeckt. Diese vermittelte ihn an seinen Herzensverein, den VfB Stuttgart.

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"Das passt perfekt, ich bin beim VfB seit 14 Jahren Mitglied. Dass ich diesen Verein jetzt auf dem virtuellen Rasen vertreten darf, ist einfach Wahnsinn", sagt Luginsland.

Außergewöhliche Reaktionsfähigkeit

Vor wenigen Wochen erst wurde er von der renommierten Sporthochschule Köln eingeladen, um an einer Studie zum Thema eSport mitzuwirken. Dabei hat sich herausgestellt, dass der eSportler eine außergewöhnlich gute Reaktionsfähigkeit besitzt und die Fehlerquote bei Reaktionstests bei ihm wesentlich geringer ist, als die des Durchschnittsbürgers. Die Studie ist noch nicht veröffentlicht, aber Luginsland ist stolz, dass er daran mitarbeiten konnte – und die Autoren auch, dass er mitgearbeitet hat.

Auf der Homepage dieses Projektes - eSportwissen.de - wird er sogar namentlich als Beispiel für Barrierefreiheit beim eSport genannt.

Aber nicht nur von dieser Stelle bekommt er Lob. "Bei Instagram schreiben mir so viele Leute, dass ich sie inspiriere, dass ich ihnen Mut mache", sagt Luginsland. Und genau das will er auch vermitteln, denn er fühlt sich auch als Vorbild für viele. Er versucht auf Menschen offensiv zuzugehen, er nimmt am sozialen Leben teil und zeigt das auch auf seinem Instagram-Account mit über 7.000 Followern.

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Hier kann man auch seine Aktivitäten abseits von FIFA verfolgen, zum Beispiel, wenn er als Speaker auftritt. Auf Messen und Veranstaltungen ist er immer wieder gebucht, um über eSport im Allgemeinen und über Inklusion im eSport zu diskutieren. Begleitet wird er entweder von Freunden, die FIFA-Fans sind, oder von seiner Oma. "Meine Oma versteht das Spiel nicht wirklich gut, aber sie reist so gerne", sagt der eSportler von VfB.

Dr. Erhano als Vorbild

Nach seinem abgeschlossenen Bachelor-Studium steht jetzt der Master an. Aber die Doppelbelastung aus eSport und Studium stört ihn nicht. Gleich zu Beginn will er in FIFA 20 voll angreifen und hat sich dazu viel von anderen Pros abgeschaut. "Dr. Erhano hat in FIFA 19 so viel trainiert, dass er schnell auf einem anderen Level war als viele andere", sagt "nik-lugi" über den letztjährigen Teamkollegen, der auch als Vorbild dient.

Teambuilding für seine FUT-Mannschaft steht zwar im Vordergrund, aber sein Plan ist es, auch sehr viel Zeit in Training und Analyse zu investieren, um die Saison zu einem Erfolg zu machen. "Das Beste am eSport? Man kann sich mit Millionen Spielern messen", sagt Niklas Luginsland – egal ob mit oder ohne Einschränkungen.

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