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München und Wolfsburg - Nach der erfolgreichen Saison 2014/15 gilt Wolfsburg als erster Verfolger des FC Bayern. Für den Manager des VfL ist der Abstand zum Branchenprimus allerdings zweitrangig.

Klaus Allofs hat mit dem VfL Wolfsburg ein vorrangiges Ziel: den Verein in der Spitze der Bundesliga zu etablieren.

Und dafür wurde die Mannschaft des Deutschen Meisters von 2009 namhaft verstärkt. Nach den Transfers von Kevin de Bruyne und Andre Schürrle in der vergangenen Saison haben die Niedersachsen in Max Kruse einen weiteren Nationalspieler verpflichtet.

Im SPORT1-Interview äußert sich Klaus Allofs über mögliche weitere Zugänge wie Antonio Rüdiger, die Zukunft mit de Bruyne und Schürrle und die Konkurrenz zu den Bayern.

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SPORT1: Herr Allofs, Dieter Hecking hat vergangene Saison gesagt, er wolle dem FC Bayern nicht ewig hinterherlaufen. Wie nahe wollen Sie dem FC Bayern in dieser Spielzeit denn kommen?

Klaus Allofs: Es ist nicht so, dass die Bayern im Mittelpunkt unseres Wirkens stehen. Was unser generelles Saisonziel angeht: Man muss abwarten wie die Vorbereitung läuft, wie unser Kader am Ende aussieht, auch was die Gegner machen. Klar ist: Wir wollen uns unter den ersten vier Mannschaften in der Bundesliga etablieren. Wie groß der Abstand zu den Bayern ist, spielt für uns eine untergeordnete Rolle.

SPORT1: Sie haben sich auf dem Transfermarkt in diesem Sommer bislang zurückgehalten. Geht es nur noch um punktuelle Verstärkungen?

Klaus Allofs: Wir haben den Hauptanteil unserer Arbeit eigentlich schon vor einem halben Jahr gemacht. Wir haben den Transfer von Andre Schürrle vorgezogen, auch Koen Casteels für die Torwartposition verpflichtet. Auch der Wechsel von Max Kruse war recht früh klar. Da bei uns nur der Vertrag von Patrik Ochs ausgelaufen ist, wird es in diesem Jahr keine so großen Veränderungen geben. Wir wissen auch, dass wir in dieser Transferperiode nicht in der gleichen Größenordnung wie im Winter investieren können und das ist auch in Ordnung für uns. Aber wir halten die Augen offen.

SPORT1: Stuttgarts Antonio Rüdiger steht ja noch auf der Liste, oder?

Klaus Allofs: Das ist durchaus richtig formuliert. Wir sind in der Innenverteidigung mit Naldo, Timm Klose und Robin Knoche gut besetzt. Perspektivisch gesehen wollen wir aber Qualität dazu holen. Begibt man sich auf die Suche, kommt man relativ schnell auf Antonio Rüdiger. Daraus haben wir kein Geheimnis gemacht. Sollte sich diese Möglichkeit ergeben und es machbar sein, würden wir die nächsten Schritte machen.

SPORT1: Schürrle, Aaron Hunt, Sebastian Jung: Die meisten Transfers der Vorsaison sind noch nicht voll eingeschlagen. Erwarten Sie von ihnen im zweiten Jahr einen Sprung nach vorn?

Klaus Allofs: Die Erwartung haben wir eigentlich an fast alle Spieler. Was Andre Schürrle angeht: Wir sind aber von seinen Fähigkeiten total überzeugt. Er zeigt sie im Training, er hat sie in der Nationalelf mit den drei Toren gegen Gibraltar gezeigt. Andre wird eine ganz andere Saison spielen, als er das in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit getan hat. 

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SPORT1: Und Aaron Hunt?

Allofs: Auch er hat den Konkurrenzkampf gespürt. Er  hat seine anfängliche Unzufriedenheit abgelegt und seine große Chance erkannt,  hat sich genau dann aber leider verletzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in der kommenden Saison Aarons wahres Gesicht sehen werden.

SPORT1: Kevin De Bruyne ist heiß begehrt, angeblich auch beim FC Bayern, sie wollen ihn mit einem besser ausgestatteten Vertrag halten. Wie wichtig wäre dieses Signal?

Klaus Allofs: Kevin hat einen Vertrag bis 2019, von daher ist das Signal doch schon gesendet. Er wird bei uns bleiben. Dennoch haben wir gesagt: Wir schauen uns seinen Vertrag noch einmal an. Es geht darum, Kevins außergewöhnlicher Entwicklung auch finanziell Rechnung zu tragen. Wir versuchen, dass die besten Spieler bei uns auch die besten Gehälter haben, daher werden wir einen Vorschlag machen und ich denke, wir werden hier sehr schnell eine Einigung finden.

SPORT1: Die dann auch wirklich bis 2019 gelten kann?

Klaus Allofs: Wir schauen gar nicht so weit in die Zukunft. Wer im Fußball bei dieser rasanten Entwicklung mehr als ein Jahr nach vorne schaut, betreibt Rätselraten. Ich wünsche mir natürlich, dass er mindestens bis 2019 bei uns bleibt. Was in einem Jahr ist, hängt von Kevins Entwicklung, aber auch ganz entscheidend von der des VfL Wolfsburg ab. Sollten wir das in dieser Saison Erreichte bestätigen, gibt es nicht so viele Gründe, den VfL zu verlassen.

SPORT1: Andere Klubs und Spieler haben mitbekommen, dass der VfL über etwas Geld verfügt. Macht Ihnen dieser Umstand das Leben in diesem Transfersommer schwer?

Klaus Allofs: Nein, das sehe ich nicht als Problem. Schwerer macht es uns eher eine andere Entwicklung. Wenn man sieht, dass für Spieler wie Roberto Firmino aus England 41 Millionen gezahlt werden, wird deutlich, dass der Konkurrent Premier League noch stärker wird als in der Vergangenheit. Das wird es schwieriger machen, sich in dem einen oder dem anderen Fall durchzusetzen.

SPORT1: Im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 haben Sie den FC Bayern für sein Auftreten zum Ende der Saison kritisiert. Lag Ihnen das auf der Seele? Oder haben wir da den Anfang einer neuen Kommunikationsstrategie erlebt?

Klaus Allofs: Nein. Ich bin dazu gefragt worden und das, was ich gesagt habe, ist meines Erachtens legitim. Ich habe in diesem Fall nicht von Wettbewerbsverzerrung gesprochen. Ich habe nur gesagt, dass ich glaube, dass auch die Bayern-Verantwortlichen mit den letzten Spielen nicht zufrieden waren. Als Marktführer muss man sich diese Kritik gefallen lassen. Ich habe die Bayern sehr häufig als leuchtendes Beispiel in Sachen Professionalität genannt. In diesem Fall war das nicht so sehr ausgeprägt. Das Ganze ist aber längst zu den Akten gelegt und hat auch nichts mit einem Sinneswandel des VfL Wolfsburg hin zu einer härteren Gangart zu tun. 

SPORT1: Sie werden also nicht zur Abteilung Attacke?

Klaus Allofs:  Ich glaube, man muss keine Attacken reiten, die einen nicht weiterbringen. In diesem Fall war das auch keine Attacke, sondern eine Meinungsäußerung. Das ist etwas, was zu diesem Geschäft dazu gehört. Und ich habe nicht den Anspruch, immer hundertprozentige Zustimmung zu bekommen.

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