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In ihrem letzten Spiel als DFB-Trainerin will Maren Meinert die U19 der Frauen zum EM-Titel führen. Bei SPORT1 erklärt die Ex-Nationalspielerin, wie das gelingen soll.

Mit einem 3:1-Sieg haben die deutschen Frauen am Donnerstag das Endspiel um die U19-Europameisterschaft erreicht. Am Sonntag geht es für die Mannschaft im Finale gegen Frankreich um den begehrten Titel (ab 16.55 Uhr LIVE bei SPORT im TV und Stream).

Als Trainerin verantwortlich für den Erfolg des DFB-Teams ist Maren Meinert. Die 45 Jahre alte frühere Nationalspielerin, die nach den Titelkämpfen beim DFB aufhören wird, spricht im SPORT1-Interview über den Halbfinalsieg gegen die Niederlande, Endspielgegner Frankreich und den Frauenfußball in Deutschland.

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SPORT1: Was war ausschlaggebend für den Finaleinzug bei der U17 Frauen-Europameisterschaft und den 3:1-Sieg gegen die Niederländerinnen?

Maren Meinert: Wir haben ein ausgeglichenes Spiel zweier starker Mannschaften gesehen. Letztendlich war die Einzelaktion zur 2:1-Führung ausschlaggebend, wobei zu diesem Zeitpunkt die Niederländerinnen dem Siegtreffer etwas näher waren. In der Phase war das Tor Gold für uns wert und für die Niederlande war es dann schwer, nochmal zurückzukommen, da wir kompakt standen. Manchmal muss man eben zum richtigen Zeitpunkt die Tore oder die richtigen Aktionen haben, um ein so hochintensiv geführtes und knappes Spiel für sich zu entscheiden.

SPORT1: Sie haben mit der Einwechslung von Shekiera Martinez ein goldenes Händchen bewiesen, wie wichtig war das?

Meinert: Grundsätzlich funktionieren unsere Einwechselspielerinnen mit ihrer Einstellung, Herangehensweise an die Sache und dem gezeigten Engagement richtig gut. So war das auch bei Shekiera. Sie hat die entscheidende Aktion gemacht (Anm. der Red: Martinez holte den Elfmeter zum 2:1 heraus) und beim 3:1 stand sie nach dem Pfostentreffer goldrichtig, musste nur noch einschieben. Das war letztlich spielentscheidend.

"Wollen mutiger sein als vor einem Jahr"

SPORT1: Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Turnierverlauf?

Meinert: Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten uns Teil-Ziele gesteckt und diese haben wir erreicht. Unser erstes Ziel war es, ins Halbfinale zu kommen, um die WM-Qualifikation perfekt zu machen. Denn dieses Turnier ist für die Weiterentwicklung meiner Spielerinnen sehr wichtig. Das war in unserer Vorrundengruppe mit Titelverteidiger Spanien und England nicht selbstverständlich und ein hartes Stück Arbeit. Deshalb können wir auf den Gruppensieg zu Recht stolz sein. Nach der engen Partie gegen die starke Elftal sind wir froh, jetzt im Finale zu stehen. Wir müssen da aber nochmal abliefern, damit wir den Pokal mitnehmen können.

SPORT1: Was ist im EM-Finale 2019 drin, nachdem sich die DFB-Frauen im vergangenen Jahr Spanien noch knapp mit 0:1 geschlagen geben mussten?

Meinert: Letztes Jahr hatten wir ein junges Team, es war fast komplett der jüngere Jahrgang. 2018 haben wir uns trotzdem bis ins Endspiel vorgekämpft und dort aber vergessen, dass wir nochmal performen und über unsere Grenzen gehen müssen, um den EM-Titel zu gewinnen. Wir waren vom Final-Erlebnis so begeistert, dass wir vergessen haben, das auf dem Platz umzusetzen, was wir uns vorgenommen hatten. Mit der Erfahrung aus dem letzten Jahr soll 2019 unsere Leistung mutiger und besser sein. Von daher hoffe ich, dass wir dieses Mal besser mitspielen können, auch wenn es ähnlich schwer wird wie im Vorjahr.

SPORT1: Wäre Ihnen Spanien als Finalgegner lieber als Frankreich gewesen? Welches Team liegt Deutschland mehr?

Meinert: Es ist schwer zu sagen. Wir haben im zweiten Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich ein Duell auf Augenhöhe gesehen, das die Französinnen erst in der Verlängerung mit 3:1 gewonnen haben. Beide sind unterschiedliche Mannschaften: Die Spanierinnen kommen eher über den Ballbesitz, die Französinnen spielen sehr geradlinig Richtung Tor nach Balleroberung. Wir hatten keinen Wunschgegner fürs Finale, grundsätzlich finde ich es aber besser, immer gegen verschiedene, neue Gegner zu spielen. Gegen Spanien spielten wir ja schon in der Vorrunde (0:0). Und letztlich muss man es eh immer nehmen, wie es kommt. Frankreich kennen wir aus den vorigen Jahren auch sehr gut, sodass wir bestens vorbereitet sind.

