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Ingolstadt und München - Der 1. FC Nürnberg schafft in letzter Sekunde den Klassenerhalt. In der letzten Minute der Nachspielzeit fällt in der Relegation der entscheidende Treffer.

Die Sekunden nach dem Schlusspfiff, in denen der Club ausnahmsweise mal nicht als Depp dastand, gingen in einem einzigen "Jaaa" unter.

Relegations-Held Schleusener verschwand unter einem Menschenknäuel, nachdem er in der sechsten Minute der Nachspielzeit den rettenden Treffer erzielt hatte.

In letzter Sekunde verhinderte der 1. FC Nürnberg den Absturz in die 3. Liga.

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Der Club rettete sich in einer dramatischen Zitterpartie trotz einer 1:3-Niederlage im Relegations-Rückspiel beim FC Ingolstadt und bleibt in der 2. Bundesliga. Es ist das späte Happy End einer enttäuschenden Saison.

"Unfassbar, mir fehlen wirklich die Worte. Es ist eine riesige Erleichterung, die von uns allen abfällt. Ich weiß nicht, ob ich jemals so viele Männer in Tränen gesehen habe", sagte Schleusener: "Ich habe am Ende nur noch die Traube über mich gespürt, an mir ging sogar vorbei, dass das Tor noch überprüft wurde. Es ist für mich schwer, das Spiel zu analysieren. Ich bin einfach nur in Trance."

Schiedsrichter Christian Dingert hatte fünf Minuten Nachspielzeit anzeigen lassen, pfiff dann aber erst nach 98 Minuten ab.

"Ich habe gedacht, ich sterbe"

"Riesengroße Erleichterung, ich habe gedacht, ich sterbe", sagte der noch leicht zitternde Nürnberger Aufsichtsratschef Thomas Grethlein nach der nervenaufreibenden Schlussphase einer verrückten zweiten Halbzeit, in der der Club nach drei Gegentreffern in 13 Minuten schon fast abgestiegen war.

Mit einem 0:3 wäre Nürnberg zum erst zweiten Mal seit 1996 in die Drittklassigkeit abgestürzt.

"Das ist schon verrückt. Ich bin ja schon lange dabei, aber das hat alles getoppt. Wir sind All-in gegangen und glücklicherweise belohnt worden. Für den ganzen Verein ein überragendes Tor, elementar wichtig", sagte Trainer Michael Wiesinger bei DAZN. Erst im vergangenen Jahr waren die Franken aus der Bundesliga abgestiegen.

Wiesinger: "Wir müssen uns beim Fußball-Gott bedanken, dass er uns nochmal die Hand gereicht hat."

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Nürnberg war mit einem beruhigenden 2:0-Vorsprung in die Partie in Ingolstadt gegangen und hatte bis zur Pause auch souverän agiert. Doch nach dem Seitenwechsel drehte Ingolstadt auf und traf innerhalb von 13 Minuten drei Mal.

Zunächst sorgte Stürmer Stefan Kutschke für das 1:0 (53.), das Nürnbergs Torhüter Christian Mathenia durch eine unglückliche Abwehraktion begünstigt hatte. Dann egalisierte Tobias Schröck in der 62. Minute das Hinspiel-Ergebnis.

Nur vier Minuten später ließ Robin Krauße die Gastgeber per Kopf erneut jubeln. Der Club konnte sich davon lange nicht erholen. Doch in letzter Minute schlug Schleusener zu.

Praktisch von der gleichen Stelle, an der sich der 28-Jährige im März 2019 als Spieler des SV Sandhausen ein Bein gebrochen hatte, spitzelte er nun den Ball an Ingolstadts Torhüter Marco Knaller vorbei ins Netz. "Es war ein absolutes Gefühlschaos. Wir haben Ingolstadt wieder ins Leben zurückgeholt, weil wir die Standards schlecht verteidigt haben", sagte Wiesinger.

Ingolstadt frustriert

Nach Abpfiff kam es zu Handgreiflichkeiten, die Schanzer waren nach dem bitteren Ende natürlich frustriert. Stefan Kutschke und Filip Bilbija gerieten mit Fabian Nürnberger aneinander.

Nach Abpfiff ging es wild zur Sache
Nach Abpfiff ging es wild zur Sache © ZDF

"Fakt ist: Es gab eine Nachspielzeit, die unverständlich ist", meinte FCI-Trainer Tomas Oral, der erst im vergangenen Jahr in der Relegation mit Ingolstadt gescheitert und in die 3. Liga abgestiegen war.

Bei der entscheidenden Szene fühlte er sich ebenso benachteiligt, da Ingolstadts Verteidiger Antonitsch nach einem kleinen Kontakt mit Michael Frey im Strafraum zu Boden ging und Schleusener wohl deswegen erst an den Ball kam. "Wenn Kontakt da ist, ist es Foul. Er berührt ihn schon. Das ist brutal", sagte Oral.

Wiesinger wohl zurück ins NLZ

Der Club hatte früh eine gute Kopfballchance durch Mikael Ishak (9.), danach gab es kaum Torraumszenen. Ingolstadt wurde nach gut 20 Minuten allerdings mutiger, kämpfte sich in die Partie und besaß bei einem Freistoß von Robin Krauße (28.), dessen Schuss knapp am Tordreieck vorbeiflog, eine gute Gelegenheit zur Führung. 

Nürnberg kam danach besser aus der Pause, konnte eine gute Chancen aber nicht nutzen. Und plötzlich kippte die Partie. Bei zwei Freistößen von Marcel Gaus agierten die bis dahin gut stehenden Nürnberger sehr ungeschickt. Die Sicherheit aus den ersten 50 Minuten war damit dahin, nach dem dritten Gegentreffer taumelte der Club - raffte sich aber noch einmal auf.

"Wir haben diese Saison viel auf die Fresse bekommen und viel Pech gehabt. Jetzt haben wir Glück gehabt", sagte Hanno Behrens, der sich beim Retter-Duo Wiesinger und Marek Mintal, aber auch bei Vorgänger Jens Keller bedankte.

Behrens ergänzte: "Ausnahmsweise ist der Club kein Depp."

Nach der späten Rettung ist in Nürnberg noch ungewiss, wie es personell weitergeht. Wiesinger betonte mehrfach, er gehe davon aus, auf seinen Posten als Leiter des Nachwuchszentrums zurückzukehren. Sein Relegations-Assistent Marek Mintal wird als neuen Cheftrainer gehandelt. Der umstrittene Sportvorstand Robert Palikuca muss um seinen Job bangen.

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mit Sport-Informations-Dienst

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