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Bakery Jatta oder Bakery Daffeh? Der Wirbel um die Identität des Profis vom Hamburger SV hält an - und wirft Fragen zu den Folgen auf.

HSV-Profi Bakery Jatta soll nicht Bakery Jatta heißen, sondern Bakery Daffeh. Er sei 23 und nicht 21 Jahre alt und habe entgegen seiner eigenen Darstellung schon eine Profi-Karriere in der Heimat Gambia hinter sich.

Das ist das Ergebnis einer vieldiskutierten Recherche der Sport Bild – aber was folgt daraus?

Die Geschichte einer mutmaßlichen Identitätsfälschung ist kompliziert. Wohin sie noch führen wird: schwer abzuschätzen in einer Angelegenheit, für die es kaum Präzedenzfälle gibt.

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Der 1. FC Nürnberg hat bereits Protest gegen das 0:4 am Montag in der 2. Bundesliga eingelegt, bei dem Jatta 65 Minuten auf dem Platz stand. Auch der DFB ermittelt. "Das Thema ist hier bekannt, der Kontrollausschuss wird den Sachverhalt untersuchen", berichtet Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses.

Jatta behält Spielgenehmigung

HSV-Sportchef Jonas Boldt reagierte mit Verwunderung auf die Maßnahmen der Nürnberger. "Wir werden dazu selbstverständlich wie gefordert Stellung gegenüber dem DFB und der DFL beziehen", sagte Boldt am Donnerstag.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) gab vorerst grünes Licht. "Da es bisher keinen Beweis für eine falsche Identität des Spielers gibt, behält die Spielberechtigung für Bakery Jatta, geboren am 6. Juni 1998, aktuell ihre Gültigkeit", twitterte die DFL am Donnerstagabend. Weiter hieß es, dass die Liga und der DFB Interesse an einer "schnellen Aufklärung des Sachverhaltes" haben und hierzu mit dem Hamburger SV im Austausch stehen.

Zuvor sicherte Boldt Jatta die volle Unterstützung zu: "Wir stehen voll hinter Bakery und werden ihn auch weiterhin voll umfänglich im Trainings- und Spielbetrieb einplanen, zumal er ein wertvoller Spieler und voll integrierter, geschätzter Teamkollege ist."

Darmstadt verzichtet auf Protest

Hamburgs Auftaktgegner Darmstadt 98 gab unterdessen bekannt, auf einen Einspruch gegen die Wertung des 1:1-Unentschiedens am 1. Spieltag zu verzichten.

"Wir haben bewusst auf einen Einspruch verzichtet, weil in unseren Augen offensichtlich kein bewusst unsportliches Verhalten seitens des Hamburger Sportvereins vorliegt", teilte das Präsidium der Lilien am Donnerstag mit. "Der HSV hat für uns glaubhaft öffentlich versichert, gültige Dokumente des Spielers zu besitzen, die eine offizielle Spielberechtigung rechtfertigen. Unserer Meinung nach ist es daher in diesem Fall falsch, mit juristischen Mitteln sportlich erzielte Ergebnisse anzufechten und sich am grünen Tisch Punkte erstreiten zu wollen." 

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Worst Case für Jatta: Entzug des Aufenthaltsrechts

Unabhängig davon ist der Fall Jatta aber zunächst auch einer für die Behörden abseits des Sports: Es geht um die Frage, ob Jatta die Rücknahme seiner Aufenthaltsgenehmigung befürchten muss.

Wie das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte der Zeit bestätigte, wird der Fall Jatta behandelt wie jeder andere auch: Das Amt geht den Hinweisen nach und wird eine Anhörung durchführen, wenn sich der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten erhärtet.

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Im für ihn schlimmsten Fall droht Jatta ein Rücknahmeverfahren, das im Entzug des aktuell bis 2022 erteilten Aufenthaltrechts enden kann.

Staatsanwaltschaft könnte gegen Jatta aktiv werden

Zudem drohen auch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Passfälschung. Als Höchststrafe stehen (sehr theoretisch) drei Jahre Haft für "Verändern amtlicher Ausweise" und fünf Jahre Haft für "Urkundenfälschung" im Raum.

Praktisch ist in beiden Verfahren viel Ermessensspielraum vorhanden.

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Jatta war 2015 als angeblich noch 17-Jähriger nach einer Flucht aus seiner Heimat nach Deutschland gekommen. Die Aufenthaltsgenehmigung bekam er im Jahr darauf. Es geht nicht um einen Asylantrag, den Jatta trotz seiner Flucht im Jahr zuvor formell nie gestellt hat.

2016 unterschrieb Jatta einen Dreijahresvertrag beim Hamburger SV, den er zuvor in einem Probetraining überzeugt hatte. Im Winter folgte eine Verlängerung bis zum Jahr 2024.

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