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Aufgrund seiner Äußerungen zu den Demonstration in Hong Kong, wurde der Hearthstone-Profi "Blitzchung" für ein Jahr von Blizzard gesperrt.
Aufgrund seiner Äußerungen zu den Demonstrationen in Hong Kong wurde der Hearthstone-Profi "Blitzchung" für ein Jahr von Blizzard gesperrt. © Blizzard Entertainment
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Aufgrund seiner Äußerungen zu den Demonstrationen in Hong Kong wurde der Hearthstone-Profi "Blitzchung" für ein Jahr von Blizzard gesperrt.

Chung "Blitzchung" Ng Wai ist eSportler und Profi in dem von Blizzard betriebenen und weltweit beliebten Kartenspiel Hearthstone.

Chung "Blitzchung" Ng Wai ist Chinese, aber stammt aus Hongkong. Diese Herkunft führte nun indirekt zu einem Konflikt mit dem US-Amerikanischen Spielbetreiber und stellt die Frage, wie viel Politik eine eSports-Veranstaltung vertragen kann.

Protest mit Folgen

Eigentlich ist der chinesische Profi für sein taktisches Geschick am digitalen Kartentisch bekannt, weniger für aufsehenerregende Interviews. Doch ein solches führte der Hearthstone-Experte im Zuge einer Befragung nach einer Partie.

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Maskiert mit einer Gasmaske und Ski-Brille solidarisiert sich der gebürtige Hongkonger mit den Demonstranten der Sonderverwaltungszone, die derzeit in der ehemaligen britischen Kolonie regelmäßig mit den Einsatzkräften vor Ort aneinandergeraten.

Allgemein gleicht die Situation in Hongkong einem Pulverfass. Bei den zahlreichen Konflikten zwischen der Polizei und dem Militär auf der einen und tausenden Demonstranten auf der anderen Seite gab es bereits unzählige Verletzte. Auch Benzinbomben wie Molotowcocktails kamen bei den Straßenschlachten zum Einsatz.

Grund für die Ausschreitungen sind die Befürchtungen der Einwohner Hongkongs, dass auf Basis eines neuen Gesetzes unter anderem ihre Rede-, Presse- und Meinungsfreiheit stark beschnitten werden.

Einjährige Sperre

Aufgrund seiner Äußerung sieht sich "Blitzchung" nun von Seiten Blizzards vor vollendete Tatsachen gestellt. Wegen der Nichtachtung des Regelwerks des Spieleherstellers, ist der Chinese nun für ein volles Jahr von offiziellen Turnieren ausgeschlossen. Auch bereits erspielte Prämien werden "Blitzchung" nicht mehr ausgezahlt.

Auf Nachfrage von SPORT1 wurde auf das Regelwerk des Turniers sowie ein offizielles Statement des Unternehmens verwiesen, in dem es hieß:

Wenn Sie, nach dem alleinigen Ermessen von Blizzard, eine Handlung vornehmen, die Sie öffentlich in Misskredit bringt, einen Teil oder eine Gruppe in der Öffentlichkeit beleidigt oder auf andere Weise das Image von Blizzard beschädigt, werden Sie von dem Grandmasters-Turnier ausgeschlossen und der Gesamtpreis des Spielers wird zusätzlich auf 0 USD reduziert. Zusätzlich werden weitere Maßnahmen ergriffen, die in den Nutzungsbedingungen des Handbuches sowie der Webseite von Blizzard festgelegt wurden.

Darüber hinaus löste Blizzard die Verträge mit den beiden chinesischen Castern auf, die die Äußerungen Wais zwar nicht kommentierten, aber diesen zuvor dazu ermutigten sich entsprechend zu äußern. Der Twitter-User Chua Zhihong übersetzte die entsprechende Szene. Die Caster meinten zu Blitzchung "Sage acht Wörter, dann werden wir das Interview augenblicklich beenden." Im Anschluss verschwanden sie lachend unter dem Tisch.

"Meine Art des Protests"

Nachdem der Ausschluss Blitzchungs bekannt wurde, äußerte sich dieser gegenüber der koreanischen eSports-Seite "Inven Global" dazu selbstbewusst. Laut ihm sei die Aktion seine eigene Art, die Demonstranten zu unterstützen.

Ihm sei aber auch bewusst, dass dies durchaus Konsequenzen für ihn haben wird: "Das Ganze könnte mir eine ganze Menge Ärger einbringen, auch für meine persönliche Sicherheit im echten Leben. Aber ich bin der Meinung, es ist meine Pflicht, mich zu den derzeitigen Problemen zu äußern."

#LiberateHongKong

Die Entscheidung Blizzards, den Spieler von dem Turnier auszuschließen, mag zwar regelkonform gewesen sein, wird in der Community jedoch alles andere als positiv aufgenommen. Viele sehen hier sogar eine Intervention Chinas, da unter anderem Tencent fünf Prozent an den Anteilen des US-Unternehmens hält, sowie einen Angriff auf die Rede- wie Meinungsfreiheit – eben das, wogegen die Bevölkerung Hongkongs derzeit auf die Straße geht.

So reichen die Kommentare von dem Ruf nach einer Begnadigung des Hearthstone-Profis, bis hin zur Deinstallation des offiziellen Spieleclients, namentlich Battle.net. Andere wiederum animieren die Community unter dem Hashtag LiberateHongKong dazu, während der bevorstehenden Blizzcon (01.11. – 02.11. in Anaheim, CA, USA) den Twitch-Chat mit entsprechenden Kommentaren zu bombardieren.

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