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Olaf Schröder kommentiert die Abschaffung der Montagsspiele
Im vorletzten Montagsspiel auf SPORT1 setzte sich der VfB Stuttgart gegen Union Berlin am 24. April 2017 mit 3:1 durch. 1,41 Millionen Zuschauern (Z3+) waren im Schnitt dabei © SPORT1-Grafik/Getty Images
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München - Die 2. Liga schafft die Montagsspiele ab. Eine überstürzte Entscheidung, kommentiert Olaf Schröder, Vorstandsvorsitzender Constantin Medien und Vorsitzender der Geschäftsführung SPORT1.

Rückblende: 18. Oktober 1993, Hamburger Millerntor-Stadion. Der FC St. Pauli und der VfL Bochum trennen sich nach Toren von Uwe Wegmann zur Führung für den VfL und dem Ausgleich durch Markus "Toni" Sailer 1:1. Unentschieden, kein Sieger - und doch der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte: Es war die Premiere für das Montagspiel der 2. Bundesliga – live und frei empfangbar für alle Fußballfans in Deutschland!

"I like Mondays" - das sage ich aus emotionalen, sehr persönlichen Gründen: Ab 1993 durfte ich die Liveübertragungen der Montagsspiele im DSF und später auf SPORT1 als Leiter der Sendung im Ü-Wagen vor Ort in den Stadien begleiten - über 350 mal, insgesamt waren es 643 Spiele im Free-TV. Eine großartige Zeit mit unglaublich vielen Highlights und Geschichten:

Neun Mal wurde es nicht "just another manic Monday", sondern ein "magic Monday", der in die Klubgeschichte einging. Denn neun Mal feierten Klubs den Bundesliga-Aufstieg live im Free-TV - vier Mal allein der 1. FC Köln, zuletzt 2014 zuhause gegen Bochum.

Denkwürdige Spiele und Ereignisse fanden am Montagabend unter Flutlicht statt - wie das 5:5 zwischen Energie Cottbus und dem Karlsruher 2010, das 4:4 zwischen dem KSC und Hansa Rostock 2006, das 7:0 des "Effzeh" gegen Union Berlin 2002 oder die vier Tore von Ermin Melunovic beim 4:2 von Schweinfurt 05 gegen Ahlen 2001. Und natürlich das "Rekordspiel" im April 1997: Vor 75.000 Zuschauern im Olympiastadion spielten Hertha BSC und Kaiserslautern um den Aufstieg - und im TV sahen in der Spitze rund 3,5 Millionen Zuschauer bei einem herausragenden Marktanteil von 10 Prozent zu.

Nationalspieler wie Michael Ballack, Olaf Marschall, Oliver Neuville, Stefan Beinlich, Dariusz Wosz und Lukas Podolski betraten beim Montagsspiel vor einem Millionenpublikum die große Fußballbühne, Trainergrößen wie Jürgen Klopp, Otto Rehhagel, Christoph Daum, Winfried Schäfer, Volker Finke, Ewald Lienen oder Peter Neururer machten den Montagabend für die Zuschauer zum TV-Erlebnis.

Überstürzte und falsche Entscheidung

Auf dieser Historie ist meine Leidenschaft für den Montag begründet. Deshalb war ich fassungslos, als ich am Dienstag von der geplanten Abschaffung des Montagsspiels ab 2021/22 hörte, auf die sich die Vertreter der Zweitligaklubs geeinigt haben. Stattdessen ist geplant, künftig ein Spiel am Samstagabend ab 20:15 Uhr auszutragen.

Diese Entscheidung halte ich für überstürzt und falsch - und das, ganz abgesehen von der emotionalen Komponente, vor allem aus rein rationalen Gründen: Das Montagsspiel wurde zu einer Erfolgsgeschichte, weil die Ansetzung am Montagabend die oft als "Unterhaus" titulierte Liga erstmals zur besten Sendezeit ins Rampenlicht stellte - gut für die 2. Bundesliga, die Klubs, die Sponsoren und vor allem für viele Fußballfans.

Die Kritik einiger Fans, die aufgrund der Montagsspiele teilweise lange Auswärtsfahrten einplanen mussten, darf in diesem Kontext nicht verschwiegen werden und ist aus deren Sicht auch nachvollziehbar, sollte allerdings immer im Zusammenhang mit den Fakten betrachtet werden. Zur Einordnung: In der Saison 2016/2017 gab es insgesamt 27 Montagsspiele. Am häufigsten wurde der VfB Stuttgart mit acht Partien übertragen, davon allerdings sechs Heimspiele. Die meisten Auswärtspartien (jeweils vier) standen für den 1. FC Nürnberg und den 1. FC Kaiserslautern auf dem Programm. Die Hälfte aller Klubs bestritt hingegen gar kein oder nur ein Montagsspiel in der Fremde. Die Auswärtsfahrten betreffen in der Regel eine drei- bis vierstellige Zahl an Fans, während im Schnitt eine Million Fans im Free-TV mitfiebern konnten.

