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Der Hamburger SV muss nach einer Pleite in Paderborn weiter in der 2. Liga spielen. Die Zukunft von Hannes Wolf steht in Frage. Kapitän Aaron Hunt rechnet ab.

Die Profis des Hamburger SV ließen voller Entsetzen den Zorn der mitgereisten Fans über sich ergehen, auf der anderen Seite feierte der SC Paderborn ausgelassen seinen Coup im Kampf um den Aufstieg.

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Nach dem 1:4 (0:1) im Zweitliga-Spitzenspiel hat der HSV seine Chance auf die direkte Rückkehr in die Bundesliga so gut wie verspielt - einen Spieltag vor Saisonende ist der GAU nicht mehr abzuwenden. (Service: Die Tabelle der 2. Liga)

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"Wir haben jedes Mal versagt, wenn es darauf ankam. Ich habe heute nicht gesehen, dass wir uns gewehrt haben. Es ist katastrophal, wir sind völlig verdient nicht aufgestiegen", sagte Kapitän Aaron Hunt bei Sky. Nur mit Sicherheitsabstand hatten er und seine Teamkollegen sich vor den aufgebrachten Anhang getraut, vereinzelt flogen Becher in Richtung der Spieler. Die Fans sangen: "Wir sind Hamburger und ihr nicht."

Keeper Tom Mickel, der Julian Pollersbeck (Infekt) vertrat, sah es ähnlich wie Hunt: "Wir haben die letzten acht Spieltage einfach nicht das Gesicht eines Aufsteigers gezeigt. Jeder Einzelne – da schließe ich mich ein – muss sich nun hinterfragen, ob er für dieses Ziel in der Rückrunde wirklich alles gegeben hat. Wir haben zu oft Mentalität vermissen lassen und das darf man nicht! Wenn man für diesen Klub spielt, dann muss man Herz, Leben und Leidenschaft zeigen und das Trikot mit Stolz tragen."

Auch Trainer Hannes Wolf war nach der Pleite bedient. "Es war das Spiegelbild der letzten Wochen, dass wenige Dinge gereicht haben, um unser Konstrukt einstürzen zu lassen. Das tut mir total leid für die fantastischen Fans und Mitarbeiter, aber wir sind gegen die Entwicklung, die da eingezogen ist, nicht mehr angekommen. Es gibt Momente, wo du eingestehen musst, dass alles zu geben, nicht gereicht hat."

Wolf: "Dann ist das Ding kollabiert"

Für Wolf war vor allem die nachlässige Abwehrarbeit der Grund für den Absturz in der Rückrunde. "Wir haben die defensive Stabilität, die uns ausgemacht hat, nicht mehr auf den Platz bekommen. Wir haben in dieser Saison nie richtig gut nach vorne gespielt, sondern der einzige Grund, warum wir so lange oben waren, war die defensive Stabilität. Das haben wir dann verloren - und irgendwann war es dann auch egal, wen du aufstellst. Dann ist das Ding kollabiert." 

Zu seiner Zukunft wollte sich der HSV-Coach kurz nach dem Spiel nicht äußern - und auch Sportvorstand Ralf Becker hielt sich bedeckt. "Es geht darum, das Beste für den HSV zu entscheiden. Und es ist jetzt nicht der Augenblick, 20 Minuten nach so einem katastrophalen Auftritt. Wir müssen in Ruhe die Entscheidung treffen, die für uns die größte Wahrscheinlichkeit gibt, nächstes Jahr aufzusteigen."

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Ganz anders ist dagegen die Stimmung beim SCP: Die Ostwestfalen sind weiterhin Zweiter und können am letzten Spieltag schlimmstenfalls auf den Relegationsplatz abrutschen. "Es hat sich in der Saison abgezeichnet, dass wir die Qualität in der Mannschaft haben", sagte Paderborns Philipp Klement bei Sky. "Es wäre eine Sensation, wenn wir aufsteigen."

Die Zukunft von Hannes Wolf ist nach dem verpassten HSV-Aufstieg offen
Die Zukunft von Hannes Wolf ist nach dem verpassten HSV-Aufstieg offen © Getty Images

Auf den Tag genau ein Jahr nach dem ersten Bundesliga-Abstieg des HSV trafen Paderborns Doppelpacker Sebastian Vasiliadis (25., 46.) und Christopher Antwi-Adjei (81., 85.) mitten ins Herz der Hamburger, für die einzig Rick van Drongelen (71.) erfolgreich war. "Es ist ein Spiegelbild der vergangenen Wochen. Wir haben alles versucht, gegen die Entwicklung anzukämpfen. Bittere Wochen, bittere Tage, die wir erst einmal verdauen müssen", sagte Trainer Wolf.

Paderborn vor Rückkehr in die Bundesliga

Die Norddeutschen könnten zwar am letzten Spieltag noch nach Punkten mit dem dritten Aufstiegsanwärter Union Berlin gleichziehen - weil sie aber im Vergleich eine um 21 Tore schlechtere Tordifferenz haben, spricht alles für eine weitere Saison im Unterhaus.

Dieses Schreckensszenario hätte sich der HSV, der sowohl in der Hinrunde als auch im DFB-Pokal gegen den SCP gewonnen hatte, ersparen können. Doch im "Endspiel" in Paderborn wirkten zu Beginn nur die Gastgeber wild entschlossen. Mit zunehmender Spieldauer fand der HSV besser ins Spiel, vergab aber durch Leo Lacroix (15.) und van Drongelen (19.) zwei gute Chancen. Mitten in dieser Hamburger Druckphase fiel der Führungstreffer des SCP.

Wolf erhöhte nach der Pause das Risiko und wechselte Hunt für Abwehrspieler David Bates ein - doch nur Sekunden nach Wiederanpfiff fiel der zweite Gegentreffer. Lacroix verlor den Ball leichtfertig an Vasiliadis, der sich die Chance nicht nehmen ließ.

Hamburg hatte den Gastgebern kaum noch etwas entgegenzusetzen. Im Gegenteil: Paderborn fand immer wieder Lücken, kam zu besten Chancen und drängte auf die Entscheidung. Hamburgs van Drongelen sorgte mit seinem Anschlusstreffer nur kurzzeitig für Spannung, weil Antwi-Adjei kurz darauf alles klarmachte.

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