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Hamburg - Der HSV kommt auch hinter den Kulissen nicht zur Ruhe. Nachdem Investor Klaus-Michael Kühne wohl seine Anteile verkaufen will, entbrennt ein neuer Machtkampf.

Aufsichtsrat gegen Präsidium, neuer Machtkampf beim HSV: Der Hamburger SV steht nach dem erneut verpassten Aufstieg in die Bundesliga vor einer ungewissen Zukunft.

Besonders die finanzielle Lage stellt die Hanseaten vor eine riesengroße Herausforderung: Hauptsponsor Fly Emirates und Investor Klaus-Michael Kühne haben ihren Rückzug angekündigt.

Dadurch entsteht im Etat vorerst ein Loch von knapp sechs Millionen Euro - die Auswirkungen der Corona-Krise, fehlende Einnahmen aus dem Ticketing und dem Hospitality-Bereich kommen erschwerend hinzu.

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Den Verantwortlichen im Volkspark ist klar: Ohne finanzielle Unterstützung wird es für den HSV weder möglich sein, Trainer Dieter Hecking von einer Vertragsverlängerung zu überzeugen, noch einen konkurrenzfähigen Kader zusammenstellen.

Im Hintergrund ist in den Gremien des HSV nach Informationen von SPORT1 deshalb ein Richtungsstreit entbrannt, der den Klub in zwei Fraktionen teilt.

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Kühne will Anteile verkaufen

Finanzvorstand Frank Wettstein und Aufsichtsratschef Marcell Jansen haben bislang ein enges Verhältnis zu Investor Kühne gepflegt und wollen versuchen, den Milliardär umzustimmen. Kühne hat den Vertrag über das Namensrecht am Stadion nicht verlängert und möchte darüber hinaus seine Anteile in Höhe von 20,57 Prozent an der ausgegliederten Profifußballabteilung HSV Fußball AG verkaufen.

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Aus dem Präsidium des Amateur- und Breitensportvereins HSV e.V., bei seinen Mitgliedern und den Ultras formiert sich schon seit längerer Zeit Widerstand gegen den Einfluss von Kühne. Der HSV e.V. ist mit über 76 Prozent der Aktien Mehrheitsgesellschafter der Profiabteilung.

Die beiden Vize-Präsidenten Thomas Schulz und Moritz Schäfer machen sich intern für einen Kurs stark, der den HSV unabhängiger von Kühne machen soll. Präsident Jansen (zeitgleich Aufsichtsratsvorsitzender) sieht das anders. Schon im März hat es in den Gremien des Klubs wegen der Entlassung des Vorstandschefs Bernd Hoffmann heftig geknallt.

Rechtsformänderung der Profiabteilung?

Jansen hat sich nach SPORT1-Informationen gegen die Linie des HSV-Präsidiums gestellt und für eine Freistellung von Hoffmann gestimmt. Schulz und der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Max-Arnold Köttgen traten daraufhin aus dem Kontrollgremium der Profifußballabteilung zurück, Jansen stieg zum Vorsitzenden auf.

Ein Schachzug, der ganz im Sinne Kühnes war. Zuvor hatte sich der 83-Jährige öffentlich für Veränderungen im Vorstand und für eine Aufwertung Jansens ausgesprochen. Kühne und Jansen stehen schon länger in Gesprächen über ein neues Konzept, das eine Rechtsformänderung der Profifußballabteilung von einer Aktiengesellschaft (AG) in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) nach dem Vorbild von Borussia Dortmund vorsieht.

Dafür bräuchte Jansen eine Mehrheit im dreiköpfigen Präsidium, seine beiden Mitstreiter Schulz und Schäfer sind jedoch gegen einen größeren Einfluss von Kühne. Schulz soll deshalb in einem Gespräch mit Teilen des Vorstandes und Aufsichtsrates zum Rücktritt bewegt werden.

Der Hintergrund dieses Vorganges ist nicht nur dessen Positionierung gegen eine Entlassung Hoffmanns Ende März, sondern auch sein Wunsch nach einer Umgestaltung des fünfköpfigen Aufsichtsrates. Mit dem Marketing-Experten Markus Frömming und des Wirtschaftsmanagers Felix Goedhardt sind mindestens zwei enge Verbündete von Kühne im Rat vertreten.

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Speziell Goedhardt ist in der Vergangenheit schon prominenter aufgefallen als andere Kontrolleure: Der 56-Jährige hat Anfang 2018 mit zwei streng vertraulichen Mails im Kontrollgremium dafür geworben, den damaligen Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und den Sportdirektor Jens Todt zu entlassen.

HSV kommt nicht zur Ruhe

Bruchhagen hatte sich seinerzeit gegen eine weitere Kooperation mit Kühne ausgesprochen und geriet schnell in die Schusslinie. 

Die vereinspolitischen Spannungen prägen die Geschicke beim HSV schon seit vielen Jahren und sorgen immer wieder für Verwerfungen. Nun sind es Teile des Aufsichtsrates und des Präsidiums, die wegen der zukünftigen Ausrichtung der Rothosen aneinandergeraten.

Es gilt im Umfeld des Klubs daher als unwahrscheinlich, dass die Gremien in ihrer jetzigen Konstellation über den Sommer hinaus noch Bestand haben werden.

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