"Große Veränderungen sind auszuschließen"

SPORT1: Wer ist die Schlüsselspielerin bei den Französinnen, die ausgeschaltet werden muss, von der die meiste Gefahr ausgeht?

Meinert: Schwer zu beantworten. Da gibt es keine konkrete Spielerin. Vielmehr haben bei den Französinnen die Einwechselspielerinnen oft die Spiele entschieden. Im Halbfinale gegen Spanien haben sie durch Melvine Malard auf dem linken Flügel (Anm. der Red: Tor zum 1:0 und bereits vier EM-Treffer) und durch Vicki Becho auf dem rechten Flügel (Anm. der Red: Doppel-Torschützin) nochmal die zweite Luft bekommen und so die Partie gewonnen. Frankreich kommt mehr über das Kollektiv, sodass auf niemand einzelnes besonders geachtet werden muss. Sie sind gefährlich, nichtsdestotrotz werden wir sie nicht unterschätzen und letztendlich wird im Endspiel auch die Tagesform mitentscheidend sein. Viel wichtiger ist, unser eigenes Spiel durchzuziehen und gut nach vorne zu spielen.

SPORT1: Zur Personalsituation: Sind alle fit? Vertrauen Sie wieder der Sieger-Elf aus dem EM-Halbfinale?

Meinert: Paulina Krumbiegel ist leider nicht fit. Sie hat gegen die Niederlande einen Schlag auf den Fuß bekommen, wobei das Knie in Mitleidenschaft gezogen wurde. Sie läuft seitdem nicht wirklich rund und ist fraglich fürs EM-Finale. Nach dem Samstagstraining wissen wir mehr, werden uns im Trainerteam zusammensetzen und entscheiden, mit welcher Elf wir starten. Große Veränderungen sind aber auszuschließen. Wir müssen auch abwägen, wie wir gewisse Dinge lösen, aber auch immer noch in der Lage bleiben, um im Spielverlauf reagieren zu können.

SPORT1: Wie sehen Sie die Zukunft des deutschen Frauen-Fußballs allgemein?

Meinert: Wir arbeiten vor allem im Jugendbereich hart und gut. Letztes Jahr standen wir mit beiden Mannschaften im Finale. Dieses Jahr hat die U17 schon den Titel geholt, die U16 den Nordic Cup gewonnen und wir stehen auch wieder im Endspiel. Deutschland hat viele junge, gute Spielerinnen. Nach der nicht zufriedenstellenden WM der A-Nationalmannschaft müssen wir schauen, dass wir eine gute Kommunikation zwischen Nachwuchs und A-Elf haben, aber auch mit der Liga, damit wir den Talenten den Übergang in den Frauen-Bereich erleichtern können. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die entscheiden, ob jemand den Sprung nach oben schafft. Wir haben einen sehr guten Nachwuchs, weshalb es mich auch stört, dass wir uns schlechter sehen, als wir in Wirklichkeit sind. Wir müssen wieder mehr Selbstbewusstsein ausstrahlen, um die nötige Kritik, etwas zu verändern, ertragen zu können.

SPORT1: Welches Talent schafft als nächstes den Sprung zur A-Nationalmannschaft?

Meinert: Aus unseren beiden Jahrgängen haben wir mit Klara Bühl (Jahrgang 2000) und Lena Oberdorf (Jahrgang 2001) bereits zwei junge Talente, die für die Frauen-Nationalmannschaft spielen. Das spricht für unsere gute Nachwuchsarbeit, denn bei der aktuellen EM 2019 wären beide auch noch für uns spielberechtigt gewesen. Man nennt zwar ungern einzelne Namen, aber wenn ich mich für jemanden entscheiden muss, dann sehe ich Sophia Kleinherne (19/Innenverteidigerin/Kapitänin) ganz nah dran. Und mit Nicole Anyomi (19) haben wir auch eine Stürmerin, die alles mitbringt. Man sollte ihnen aber Zeit geben, sich in Ruhe zu entwickeln. Bei Marie Müller und Leonie Köster sieht man ebenfalls, dass sie viel Talent haben. Im nächsten Jahr nach der U20-WM müssen wir alle Spielerinnen nochmal bewerten und dann gehe ich stark davon aus, dass einige meiner Spielerinnen eine Chance erhalten werden, sich bei der A-Nationalmannschaft vorzustellen.

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