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Horst Hrubesch bemängelt die Entwicklung im Profifußball. Als langjähriger Trainer im Jugendbereich kritisiert er die Ausbildung von Nachwuchstalenten.

Der ehemalige deutsche Nationalstürmer Horst Hrubesch übt Kritik an der Entwicklung im modernen Fußball und insbesondere an der Ausbildung im Nachwuchsbereich.

"Mich stört, dass die Mannschaften nicht mehr zum Anfassen sind", sagte der 67-Jährige im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Ich sage gern: So viele Geheimnisse gibt es im Fußball nicht. Wir müssen wieder enger an den Fans sein", fügte Hrubesch hinzu.

Ein großer Teil des Problems ist für den früheren Angreifer die rasante Entwicklung bei den Ablösesummen: "Wie soll das in zehn Jahren aussehen mit diesen astronomischen Summen. Kein Spieler ist dieses Geld wert. Da sehe ich den Fußball in Gefahr." 

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Hrubesch klagt über Nachwuchsausbildung

Für Hrubesch beginnt die negative Entwicklung aber schon im Nachwuchsbereich. "Ich sehe ein Problem, dass heute schon 14 Jahre alte Jungs einen Berater haben", klagte er.

"Umso mehr müssen die Vereine Wert darauf legen, dass die Spieler zu normalen Menschen erzogen werden, dass sie selbstständig sind, eigenverantwortlich handeln und nicht fremdbestimmt durch den Berater", fuhr der Ex-Trainer fort.

Als früherer DFB-Trainer diverser Nationalmannschaften im Jugendbereich verfügt Hrubesch über jede Menge Erfahrung in der Arbeit mit Talenten und kritisiert vor allem die Situation in Nachwuchsleistungszentren, wo Vereine den Spielern "alles abnehmen".

"Ich finde auch bedenklich, dass die Jungs zu sehr belastet werden: Die fahren am Wochenende Hunderte Kilometer im Bus zu Auswärtsspielen und bei den großen Klubs noch unter der Woche irgendwo in Europa. Wo bleibt da die normale Entwicklung samt Schule?"

Hrubesch: "Wie soll das weitergehen?"

Auf seiner letzten Station in seiner langen Trainerlaufbahn übernahm Hrubesch im März für mehrere Monate auf Interimsbasis den Posten als Bundestrainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft und machte nur positive Erfahrungen.

"Die Mädels geben immer hundert Prozent, was sicher bei Jungs nicht immer der Fall ist. Und sie benehmen sich tadellos", erklärte Hrubesch. "Die machen das fast alle neben Job und Studium. Bei den Männern frage ich mich tatsächlich: Wie soll das weitergehen?"

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