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München - Alles redet beim FC Bayern über Leroy Sané. Dabei könnte Hansi Flick, der neue Co-Trainer von Niko Kovac, der wirkungsvollste Griff der Münchner gewesen sein.

In seiner typischen Art verließ Renato Sanches in Houston das Stadion. Der Oberkörper nach vorne gebeugt, der Gang schlendernd, der Blick zum Boden.

Um seine Schulter aber lag diesmal der Arm von Hansi Flick. Beide unterhielten sich auf Englisch. Sanches, der zuvor 45 Minuten gegen Real Madrid passabel gespielt und über dessen Zukunft Trainer Niko Kovac einen Tag zuvor Klarheit geschafft hatte, lächelte. Flick lächelte auch.

Die Reporter baten Sanches, etwas zu den Kovac-Sätzen zu sagen. Ob er denn nun wirklich bleiben werde in München. Sanches zögerte, Flick ermutigte ihn aber zu einem kurzen Statement. Sanches antwortete, ehe Flick wieder den Arm um ihn legte und beide zum Mannschaftsbus gingen. 

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Eine Szene mit Symbolcharakter. 

Flick ist mehr als Kovacs Schattenmann

Flick hat nicht nur auf der USA-Reise der Bayern, sondern auch in den Trainingstagen in München vermitteln können, warum ihn Kovac unbedingt wollte und die Bayern-Verantwortlichen sich seines Wunsches annahmen.

Der 54-Jährige ist mehr als nur der Schattenmann von Kovac. Flick ist auch Vermittler und Seelsorger. Er hört dahin, wo ein Cheftrainer sein Ohr in dem jeweiligen Moment nicht haben kann. Er korrigiert im Training dann einen Spieler, wenn der Trainer bereits eine weitere Übung gegenüber einem Dutzend anderen Spielern erklären muss. Er sucht dann das Einzelgespräch, wenn der Trainer andere Aufgaben zu bewältigen hat.

"Die Position passt zu mir. Mit jungen Spielern zusammenzuarbeiten, habe ich vermisst", erklärte Flick zum Abschluss der USA-Reise in einem der wenigen Momente, in denen er sich mal in die erste Reihe begab. Diese nämlich ist ihm fast unangenehm. 

Flick gilt als besonnen, diskret und verlässlich. Vor allem aber hat er sich nicht erst durch seine erfolgreiche Arbeit beim DFB einen Namen gemacht. "Er kommt als Weltmeister-Co-Trainer, der auch schon bei Bayern gespielt hat. Er kennt auch viele Spieler aus der Nationalmannschaft. Mit dieser Vorgeschichte ist es doch ideal, denn die Spieler haben Respekt vor ihm", sagt Peter Hermann, Flicks Vorgänger beim FC Bayern, im SPORT1-Gespräch.

Bayern-Spieler lassen sich auf Flick ein

Hermann hat bislang Recht behalten, denn die Spieler erwecken den Eindruck, sich bereits voll und ganz auf Flick einzulassen. Zieht sie Flick für einen Moment heraus, stehen Talente der jüngeren Generation mit verschränkten Armen vor dem Ex-Profi (u.a. Köln, Bayern München) und hören ihm zu, während er mit leisem Ton spricht.

Auch Thiago, so war auf der USA-Reise zu sehen, stand oft im Dialog mit ihm. Sanches sowieso. Auch Niklas Süle schätzt den Trainer-Neuzugang, gab ihm auch einen Klaps auf den Rücken, als sich Flick kurz mit den Reportern in Amerika unterhielt.

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Passend dazu sagte Bundestrainer Joachim Löw in einem Interview mit dem Kicker unlängst: "Er hatte eine gute Art und war bei den Spielern und Betreuern höchst akzeptiert. Vor allem aufgrund seiner Kompetenz und seines Umgangs mit Menschen." Beide arbeiteten zwischen 2006 und 2014 zusammen beim DFB.

Mit der Installation von Flick hat Kovac den Vorteil, dass er einen Mediator an seiner Seite hat, der vor allem im Umgang mit nicht immer einfach zufrieden zu stellenden Stars Erfahrung hat. Thomas Müller zählt dazu, auch Jérôme Boateng, die mit ihm in Brasilien 2014 den Weltmeister-Titel holten. 

Flick regelmäßig in Kontakt mit Löw

Flick indes kann sicher sein, dass Kovac sich seiner Expertise bedient. Der Kroate gilt als jemand, der seine Mitarbeiter in seine Gedankenwelt einbindet. Flicks Stärken liegen vor allem in der Analyse und im taktischen Bereich. Zudem verfügt er über ein ausgesprochen gutes Netzwerk, steht auch noch immer in regelmäßigem Kontakt mit Bundestrainer Löw. 

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Attribute, die bekräftigen, warum ihn bereits Karl-Heinz Rummenigge als "wichtigen Neuzugang" angepriesen hat und ihn als "große Hilfe für Niko" bezeichnete. Auch Präsident Uli Hoeneß ist von Flick begeistert und sprach am Sky-Mikro von "einer sehr guten Entscheidung, weil wir einen Mann brauchen, der mit der Jugend arbeitet und der integriert". 

Zwar spricht dieser Tage alles über Leroy Sané, dabei könnten die Münchner mit Flick ihren Königstransfer längst getätigt haben. 

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