HSV: Vom Spitzenreiter zur Lachnummer
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München - Der Hamburger SV hat weitaus mehr Baustellen als es der Tabellenstand ausdrückt. Gegen Regensburg treten alle gleichzeitig offen zutage. SPORT1 betreibt Ursachenforschung.

Nach zwölf Punkten aus sechs Spielen in seiner allerersten Zweitliga-Saison steht der Hamburger SV rein tabellarisch mit Platz zwei durchaus passabel da. Doch die 0:5-Heimklatsche – die höchste im Ligabetrieb seit der Saison 1973/74 gegen den FC Bayern – gegen Jahn Regensburg legte schonungslos dar, dass bei den Hanseaten trotzdem vieles im Argen liegt.

Vor allem in der Defensive, wo dem HSV seit Wochen jede Menge individueller Fehler unterlaufen – die gleich zum Auftakt bei der 0:3-Pleite gegen Holstein Kiel und eben jetzt von Regensburg eiskalt bestraft wurden. Aber auch in den anderen Partien stürzte die Truppe von Christian Titz zeitweise von einer Verlegenheit in die nächste.

"Wir sind völlig unter die Räder gekommen. Wir müssen uns auch nichts vormachen, wir haben schon die letzten Wochen nicht gut verteidigt. Es ist alles schief gelaufen, was hätte schieflaufen können", erklärte ein konsternierter Aaron Hunt nach dem Regensburg-Spiel auf Sky.

Doch woran liegt es, dass die Gegner viel zu leicht zu hochkarätigen Torchancen kommen und der Bundesliga-Absteiger auf der Stelle tritt? SPORT1 begibt sich auf Ursachenforschung (Die Tabelle der 2. Bundesliga).

Defensive Unzulänglichkeiten

Dank der individuellen Klasse einiger Spieler fiel es bislang kaum ins Gewicht, dass der Defensivverbund den Gegnern mit zahlreichen Patzern Torchancen en masse ermöglichte. So war es beispielsweise nur eines Hattricks von Pierre-Michel Lasogga zu verdanken, dass der HSV mit 3:2 gegen Heidenheim gewann.

Ansonsten scheint die offensive Grundausrichtung eher Gift für die Mannschaft zu sein, da sie bei der Spieleröffnung sehr hoch steht und aufgrund fehlender Überzahlsituationen häufig anfällig für Konter ist.

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Das Spiel gegen Regensburg wurde aber vor allem aufgrund von haarsträubenden Fehlern verloren. Allein drei Gegentore musste der HSV nach Standards hinnehmen, dazu kam der Aussetzer von Keeper Julian Pollersbeck vor dem 0:1.

Personalentscheidungen

Kritik entzündete sich an Titz hinsichtlich seines Umgangs mit Torjäger Lasogga. Der Stürmer erzielte bereits fünf Tore, saß trotzdem in drei der sechs Ligaspiele zunächst auf der Bank – wie gegen Regensburg.

"Natürlich freue ich mich, wenn er Tore macht und ich kenne auch seine Fähigkeiten", sagte Titz am Montag auf der Pressekonferenz. "Aber wir haben einige gute Stürmer mit unterschiedlichen Qualitäten, deshalb ist es so, dass wir auch mal eine andere Entscheidung treffen."

Schwer nachvollziehbar ist auch, warum Titz sein im Nachholspiel in Dresden siegreiches Team gegen Regensburg auf sechs Positionen verändert hat. So lassen sich schwerlich Konstanz und Automatismen entwickeln.

"Ich persönlich beschäftige mich mit diesen Dingen nicht. Ich bin mir aber dessen bewusst, dass ich bei einem Verein arbeite, bei dem vieles in Extremen bewertet wird", lässt Titz jegliche Kritik von sich abprallen.

Verletztenmisere

Mit dem auserkorenen neuen Abwehrchef Gideon Jung sowie Kyriakos Papadopoulos verletzten sich in der Vorbereitung zwei gestandene Verteidiger schwer am Knie und fallen noch monatelang aus.

Die Erfahrung der beiden Abwehrrecken würde dem HSV in der jetzigen Situation sicherlich gut tun.

Dazu kommt noch die Knieverletzung des offensiven Hoffnungsträgers Jairo, der ebenfalls erst 2019 wieder auf dem Platz stehen wird.

Ausblick

"Wir haben gestern im Verbund schlecht verteidigt und bei den Standards schlecht gestanden. Wir versuchen, das Ganze zu analysieren, um es dann am Donnerstag besser zu machen", erklärte Titz, der Ruhe bewahren will und um Deeskalation bemüht ist: "Ich werde eines mit Sicherheit nicht tun: Ich werde meine Spieler nicht durchs Dorf jagen."

Und doch zog er vor den richtungweisenden Partien in Fürth (2. Liga: Greuther Fürth - HSV, Do. ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) und gegen den FC St. Pauli (2. Liga: St. Pauli - HSV, So. ab 13.30 Uhr im LIVETICKER) die Zügel merklich an: Statt zum geplanten Aqua-Jogging ins Schwimmbad zitierte er seine Profis am Montag zum ausführlichen Videostudium in den Volkspark.

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