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Der HSV stellt Vorstandsboss Bernd Hoffmann frei. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Max-Arnold Köttgen tritt zurück. Ein Ex-Profi wird infolgedessen befördert.

Der Aufsichtsrat tagte fast fünf Stunden, dann war die zweite Amtszeit von Bernd Hoffmann als Klubchef des Hamburger SV beendet.

Hoffmann wurde nach ständigen Differenzen mit Finanzchef Frank Wettstein und Sport-Vorstand Jonas Boldt freigestellt. Wettstein und Boldt führen den Zweitligisten als Duo weiter.

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Jansen wird Aufsichtsratsvorsitzender

"Ich hätte den HSV sehr gerne durch diese Krise geführt, muss aber akzeptieren, dass der Aufsichtsrat sich für einen anderen Weg entschieden hat", sagte Hoffmann und ergänzte: "Es war mir eine Ehre, dem HSV zu dienen."

Nach der Entscheidung traten der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Max-Arnold Köttgen und Vereins-Vizepräsident Thomas Schulz von ihren Aufsichtsratsämtern zurück. Köttgens Nachfolger wird der frühere HSV-Profi und aktuelle Vereinspräsident Marcell Jansen. 

"Wir können uns in dieser schwersten Krisenzeit des gesamten Profifußballs keine Energieverluste und belasteten Vertrauensverhältnisse leisten. Der volle Fokus muss auf die HSV-Interessen gerichtet sein", sagte Jansen.

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Hoffmann: "Es war eine fantastische Zeit"

Das Verhältnis zwischen Hoffmann (Vertrag bis 2021) und Wettstein sowie Boldt galt als zerrüttet. Entstanden sein sollen die atmosphärischen Störungen unter anderem durch Eingriffe von Hoffmann in Boldts Kompetenzbereich - wie bei der Abwicklung des Wechsels von Douglas Santos zu Zenit St. Petersburg.

Hoffmann stieg nach dem Bundesliga-Abstieg des HSV im Mai 2018 zum zweiten Mal zum Vereinsboss der Hanseaten auf.

Bereits von Februar 2003 bis März 2011 hatte er den Traditionsklub geführt. "Es war eine fantastische Zeit mit vielen unvergesslichen Begegnungen, tollen Mitarbeitern und vielen engagierten ehrenamtlichen Helfern", sagte Hoffmann.

Köttgen tritt zurück

Bereits am vergangenen Mittwoch hatten Hoffmann, Wettstein und Boldt einzeln vor ausgewählten Mitgliedern des Aufsichtsrates um dessen Vorsitzenden Köttgen antreten müssen, um über die Zerwürfnisse Auskunft zu geben. Nach der Entscheidung am Samstag ist auch für Köttgen Schluss. 

Köttgen erklärte, er halte Veränderungen im Vorstand aus seiner Sicht und "vor dem Hintergrund der aktuell zu bewältigenden Anforderungen" für "verfehlt".

Die "mehrheitlich gegen mein Votum getroffene Entscheidung des Aufsichtsrates, sich vom Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann zu trennen, bedeutet für mich, dass ich der HSV Fußball AG weder als Aufsichtsratsvorsitzender noch als normales Mitglied des Kontrollgremiums weiter zur Verfügung stehe", sagte er.

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Investor Kühne hofft auf personelle Neuaufstellung

"Ich hoffe es", hatte Klaus-Michael Kühne unter der Woche der Zeit auf die Frage gesagt, ob es in absehbarer Zeit zu einer personellen Neuaufstellung beim HSV kommen werde. 

Und damit an der Elbe den Wirbel um das zerstrittene Führungstrio noch einmal verstärkt. Die Reibereien zwischen Hoffmann, Wettstein sowie Boldt bezeichnete der milliardenschwere Investor des Klubs als "degoutant", was so viel bedeutet wie ekelhaft oder widerlich.

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Hoffmanns erklärtes Ziel war es seit Beginn seiner zweiten Amtszeit beim HSV vor etwa zwei Jahren auch, die finanzielle Abhängigkeit von Kühne zu verringern.

So laufen derzeit etwa keine Gespräche über die Verlängerung des Namenssponsorings am Volksparkstadion. Wettstein wird hingegen ein gutes Verhältnis zu dem umstrittenen Investor nachgesagt.

Zuletzt hatte Hoffmann Differenzen mit Boldt eingeräumt. Ihm sei klar gewesen, dass der HSV ein Alphatier verpflichte, das "immer eine eigene Meinung haben wird und diese auch vertritt", sagte Hoffmann der Sport Bild: "Und Jonas Boldt war klar, dass er mit mir hier nicht in einen diplomatischen Corps eintritt."

Die Konstellation inklusive Wettstein sah der Manager noch vor einigen Tagen als "für die kommenden Jahre tragfähig" an. Der Aufsichtsrat sah das anders. Hoffmann ist beim HSV Vergangenheit.

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