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Hamburg - Uwe Seeler spricht vor dem Derby HSV gegen St. Pauli im SPORT1-Interview über das heiße Duell, seine Beziehung zu Fritz Walter und Hamburgs Saisonstart.

Derbytime in Hamburg!

Am Freitagabend trifft der HSV im Stadtderby auf St. Pauli. (2. Bundesliga: HSV - St. Pauli ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

Die Highlights der Freitagsspiele ab 22.15 Uhr in Sky Sport News HD - Die 2. Bundesliga im TV auf SPORT1

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Dabei kann der Tabellenerste der 2. Liga auf die Unterstützung seines Edelfans bauen: Legende Uwe Seeler.

Im Interview mit SPORT1 spricht der 83-Jährige über die Bedeutung des Derbys, seine Beziehung zu Fritz Walter, den Saisonstart der Hamburger und

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SPORT1: Herr Seeler. Wie geht es Ihnen jetzt, einige Monate nach ihrer Hüft-OP Ende Mai? 

Uwe Seeler: Ich bin auf dem aufsteigenden Ast. Es wird immer besser und ich hoffe, dass ich bald auch wieder ohne Krücken gehen und auch bald spielen kann (lacht)

Seeler: "Habe sehr gute Verbindung" zu St. Pauli

SPORT1: Welche Bedeutung hat das Derby zwischen dem HSV und St. Pauli? 

Seeler: Eine große Bedeutung. Unsere Mannschaft ist gut gestartet. Ich hoffe, dass die das fortsetzen, obwohl ich weiß, dass das Derby immer ein besonderes Ereignis ist und St. Pauli auch gewinnen will. Aber ich hoffe, dass der HSV sich dementsprechend anstrengt und entweder gewinnt oder einen Punkt holt.  

SPORT1: Welche Erinnerungen haben Sie an die Spiele? 

Seeler: Es ist natürlich einige Jahre her und war ein bisschen anders, aber die Rivalität war auch damals da und das ist auch gut so, dass soll auch so sein. Die bessere Mannschaft soll gewinnen.  

SPORT1: Welche Verbindung haben Sie zum FC St. Pauli? 

Seeler: Man glaubt das kaum, aber ich habe an und für sich eine sehr gute Verbindung, kenne dort auch sehr nette Leute, mit denen ich mich gut verstehe. Das muss auch zum Sport dazugehören, dass man gute Verhältnisse hat. Darum hoffe ich, dass das Spiel zwar hart, aber trotzdem fair bleibt.   

Seeler über Aufstieg: "Der hätte schon klappen müssen"

SPORT1: Wie sehen Sie die Saison vom HSV bis jetzt? 

Seeler: Bislang kann man sehr zufrieden sein, mehr geht nicht. Ich hoffe, dass die Mannschaft das fortsetzt und auch weiß, dass sie gegen St. Pauli noch etwas zulegen muss.  

SPORT1: Fünf Spiele, fünf Siege. Tabellenführer...  

Seeler: Damit kann man zufrieden sein. Wenn das so weitergeht, ist das in Ordnung. Aber die Saison ist lang.  

SPORT1: Muss der Aufstieg dieses Jahr klappen? 

Seeler: Der hätte schon klappen müssen. Ich hoffe, dass er dieses Jahr klappt, aber garantieren kann das keiner. 

SPORT1: Wie sehen sie den neuen Trainer Daniel Thioune? 

Seeler: Er hat eine Chance verdient und bislang macht er seine Aufgabe hervorragend. Man kann ihm nur viel Glück wünschen, dass er so weitermacht, die Mannschaft im Griff hat und hoffentlich weiß, dass er gegen St. Pauli aufpassen muss. 

Kaum Fans? "Das ist sehr traurig"

SPORT1: Auch das Derby findet nur mit sehr wenigen Zuschauern statt. 

Seeler: Das ist sehr traurig, denn das wäre sonst sehr gut besucht. Aber so ist es im Moment nun mal, es muss so sein, dagegen kann man nichts tun. Aber ich hoffe, dass die Mannschaft trotzdem mit Ehrgeiz und Begeisterung spielen kann. 

