Holtby exklusiv: Darum bin ich beim HSV geblieben
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Hamburg und München - Lewis Holtby entschied sich nach dem Abstieg des Hamburger SV gegen einen Wechsel. Im Interview mit SPORT1 nennt der 27-Jährige die Gründe.

Am Freitag ist es endlich soweit! Während die Bundesliga noch drei Wochen pausiert, rollt in der Zweite Liga wieder der Ball. Zum ersten Mal mit dabei: der Hamburger SV. Das Team von Trainer Christian Titz eröffnet die Saison gegen Holstein Kiel (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1.de und in der SPORT1-App).

Titz kann dabei auch auf Lewis Holtby zählen. Der 27-Jährige entschied sich nach dem Abstieg des ehemaligen Bundesliga-Dinos gegen einen Wechsel. Im SPORT1-Interview erklärt er seine Entscheidung und beschreibt, worauf er sich nun besonders freut.

SPORT1: Herr Holtby, wie haben sie den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte des HSV verkraftet?

Lewis Holtby: Am Anfang war es natürlich schwer. Wenn man mit dem HSV zum ersten Mal absteigt, ist das sehr bitter, es hat sich ekelhaft angefühlt. Aber wenn man anpacken und etwas Neues schaffen willst, darfst du nicht lange grübeln. Wir haben alle einen Schlussstrich darunter gezogen und wollen jetzt neu angreifen, auch wenn die Zweite Liga auf eine Art weh tut. Wir wollen den Wiederaufstieg schaffen.

SPORT1: Was haben Sie persönlich aus dieser schweren Phase gelernt?

Holtby: Die letzten vier Jahre sind wir immer wieder von der Klippe gesprungen und jetzt hat es uns erwischt. Es tut weh für jeden HSVer. Aber es gibt immer noch Schlimmeres im Leben, die Welt dreht sich weiter, der Fußball wird weitergespielt. Mit der Identifikation, mit jungen Leuten, die aus Hamburg kommen und mit Spielern, die Erfahrung haben, ziehen wir dieses Ding durch. Wir müssen da an einem Strang ziehen. Ich sehe das als Chance, für uns als Klub zu wachsen und den vollen Fokus auf das Hier und Jetzt zu richten.

SPORT1: Die Zeit des Hohns und Spotts ist ziemlich schnell verflogen. Inwiefern verspüren Sie auch Aufbruchstimmung im Umfeld?  

Holtby: In schlechten Familien bricht alles auseinander, wenn es nicht gut läuft. Da hat man hier das Gegenteil gesehen. Hier ist eine "Jetzt erst Recht"-Stimmung aufgekommen. Da weißt du als Spieler, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast, für den Verein weiterzuspielen. Das erfüllt mich mit Stolz. Deswegen ist es meine Aufgabe und Pflicht, alles dafür zu tun - egal was es ist - dass der Verein wieder hochkommt. Dort, wo er hingehört.

Coach Titz über die neue Euphorie beim HSV

SPORT1: Ihr Vertrag wäre ausgelaufen, Sie haben sich trotz starker Bundesliga-Rückrunde schnell entschieden, für weniger Gehalt zu bleiben. Warum?

Holtby: Ich liebe den Fußball, ich liebe die Emotion und ich liebe Traditionsvereine. Was ich hier erlebt habe, egal ob positiv oder negativ, das hat mich als Person nach vorne gebracht. Ich habe viel gelernt, eine gewisse Dankbarkeit, Wertschätzung, auch eine gewisse Demut. Für mich war von vorneherein klar, dass ich auf jeden Fall hier weitermachen möchte - egal, was von außen kommt. Ich habe gesehen, wie der Verein zusammenhält, was für einen Fußball wir spielen können, dass es Spaß macht mit jungen Leuten für Furore zu sorgen. Ich möchte den Verein auch wieder mit aufbauen. In schwierigen Situationen darf man nicht weglaufen, sondern muss auch mal seinen Mann stehen. Vereine wie dieser brauchen Charakter. Und ich glaube, dass ich den habe und die Person bin, die in so einer Situation führen kann.

SPORT1: Was erwartet den HSV genau in dieser Zweiten Liga?

Holtby: Es ist egal, in welcher Liga du spielst, überall rollt der Ball, der ist gleich schnell, die Plätze sind gleich lang und was du machst, hast du in der eigenen Hand. Wir sind alle Profis, da heißt es, die Mittel zu finden, um bestmöglich dominanten und erfolgreichen Fußball zu spielen. Es heißt von vorne weg die Raute zu zeigen, zu sagen "Wir sind der HSV". Wir wissen, dass es Spiele gibt wie in Dresden, wo die Stimmung heiß ist. Oder, dass es für viele ein Kulturschock ist, wenn man in Sandhausen vor weniger Zuschauern spielt. Diese Dinge sind für den Kopf entscheidend.

SPORT1: Der Aufstieg als Selbstläufer darf also gar nicht erst in den Kopf?

Holtby: Für Fußballdeutschland gehören Vereine wie Köln und der HSV nach oben. Die Frage ist, wie du es als Verein annimmst: Du kannst nach dem Abstieg durch die Liga spazieren und meinst es geht von alleine. Oder du kannst den ganzen Verein zusammentrommeln und eine Stärke präsentieren, intern und nach außen, und lieferst auf dem Parkett das, was du vorlebst.

SPORT1: Worauf freuen Sie sich dabei besonders?

Holtby: In der Zweiten Liga vor ausverkauftem Haus zu spielen und endlich mal die Chance zu haben mit dem Verein auf den Top-Plätzen zu spielen. Das tut allen gut und mir auch. Deswegen war es für mich ein "No Brainer", beim HSV zu bleiben. Ich freue mich wahnsinnig auf die Challenge. Es wird geil, in meiner Vita steht noch kein Aufstieg in die erste Bundesliga.

SPORT1: Und ein Besuch auf dem Hamburger Rathausbalkon fehlt auch noch, richtig?

Holtby: Das wäre fantastisch. Ich war bisher nur als Tourist am Rathausmarkt, und es wäre echt schön, wenn ein Foto nach der Saison von uns mit dieser schönen Radkappe gedruckt werden würde.

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