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München und Bad Ragaz - Jadon Sancho wird vorerst nicht zu Manchester United wechseln. Für Borussia Dortmund ein Coup, die Red Devils sind sauer auf den BVB. Und das nicht zum ersten Mal.

Die Social-Media-Abteilung von Borussia Dortmund konnte es nach der Ansage von Sportchef Michael Zorc nicht lassen, Salz in die frische Wunde der Fans und Verantwortlichen von Manchester United zu streuen.

Die englische Twitter-Seite des BVB postete am späten Montagabend ein Foto von Jadon Sancho mit der Überschrift: "You love to see it".

Sancho ist auf dem Bild im schwarz-gelben Trikot zu sehen und mit einem breiten Grinsen.

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Fans und Verantwortliche von United verärgert

Zuvor hatte Zorc klargestellt, dass Sancho in Dortmund bleiben wird, seinen Vertrag sogar schon im letzten Sommer bis 2023 verlängert hat und eben nicht nach Manchester wechselt, wie es viele Fußball-Fans und -Experten vermutet hatten.

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Selbst Sanchos Mitspieler waren von dessen Verbleib überrascht. "Wir wussten das - bis Michael Zorc zu den Medien sprach - auch nicht vorher. Natürlich sind wir sehr happy über die Nachricht", sagte etwa Axel Witsel.

Auf der Insel hat die Nachricht aus Bad Ragaz, wo der BVB derzeit sein Trainingslager abhält, gesessen, wie auch die gefühlte Provokation danach. "Einfach nur respektlos", brachte ein englischer User unter dem Tweet der Borussia die Stimmung der United-Fans auf den Punkt. 

Nach der erreichten Qualifikation für die Champions League hatten die Fans vehement von ihrem Klub gefordert, Sancho endlich als Neuzugang vorzustellen. Für viele schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, umso tiefer sitzt nun der Frust.

Auch die Verantwortlichen der Red Devils hatten wohl eine ordentliche Krawatte. Immerhin versuchen sie seit Monaten einen Deal auf die Beine zu stellen, Sancho ist das große Transferziel des Klubs. 

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Sancho nach BVB-Test: "Liebe es, mit diesen Jungs zu spielen"

Daher war die Wut in Manchester noch lange nicht abgeebbt, als Sancho am Mittwoch nach dem 6:0-Testspielsieg der Dortmunder gegen den SCR Altach ein Bekenntnis in Schwarz-Gelb lieferte. 

"Ich liebe es, mit diesen Jungs zu spielen. Es ist ein besonderer Haufen", erklärte der 20-Jährige. "Ich bin wirklich glücklich, mit ihnen auf dem Platz zu stehen und sie zu führen." 

Trotz der Ansage von Zorc und den Worten Sanchos will United aber nicht aufgeben. Vielmehr wollen sie ein Ende des Deals gar nicht erst wahrhaben. Laut Informationen von ESPN sollen die Verantwortlichen weiter alles versuchen, um den englischen Nationalspieler doch noch auf die Insel zu holen. 

Der frühere Bayern-Profi Owen Hargreaves, inzwischen TV-Experte, glaubt sogar an einen "großen Bluff" der Dortmunder. "Es geht nur darum, etwas mehr Geld rauszuholen. Das ist die Natur der Sache", sagte Hargreaves in einer Talkrunde beim Sender BT Sport und fügte hinzu: "Ich denke, Sancho wird in Kürze ein ManUnited-Spieler."

Engländer zweifeln an Sancho-Bekenntnis

Die Sun streute Zweifel an Sanchos weiterer Identifikation mit dem BVB. Die Boulevard-Zeitung behauptet, dass Sancho jegliche Aussagen zu seiner Zukunft verweigere und im Hintergrund Berater und Zwischenhändler weiterhin an einem Wechsel in diesem Sommer arbeiteten.

Laut Sun soll Sancho sogar vom BVB zu diesem Bekenntnis genötigt worden sein, sein Herz würde weiterhin auf einen Wechsel zu Manchester United hoffen. Das berichtete am Donnerstagmittag auch die seriöser einzuordnende Zeitung Times.

Währenddessen bemängeln Klub-Chef Ed Woodward und Chef-Unterhändler Matt Judge nach Medienberichten, dass sich die Verhandlungen schon von Anfang an ziehen wie ein Kaugummi. Von Woche zu Woche sollen sie verärgerter über das Vorgehen von Zorc und Co. gewesen sein.

Ein nicht unerheblicher Streitpunkt: Die Schwarz-Gelben bestanden darauf, dass die Gespräche zu jeder Zeit von einem unabhängigen Berater geführt wurden. Dieser soll der Schweizer Marco Lichtsteiner, Bruder des früheren Weltklasse-Verteidigers Stephan Lichtsteiner, sein. 

Dieser ungewöhnliche Schritt soll die Verhandlungen erschwert und vor allem verschleppt haben, meinen die Verantwortlichen aus dem Südwesten von Manchester.

Haaland, Bellingham und Witsel entschieden sich für den BVB

Die Fans des großen Rivalen Manchester City hatten hingegen einiges an Spott übrig. "Ich war schon immer ein großer BVB-Fan", twitterte ein City-Anhänger. Er dürfte damit auch auf die vergangenen Jahre angespielt haben, denn es ist nicht das erste Mal, dass Manchester United angefressen nach Dortmund blickt. 

Erling Haaland etwa wurde vor seinem Wechsel nach Dortmund im Januar auch von United umworben. Der Norweger soll sogar schon bei den Red Devils zugesagt haben, bevor er es sich doch anders überlegte. 

The Athletic berichtetet, dass Haaland die Zusage United-Coach Ole Gunnar Solskjaer und Woodward bei einem Treffen in Salzburg gegeben haben soll, wo der Stürmer vor seinem Wechsel nach Deutschland auf Torejagd ging. Bei dem Gespräch war Haalands Berater Mino Raiola allerdings nicht anwesend.

Auch bei zwei anderen Transferzielen hatte United das Nachsehen: Youngster Jude Bellingham war schon auf dem Gelände in Manchester herumgeführt worden, ehe er Dortmund den Zuschlag gab. Auch Witsel entschied sich gegen Manchester und für Dortmund. Der Belgier wechselte im Sommer 2018 aus China zum BVB und ist seither ein Leistungsträger und Führungsspieler im Mittelfeld. 

Der Dritte im Bunde ist Thomas Delaney. Auch er ging im Sommer 2018 zur Borussia. Der Däne, der zuvor bei Werder Bremen auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde ebenfalls von United umworben - auch hier schaute der englische Klub in die Röhre.

Kagawa und Mkhitaryan enttäuschten

Wenig Glück hatte United zudem mit zwei Spielern, die in den vergangenen Jahren von Dortmund nach Manchester wechselten. Im Jahr 2012 eisten die Red Devils Shinji Kagawa für 16 Millionen Euro vom BVB los und im Jahr 2016 Henrikh Mkhitaryan für stolze 42 Millionen Euro.

Beide entpuppten sich im Old Trafford allerdings als Flop. Kagawa wechselte schon im Sommer 2014 - für nur noch acht Millionen Euro - zurück nach Dortmund. Mkhitaryan ließ ManUnited im Januar 2018 für 34 Millionen Euro zum FC Arsenal ziehen. 

Dass es für Manchester United unter keinem guten Stern steht, in Geschäfte mit Borussia Dortmund verwickelt zu werden, hat mittlerweile also schon fast Tradition.

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