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Deutschen Kunstrasenplätzen droht das Aus - Grund ist eine neue EU-Richtlinie. Nun schlagen Amateurvereine Alarm und sprechen mit SPORT1 über mögliche Folgen.

Werden Kunstrasenplätze in Deutschland schon ab 2022 verboten? Aus Gründen der Umweltbelastung durch Mikroplastik sieht eine neue EU-Richtlinie dieses Szenario nun vor. 

Kurz nach dem Beschluss dieser Richtlinie in der vergangenen Woche meldete sich nicht nur die Politik zu Wort. Insbesondere die Amateurvereine der deutschen Fußballlandschaft schlagen Alarm.

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"Finanziell jetzt schon an der Grenze"

Im Gespräch mit SPORT1 äußerte Daniel Parotat vom TV Weitnau deutliche Bedenken über eine solche Entwicklung: "Uns würde mit dem Wegfall des Kunstrasens ein entscheidender Bestandteil für einen geregelten Trainings- und Spielbetrieb von der Jugend bis zu den alten Herren verloren gehen."

Dabei hat der Verein im Allgäu gerade erst seinen "neuen" Kunstrasenplatz in Betrieb genommen. "Es handelt sich um einen gebrauchten Kunstrasen. Eine andere Möglichkeit hätte es nicht gegeben und auch diese Lösung bringt uns finanziell absolut an die Grenze des Machbaren." 

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Betroffen sind rund 5.000 Kunstrasenplätze mit Gummi-Granulat in ganz Deutschland. Bei all diesen müsste die Füllung dann ausgetauscht werden. Alternativen gibt es, diese bringen allerdings auch Nachteile mit sich. Eine Sandfüllung könnte bei Stürzen zu Verbrennungen und Schürfungen führen. Genauso verhält es sich mit Kork oder einer Lösung ganz ohne Füllung. Gummi macht die Begehung leichter, federt ab und schont die Gelenke. Gleichzeitig belastet es aber auch die Umwelt.

Austausch des Granulats "nicht möglich"

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich bereits für die Verschiebung einer solchen Richtlinie ausgesprochen: "Als Sportminister werbe ich für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports. Viele Tausend Sportanlagen in deutschen Kommunen wären sonst von der Schließung bedroht", sagte Seehofer der Welt am Sonntag.

Schon jetzt gehen die Vereine ein großes finanzielles Risiko bei der Anschaffung eines Kunstrasenplatzes ein. So auch in Weitnau, wie Parotat verrät: "Ein Austausch des Granulats wäre in kurzer Zeit nicht möglich, da die Finanzierung jetzt schon für einen längeren Zeitraum angelegt ist. Wir müssten also einen Platz abbezahlen, den wir dann nicht mal mehr nutzten dürften."

Carsten Zillmann, Pressesprecher des C.D. Español Wiesbaden, sieht Verantwortlichkeiten dieser Entwicklung bei der Politik: "Bund und Länder waren jetzt lange in einem Investitionshochlauf und selbst in dieser Zeit haben Sportanlagen nicht unbedingt über Gebühr profitiert. Geld ging eher in Straßen. Jetzt kommt eine Konjunkturflaute. Soll es da besser werden?"

Auch der DFB fordert, wie Seehofer, eine Übergangsfrist, um den Spielbetrieb durchgängig aufrecht erhalten zu können. Ein Umbau eines Kunstrasenplatzes kostet Kommunen und Vereine je nach Methode bis zu einer halben Million Euro. Eine solche Investition würde vielen kleineren Vereinen die Chance auf eine Existenz nehmen. Und das in einer Zeit, in der Amateurvereine sowieso mit abfallenden Mitgliederzahlen zu kämpfen haben. 

DFB-Millionen können helfen

Wenn es nach Zillmann geht, kann aber nicht nur die Politik helfen, dieses Thema konstruktiv und auch im Interesse der Amateurklubs zu gestalten, sondern auch der Verband. Der DFB ist der reichste Fußballverband der Welt, hat die meisten Mitglieder und müsse deshalb auch finanziell aushelfen können: "'Die Mannschaft' spielt Millionen über Werbung etc. ein. Der Sinn davon ist nicht, Multimillionäre noch reicher zu machen oder Funktionäre im Geldspeicher baden zu lassen. Damit kann man auch den Amateuren - die sowieso immer hinten runter fallen - helfen."

Die Zukunft der kleinen Vereine sieht er aber trotzdem gelassen, auch wenn ihn und andere Funktionäre im Amateurwesen das Thema weiter beschäftigen wird: "Die Funktionsträger haben sich da mal drüber unterhalten, aber ehrlich: Wir warten erst einmal ab. Ich denke, dass es eine Lösung geben wird, die Kunstrasen heißt. Alles andere wäre dann wirklich eine Katastrophe."

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