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Wattenscheid-Coach Farat Toku (l.) und Wuppertal-Trainer Adrian Alipour © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago
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Den ehemaligen Bundesligisten Wattenscheid 09 und Wuppertaler SV droht der Kollaps. Die Traditionsvereine sind nicht die einzigen, die sich in der Regionalliga übernommen haben.

Aus dem Sarg kommen noch Klopfgeräusche - im übertragenen Sinne. "Beerdigung abgesagt", schrieb der einst so ruhmreiche, heute aber in schwerer finanzieller Not wankende Regionalligist Wuppertaler SV auf seiner Homepage.

"Mit großer Verwunderung haben wir in verschiedenen Medien gelesen, dass wir gestorben sind. Daraufhin haben wir unseren Puls gefühlt und dürfen mit großer Freude verkünden, wir leben noch."

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Noch lebt er also, der WSV, der ehemalige Bundesligist, der frühere Europacupteilnehmer. Wie auch 40 Kilometer nördlich Wattenscheid 09, einst in der Bundesliga ein kleiner Angstgegner des großen FC Bayern.

Lesniak: "Mein Herz blutet"

Eine Spendenkampagne ist der verzweifelte Versuch, den einst mit Steilmann-Millionen aufgepumpten Klub am Leben zu halten. Die angestrebten 350.000 Euro bis zum Stichtag 14. Januar jedoch werden kaum zu erreichen sein: Am Dienstag waren 115.000 Euro zusammengekommen.

"Mein Herz blutet", sagt Wattenscheids Sturm-Legende Marek Lesniak (54). "Ein Teil meiner Fußballgeschichte geht verloren. Es ist traurig." Zwar hofft der Pole, der von 1992 bis 1994 18 Bundesliga-Tore für die SG erzielte, noch auf ein Wunder. "Aber zuversichtlich bin ich nicht."

Wie auch? Trotz der Aussicht, für 75 Euro die Pressekonferenz zu besuchen, für 100 Euro am Training teilzunehmen oder für 20.000 Euro Namenspate des Stadions zu werden, haben sich nicht genügend Spender gefunden. "Es wäre das Beste, wenn Wattenscheid als Farmteam von Schalke 04 weiterleben würde", sagte der langjährige 09-Trainer Hannes Bongartz der Tageszeitung Die Welt.

Insolvenz statt Bundesliga

Wattenscheid, Wuppertal und andere Regionalligisten wie Alemannia Aachen (zwei Insolvenzen) oder Viktoria Berlin verbindet, dass hochtrabende Pläne krachend gescheitert sind. Wuppertal hat sich mit dem Konzept "WSV 2020" verzockt und weit über seine Verhältnisse gelebt.

Der Verein teilte mit, er müsse jetzt "dringend sparen", angeblich soll allen Spielern die Freigabe erteilt worden sein. So war es bereits beim abgeschlagenen Liga-Schlusslicht TV Herkenrath.

Im Bochumer Westen hatte 2017 ein Investor getönt: "Wattenscheid 09 wird auf absehbare Zeit wieder in der Bundesliga spielen." Monate später kam es zur Trennung, das juristische Nachspiel läuft. Der Vorstandsvorsitzende Oguzhan Can hat laut eigener Aussage eine Million Euro investiert, er will nun ein "Zeichen" des Umfelds sehen.

Im März 2017 hatten sich die Sportfreunde Siegen aus finanziellen Gründen zurückgezogen. Viktoria Berlin träumte in der Regionalliga Nordost von Millionen aus China - und landete ebenfalls in der Insolvenz. Wie im Norden der VfB Lübeck. Dreimal.

Fast alle wollten durch ein Nadelöhr in die 3. Liga aufsteigen. Doch die ist ohnehin ein Sorgenkind, sie steht im Ruf, eine Insolvenzliga zu sein. In den vergangenen zwei Jahren erwischte es im Osten Rot-Weiß Erfurt und den Chemnitzer FC, im Süden den VfR Aalen, zudem den FSV Frankfurt.

Warten auf Unterstützung

Der Westdeutsche Fußballverband sieht eine Klasse tiefer jedenfalls kein strukturelles Problem. "Die Regionalliga West ist eine hochattraktive Spielklasse und bietet viele Möglichkeiten", sagt WDFV-Präsident Hermann Korfmacher. Die Vereine seien in der Pflicht, diese "im Rahmen ihrer Möglichkeiten" zu nutzen. Die Erfahrung zeige, dass "sich manche Vereine bei der Zuschauerkalkulation irren".

So bleibt die letzte Hoffnung manchmal ein prominenter Name. Wie in Wattenscheid. Leroy Sane, deutscher Nationalspieler, ist der Sohn des einstigen 09-Stürmers Souleymane Sane. Sein Geld oder auch nur seine riesige Reichweite in den Sozialen Netzwerken könnten helfen. Doch bisher tut sich nichts.

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