Hohe mediale Präsenz durch Montagsspiele

Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg ist das Montagsspiel auf dem gelernten Sendeplatz in Fußball-Deutschland zu einer Institution geworden. Vor 1993 führte die gesamte 2. Liga im Vergleich dazu ein Schattendasein, im TV waren höchstens Kurzberichte zu sehen. Im Sog des Montagspiels etablierten sich auch Magazin-Sendungen mit den Highlights aller Zweitliga-Partien, die Liga gewann an Relevanz und Popularität.

Auf der großen Bühne konnten sich die Klubs bundesweit präsentieren und auch neue Zielgruppen sowie Sponsoren ansprechen. In der Saison 2016/17, als die 2. Bundesliga zuletzt live im Free-TV auf SPORT1 übertragen wurde, verfolgten im Schnitt knapp eine Million Zuschauer die Partien. Mit der größeren medialen Präsenz stiegen auch die Zuschauerzahlen in den Stadien, auf durchschnittlich rund 18.000 im Zeitraum zwischen 2010/11 bis 2016/17 nach Angaben des Verbands europäischer professioneller Fußballligen (EPFL). Damit liegt unsere 2. Liga vor den ersten Ligen Russlands und Schottlands.

Die gestiegene Attraktivität hat auch zu einer stärken Kapitalisierung der 2. Bundesliga geführt. Vor Beginn der seit 2017/18 laufenden aktuellen Rechteperiode hat die DFL aus wirtschaftlichen Gründen entschieden, das Montagsspiel exklusiv an Sky zu vergeben. Seitdem ist das Montagsspiel nur noch im Pay-TV zu sehen mit entsprechend deutlich geringeren Einschaltquoten - aber dafür mit einer gestiegenen Kapitalisierung. Die jeweilige Begegnung erhält auch in den Medien und beim Publikum nicht mehr die gleiche Beachtung wie zuvor.

Mehr Konkurrenz am Samstagabend

Dies wird jetzt auch als Begründung für die Abschaffung des Montagsspiels ab 2021/22 und die Verlegung auf Samstagabend angeführt - für die 2. Bundesliga die deutlich schlechtere Wahl, eine unnötig voreilig getroffene Entscheidung mitten in der laufenden Rechteperiode.

Die Montagsspiele hatten eine besondere Stellung in der deutschen TV-Landschaft – in der Konstellation auch im internationalen Vergleich ein Alleinstellungsmerkmal. Das Zweitliga-Topspiel hatte als bedeutendste Partie des Tages im deutschen Fußball eine bundesweite Präsenz. Ob sich das am Samstagabend ähnlich umsetzen lässt, ist fraglich. Denn die Bundesliga nimmt zu diesem Zeitpunkt medial einen großen Raum ein - mit den Spielen am Nachmittag und dem anschließenden Topspiel.

Hinzu kommt das Konkurrenzangebot durch andere Sportarten, die große TV-Konkurrenz und generell die Fülle an Freizeitangeboten am Wochenende und insbesondere am Samstagabend. Der Montagabend als fest etablierter Tag beim Publikum hatte dagegen eine ganz andere Bedeutung als Programm-Leuchtturm für die 2. Liga.

An ein mahnendes Beispiel aus der Vergangenheit sei in diesem Zusammenhang noch erinnert: 2001 wurden die "ran" Bundesliga-Highlights in SAT.1 zu Saisonbeginn auf Samstagabend, 20:15 Uhr, gelegt. Bereits nach wenigen Spieltagen wurde diese Entscheidung rückgängig gemacht aufgrund geringer Quoten und nach vielen Protesten mit dem Credo, der Samstagabend gehöre der Familie.

Die Bundesliga braucht den Montagabend übrigens tatsächlich nicht unbedingt - der Verzicht auf diesen Sendeplatz ist aus Sicht der Erstligisten nachvollziehbar. Die 2. Bundesliga und ihre Klubs bräuchten ihn umso mehr – und zwar möglichst für alle Fans. Dann würden auch wieder mehr fußballbegeisterte Menschen sagen: "We like Mondays!"

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