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Hamburg - Der Hamburger SV muss sparen und mehr aus der eigenen Jugend herausholen. Für den neuen Weg wurde nach SPORT1-Informationen auch bei Horst Hrubesch angefragt.

Nach dem erneut verpassten Aufstieg in die Bundesliga läuft beim Hamburger SV die Planung der neuen Saison im Hintergrund auf Hochtouren.

Jonas Boldt steht dabei vor der womöglich schwierigsten Aufgabe in seiner Karriere als Funktionär: Der Sportvorstand des HSV muss einen Kader formen, der deutlich günstiger, aber möglichst besser ist als zuletzt. Ohne Trikotsponsor, die Hilfe des Investors und fehlende Zuschauereinnahmen sind die Mittel der Hanseaten allerdings begrenzt.

"Die Rahmenbedingungen haben sich aus verschiedensten Gründen verändert, darum müssen wir unseren Kurs anpassen. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten sind nicht besser geworden, daher gilt es jetzt, andere und vor allem kreative Lösungen zu finden", hat Boldt bei der Vorstellung des neuen Trainers Daniel Thioune gesagt.

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Der 46-Jährige ist eine dieser kreativen Lösungen, die für den neuen Weg des HSV stehen sollen: Weg von teuren Routiniers, hin zu mehr Entwicklung.

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HSV setzt unter Thioune auch auf die Jugend

"Mit dem angepassten Weg, den wir als HSV eingeschlagen haben, und bei dem die Weiterentwicklung der Spieler und damit des gesamten Teams im Vordergrund steht, nimmt natürlich auch der Nachwuchs eine bestimmte Rolle ein. Ziel ist es noch mehr als zuvor, natürlich mit der nötigen Geduld, Spieler aus dem Nachwuchs an den Profikader heranzuführen", erklärt Boldt im Gespräch mit SPORT1.

Deshalb habe er sich bei der Auswahl eines Co-Trainers für Thioune bewusst für eine interne Lösung entschieden. Der bisherige Coach der U21-Mannschaft, Hannes Drews, wird Thioune bei der täglichen Trainingsarbeit zur Seite stehen. Drews soll als Bindeglied zwischen Nachwuchs und Profis fungieren und jungen Spielern den Sprung nach oben erleichtern.

Teure Nachwuchsarbeit, wenig Ertrag

Wie wenig der HSV in den vergangenen Jahren aus den Möglichkeiten seiner Nachwuchsarbeit gemacht hat, ist in der Führungsetage schon lange ein Thema und war einer der Hauptstreitpunkte zwischen Boldt und dem im März entlassenen Ex-Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann.

Über ein Konzept für die Optimierung der Jugendförderung hat es im Vorstand unterschiedliche Ansichten gegeben. Boldt muss sich nun notgedrungen stärker um die Entwicklung der eigenen Talente kümmern.

Mit Kosten von bis zu sechs Millionen Euro pro Jahr gehörte die Jugendabteilung des HSV zuletzt zu den teuersten im deutschen Profifußball. Der 19 Jahre alte Rechtsverteidiger Josha Vagnoman schaffte es in der abgelaufenen Saison als eines der wenigen Eigengewächse zu regelmäßigen Einsätzen bei den Profis.

Weitere Talente wie Stephan Ambrosius (21, Innenverteidiger) oder Aaron Opoku (21, Linksaußen) wollen die neue Chance beim HSV unter Thioune ebenfalls nutzen.

HSV fragte bei Hrubesch an

Boldt hat sich nach personeller Unterstützung für den Nachwuchsbereich auch im Umfeld des Vereins umgesehen. Nach Informationen von SPORT1 nahm der 38-Jährige gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Marcell Jansen Kontakt zur Klublegende Horst Hrubesch auf.

Der ehemalige Stürmer feierte mit dem HSV die größten Erfolge und gewann 1983 den Europapokal der Landesmeister. Nach seiner Karriere arbeitete er fast 20 Jahre als Nachwuchstrainer beim DFB.

Boldt und Jansen loteten die Chancen aus, Hrubesch für den HSV zu gewinnen. "Wir sind immer wieder im Gespräch mit vielen ehemaligen Profis, Trainern und Ex-HSVern, weil uns der Austausch und die verschiedenen Perspektiven sowie Eindrücke und Ideen zu neuen Impulsen verhelfen können. Nicht jedes Gespräch muss aber gleich in einer Anstellung oder Position beim HSV münden", sagt Boldt auf Nachfrage.

Hamburger Etat sinkt von 30 auf 20 Millionen

Dass junge und günstige Talente aus den eigenen Reihen in Zukunft eher gefragt sein werden als teure Routiniers, ergibt sich aus den immer knapper werdenden finanziellen Möglichkeiten.

Der Etat für den Profi-Bereich wird in der kommenden Saison von 30 Millionen Euro auf knapp über 20 Millionen schrumpfen. Damit liegen die Rothosen im ligaweiten Ranking aber trotzdem noch auf den vorderen Plätzen.

Absteiger Fortuna Düsseldorf und Hannover 96 sind mit etwa 16 Millionen Euro noch weit hinter dem HSV. Das setzt die Verantwortlichen bei der Zielvorgabe für die nächste Saison wieder unter Druck. Alles andere als der Aufstieg ist allein an den Zahlen gemessen nicht vertretbar.

Sportlich gesehen bräuchte die Mannschaft um Kapitän Aaron Hunt dafür mehr Qualität, vor allem in der Innenverteidigung. Klaus Gjasula vom SC Paderborn ist die erste Verstärkung für den zentral-defensiven Bereich. Mindestens zwei weitere sollen in den nächsten Wochen folgen.

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