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München - Kurz nach André Schürrle verkündet mit Benedikt Höwedes ein weiterer Weltmeister von 2014 sein Karriereende. Der Fußball sei für ihn plötzlich unwichtig geworden.

Benedikt Höwedes brauchte das Rampenlicht schon damals nicht.

Daher war er auch keineswegs verstimmt, dass nicht er das entscheidende Tor für Deutschland im WM-Finale 2014 gegen Argentinien erzielt hatte, sondern Mario Götze. Obwohl Höwedes nur ein paar Zentimeter dazu gefehlt hatten, als er kurz vor der Pause des Endspiels mit einem Kopfball den Pfosten traf. 

"Vielleicht hätte es für mich sogar mehr verändert als gewollt. So kann ich immer noch auf der Straße rumlaufen, ohne dass mir Leute schreiend hinterherrennen. Ich finde gut, wie es ist", hatte Höwedes zwei Jahre später in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau gesagt.

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Nun setzt mit dem Abwehrspieler der nächste Weltmeister von 2014 den Profifußball hinter sich. Höwedes kehrt nicht in die Bundesliga zurück, sondern beendet seine Karriere.

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Er fühle sich zwar noch fit für eine Rückkehr, wolle aber wegen seiner Familie zurücktreten, sagte der 32-Jährige dem Spiegel.

"Ich hatte auch einige Anfragen von Vereinen aus dem In- und Ausland, aber ich wollte mich nicht mehr abhängig machen von den Entscheidungen anderer. Ich wollte jetzt einen Schlussstrich ziehen."

Einschneidendes Urlaubserlebnis mit dem Sohn

In einem Urlaub habe er kürzlich gemerkt, "wie krass es mich erfüllt hat, meinen Sohn hautnah zu erleben. Da wurde Fußball plötzlich so unwichtig für mich."

Der Weltmeister von 2014 hatte im Juni seinen Vertrag beim russischen Erstligisten Lokomotive Moskau vorzeitig aufgelöst. Danach war unter anderem über eine Rückkehr des langjährigen Kapitäns zu seinem Ex-Klub Schalke 04 spekuliert worden.

Für die Königsblauen hatte der Verteidiger 16 Jahre lang gespielt und 2011 den DFB-Pokal gewonnen. Er habe "Schalke verkörpert", sich "immer" für den Klub "aufgezehrt", sagte Höwedes nun. "Ich wollte meine Karriere dort beenden, habe den Fans einmal versprochen, nie für einen anderen Bundesligisten aufzulaufen".

2017 wurde er aber vom damaligen Schalker Trainer Domenico Tedesco ausgebootet und wechselte zu Juventus Turin. 2018 folgte der Transfer nach Russland.

Fußball hat sich "brutal entwickelt"

"Ich wusste, dass es in dem Geschäft knallhart zugeht. Aber ich hatte immer nur die Sonnenseite kennengelernt. Dann habe ich die volle Breitseite bekommen", sagte Höwedes über seinen Abschied von den Königsblauen. "Schalke 04 ist für viele Menschen immer noch ein Lebensinhalt, einen solchen Verein muss man anders führen als einen Retortenklub."

Zur generellen Entwicklung des Fußballs äußerte sich der 44-malige Nationalspieler, der beim WM-Triumph in Brasilien als einziger Feldspieler keine Minute fehlte, kritisch. Der habe "sich brutal entwickelt. Und dabei immer weiter distanziert von den normalen Fans. Da geht etwas verloren", sagte Höwedes.

Joachim Löw würdigte Höwedes als "reflektierte Persönlichkeit". Auf ihn sei Verlass gewesen, sagte der Bundestrainer bei dfb.de: "Benedikt Höwedes ist einer der Spieler aus der U21-Europameister-Generation, die 2009 den Titel gewann. Schon damals konnte man sehen, dass er einer ist, der alles gibt, der einen unbedingten Siegeswillen hat. Er hatte Mentalität."

Der Ex-Schalker ist der siebte Weltmeister von 2014, der seine Karriere beendet hat. Vor zwei Wochen hatte sich überraschend der Dortmunder Andre Schürrle verabschiedet. Auch er hatte geäußert, dass die Begleiterscheinungen des Fußballgeschäfts ihm immer mehr missfallen hatten.

Zuvor waren aus dem Weltmeisterkader bereits Philipp Lahm, Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Roman Weidenfeller zurückgetreten.

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mit Sport-Informationsdienst (SID)

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