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Im Rahmen der WM-Quali gegen Island äußert sich Uli Hoeneß zum DFB. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und fordert Karl-Heinz Rummenigge als DFB-Vertreter.

Uli Hoeneß lässt die "Abteilung Attacke" wieder aufleben!

Bei seinem ersten Einsatz als Länderspiel-Experte bei RTL nahm der Ehrenpräsident des FC Bayern kein Blatt vor den Mund und sprach Klartext zur Führungskrise des DFB. Dazu sieht er seinen ehemaligen Mitstreiter Karl-Heinz Rummenigge als perfekten Vertreter für den DFB in internationalen Gremien.

An den aktuellen Vertretern des deutschen Fußballbundes, Vize Rainer Koch, Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge, ließ er dabei kein gutes Haar. "Momentan sind wir mit Herrn Koch bei der FIFA vertreten. Jetzt soll Peter Peters, der bei Schalke nicht gerade gute Arbeit geleistet hat, in das UEFA Board gehen. Mein Vorschlag wäre, dass Karl-Heinz Rummenigge, der nächstes Jahr beim FC Bayern aufhört, beide Ämter übernehmen soll", forderte der 69-Jährige.

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Nur so wäre seiner Meinung nach gesichert, dass der deutsche Fußball in den kommenden Jahren in den Verbänden gut vertreten wird, denn Rummenigge habe "ein Netzwerk, der ist anerkannt und akzeptiert." Daher wäre mit dieser Personalentscheidung diese Flanke geschlossen.

Hoeneß: "Rummenigge würde deutschem Fußball einen Gefallen tun"

Laut Hoeneß wäre Rummenigge von dieser Idee zu überzeugen. Zwar habe dieser in ihren Gesprächen nie gesagt, dass er die Aufgabe übernehmen würde. Aber er würde sich wohl schon sehr geehrt fühlen, "denn es würde seinem Ruf gerecht werden."

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"Ich glaube, er würde dem deutschen Fußball damit einen Gefallen tun" ist sich Hoeneß sicher.

DFB: "Nur noch Postenschacherei"

Allerdings wäre dies, nach Meinung von Hoeneß, nur der Anfang. Denn aktuell würden sie beim DFB streiten "wie die Besenbinder." Dabei gehe es mittlerweile nicht mehr um Fußball, sondern nur noch um "Postenschacherei, um Aufwandsentschädigung, um Machtspiele."

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Selbst Berti Vogts habe ihn schon angerufen, und bemängelt, dass es in den verschiedenen Gremien nicht mehr um die Sache an sich - den Fußball - gehe.

"So kann es nicht weitergehen, es ist ein Trauerspiel", brachte es Hoeneß auf den Punkt. Er forderte "personelle Konsequenzen".

Präsident Fritz Keller, den er von seiner Kritik ausnahm, würden von seinen Kontrahenten "nur Knüppel zwischen die Beine geworfen", schimpfte Hoeneß. Gleich zu Beginn von dessen Amtszeit hätten diese seine Kompetenzen beschnitten, "damit sie weiter wursteln können wie sie wollen".

Curtius sei "völlig überfordert", Koch sehe sich als den besseren Präsidenten, und Osnabrügge sei zwar Arbeitsrechtler, könne aber nicht verhindern, dass "die Steuerfahndung beim DFB so oft ein und ausgeht wie ein Briefträger". Hoeneß' Fazit: "Wenn sich da keine Lösung findet, dann wird das nichts mehr."

Aber nicht nur zum DFB und einem möglichen Engagement von Karl-Heinz Rummenigge hat sich Hoeneß geäußert, auch zur Entscheidung über den nächsten Bundestrainer und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Fußball und seinen Nachwuchs hat er sich Gedanken gemacht.

SPORT1 fasst die weiteren Aussagen zusammen:

Hoeneß über...

...den zukünftigen DFB-Trainer: "Beide (Jürgen Klopp und Hansi Flick, Anm.d.Red.) haben Verträge und Klopp hat ja erklärt, wie er zu dem Thema steht. Daher ist das kein Thema."

... Hansi Flicks Zukunft: "Karl-Heinz Rummenigge hat sich bei diesem Thema eindeutig festgelegt. Ich gehe davon aus, dass er das mit seinen Kollegen im Vorstand und mit Hasan Salihamidzic abgesprochen hat und dann ist das eindeutig."

... Bayerns Standpunkt zu diesem Thema: "Dem FC Bayern ist natürlich das eigene Hemd näher als die Hose. Wenn man einen Trainer hat, der so erfolgreich ist, wie Hansi Flick, dann ist das momentan gar kein Thema."

... Lothar Matthäus: "Lothar Matthäus ist ein fantastischer Fußballfachmann. Er hat jetzt bewiesen, dass er was vom Fußball versteht. Er hat auch schon Mannschaften trainiert. Von den Fähigkeiten wäre er geeignet. Aber die Entscheidung fällt nicht der FC Bayern, das muss der DFB schon selbst machen."

... einen möglichen Interims-Bundestrainer: "Ich bin überhaupt nicht für eine Übergangsphase. So eine wäre bei der heutigen Medienlandschaft nicht akzeptabel. Der DFB hat jetzt zwei, drei Monate Zeit, um das in Ruhe auszusuchen und es wird wohl auf der ganzen Welt einen sehr guten Trainer geben, der dieses Amt übernehmen kann. Ich glaube, es gibt auf der ganzen Welt Menschen, die Deutsch können. Da wird noch der ein oder andere Name ins Spiel kommen. Das muss man in Ruhe analysieren und dann wir es zu einer Entscheidung kommen. Aber das kann keine Zwischenlösung sein, sondern muss Bestand haben."

... die Auswirkungen von Corona auf den Fußball-Nachwuchs: "In all diesen Zeiten höre ich nichts vom DFB. Die Pandemie ist ein Riesenproblem für den Amateursport und den Jugendfußball. Da gibt es keine Konzepte. Jetzt müssten die Herrschaften mal anfangen, Konzepte zu entwickeln. Es sind Hunderttausende von Jugendliche aus den Vereinen ausgetreten, weil sie nicht mehr kicken können, weil sie nicht mehr trainieren können, weil sie keine Möglichkeit mehr haben, Sport zu treiben."

... die Verantwortung der Bundesligavereine in dieser Situation: "Auch die Bundesligavereine müssten jetzt mal dafür sorgen, dass dieser Fundus, dieser Brunnen, von dem auch der Nachwuchs entwickelt wird, nicht austrocknet. Wir brauchen den Nachwuchs und den Amateurfußball. Meiner Meinung nach muss der von der Bundesliga in den kommenden Jahren finanziell besser unterstützt werden, damit wir dieses Problem, das uns in den nächsten ein, zwei Jahren noch alle beschäftigen wird, gemeinsam lösen können. Denn wenn der Jugend- und Amateurfußball wegbricht, können wir auch keinen guten Profisport mehr bieten. Ich glaube, die Bundesliga muss in dieser speziellen Situation eine Umlage machen, um im Jugend- und Nachwuchsbereich Geld auszugeben – von den Fernsehgeldern zum Beispiel."

 

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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