SPORT1: Können Sie sich vorstellen, wie es ist, ohne Fans zu spielen? 

Seeler: Ich finde das ein bisschen schade. Man muss dann ein bisschen abschalten. Ich habe in meiner Laufbahn nicht erlebt, dass keine Zuschauer reindurften. Gott sei Dank nicht. Es ist schade, wenn man in einem leeren Stadion spielen muss. Wenn man gewinnen will, muss man sich selbst begeistern, aber das ist ja in jedem Spiel so. Immer aufs Neue wird man gefordert. Mit Begeisterung, Kampf und Ehrgeiz kann man Spiele gewinnen. 

SPORT1: Sie wirken nach ihrer Operation optimistisch. Wie gehen sie mit der Situation um? 

Seeler: Ich bin ja schon länger eingesperrt. Erst war ich im Krankenhaus und jetzt bin ich schon fast ein Jahr zuhause. Natürlich ist das auf Dauer langweilig, aber man muss ja aufpassen. Gerade in meiner Situation muss ich aufpassen, dass nichts passiert. Das könnte ich im Moment nicht gut gebrauchen.

Es wird viel gemeckert, aber ich glaube, es ist ganz schwer, den richtigen Dreh zu finden. Ich möchte kein Politiker sein und die Entscheidungen treffen müssen. Es ist ja immer falsch, egal was man macht. Wir selbst müssen vernünftig sein. Wenn jeder aufpasst und nicht rummeckert, dann würden wir auch schneller vorankommen.  

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Seeler: Terodde "brauchen wir unbedingt"

SPORT1: Zurück zum Sportlichen. Simon Terodde ist ein absoluter Torjäger… 

Seeler: Den brauchen wir unbedingt! (lacht)

SPORT1: Sehen Sie Parallelen zu Ihrem Spiel? 

Seeler: Klar sind Parallelen da. Ich habe gerne Tore gemacht und er auch. Ich wünsche ihm viel Erfolg und dass er oft trifft für den HSV. Das kann man sich nur wünschen, aber dazu gehört die gesamte Mannschaft. Fußball ist Mannschaftssport. Die Mannschaft gewinnt und die Mannschaft verliert.  

SPORT1: Wie wichtig ist ein Torjäger wie Terodde für eine Mannschaft?  

Seeler: Äußerst wichtig. Er ist immer eine Gefahr. Wenn er selbst nicht trifft, macht er auf jeden Fall Platz für andere.  

Seeler: Fritz Walter war ein Idol für mich

SPORT1: Am Samstag wäre Fritz Walter 100 Jahre alt geworden. Welche Bedeutung hat er für Sie? 

Seeler: Er war ein Weltklassespieler. Als ich in die Nationalmannschaft und zu Fritz Walter kam - ich habe ja mit ihm noch etwas zusammengespielt - war es angenehm, einen so erfahrenen Mann als Hilfe zu haben. Vor allen Dingen war Fritz ein ruhiger, aber sehr netter Kerl und Freund, der auch jüngeren Leuten geholfen hat. Wir sind schnell Freunde geworden, weil mir seine bescheidene Art, obwohl er ein Weltklassespieler war, gefallen hat. Wir haben uns hier in Hamburg getroffen, er war sogar in meinem Ferienhaus. Das war ein wunderbares Verhältnis. Ich habe viel von ihm gelernt.  

SPORT1: War er ein Idol für Sie? 

Seeler: Ja, auf jeden Fall. Was er gesagt hat, hatte Hand und Fuß. Wenn man das nicht übernommen hätte, dann wäre man sehr dumm gewesen. Er war bescheiden und hat Dinge ruhig erklärt.  

SPORT1: Welche Werte hat er vermittelt? 

Seeler: Bescheidenheit, Leistung bringen und nicht so viel darüber reden. Das ist wichtig. Angeber können wir nicht gebrauchen.

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