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Bayer 04 Leverkusen v FC Ingolstadt 04 - Bundesliga
Bayer 04 Leverkusen v FC Ingolstadt 04 - Bundesliga © Getty Images
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Leverkusen - Bayer Leverkusen verpasst gegen Ingolstadt den Anschluss an die internationalen Plätze. Die Schanzer belohnen sich für einen mutigen Auswärtsauftritt mit drei Punkten.

Roger Schmidt nahm den Abpfiff wie versteinert hin, die Fans forderten: "Roger raus!" Bei Bayer Leverkusen ist die Stimmung alles andere als besinnlich - vor dem Bundesliga-Derby beim 1. FC Köln ist selbst ein Europa-League-Platz sechs Punkte entfernt (Die Tabelle der Bundesliga).

Das 1:2 (0:1) am Sonntag gegen den FC Ingolstadt war der Tiefpunkt einer ebenso wechsel- wie rätselhaften Hinrunde. Der Druck auf den Trainer steigt.

Tah: "Müssen Eier zeigen"

"Wir waren einfach nicht da", klagte Nationalspieler Jonathan Tah bei Sky: "Vielleicht liegt es an den Köpfen. Wir müssen Männer sein und Eier zeigen! Wir müssen uns zusammenreißen." Die Rufe gegen den Trainer? "Beachte ich nicht", sagte Tah. Der Auftrag für Mittwoch stand auf einem Transparent: "Keine Ausreden - das Derby gewinnen!"

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Pascal Groß
Pascal Groß © SPORT1/iM football

Sportdirektor Rudi Völler zeigte sich bei Sky mit dem leblosen Auftritt unzufrieden.

Völler stärkt Schmidt

"Wir haben heute zu viel abgewartet und zu wenig gepresst. Das ist das, was uns eigentlich auszeichnet", so der 56-Jährige. Dennoch stehe Schmidt laut Völler nicht zur Disposition: "Wir haben einen sehr, sehr guten Trainer."

Der FC Ingolstadt setzte hingegen im Abstiegskampf ein weiteres dickes Ausrufezeichen. Eine gute Woche nach dem 1:0 gegen RB Leipzig gewannen die Oberbayern unter ihrem neuen Trainer Maik Walpurgis hochverdient. Der FCI verdrängte damit im Tabellenkeller den Hamburger SV vom Relegationsplatz 16 (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).

FCI lebt unter Walpurgis auf

Unter dem Nachfolger von Markus Kauczinski holten die Schanzer in den vergangenen fünf Spielen zehn von 15 möglichen Punkten - nur Bayern und Leipzig fuhren in diesem Zeitraum mehr Zähler ein.

Alfredo Morales brachte die Gäste mit seinem ersten Saisontreffer in der 26. Minute in Führung. Nach dem 1:1 durch Admir Mehmedi (63.) machte Almog Cohen elf Minuten später die dritte Heimniederlage der Werkself in dieser Saison perfekt. Bayer agierte ab der 49. Minute in Unterzahl, nachdem Charles Aranguiz wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen hatte.

Völler: "Mimen sterbenden Schwan"

Im Zweikampf mit Anthony Jung holte Aranguiz zu weit mit dem Arm aus und traf den Ingolstädter im Gesicht, der sofort zu Boden ging. "Ich habe irgendetwas im Mundbereich abbekommen, ich glaube, es war sein Kopf", sagte Jung bei Sky zur Szene. "Ich würde aber nicht sagen, dass es eine Tätlichkeit war."

Völler dagegen stieß das Verhalten Jungs und einiger anderer Schanzer auf: "Viele Spieler mimen immer den sterbenden Schwan", wetterte er bei Sky. "Das geht mir hier in Deutschland schwer auf den Keks."

Gellende Pfiffe für Schmidt und die Mannschaft

Und auch die Bayer-Fans waren beim letzten Heimspiel in diesem Jahr bedient. Angesichts der über weite Strecken kümmerlichen Vorstellung ernteten die Leverkusener immer wieder gellende Pfiffe. Erstmals in dieser Saison richtete sich der Zorn einiger Fans auch gegen Schmidt.

"Wir haben einfach schlecht Fußball gespielt", sagte Schmidt nach dem Spiel bei Sky: "Viele Spieler hatten mental und physisch keine gute Form." Die Pfiffe und die kaum zu überhörenden "Roger-raus"-Rufe wollte Schmidt "akzeptieren. Wir haben schlecht gespielt. Ich bin der Trainer und dafür verantwortlich."

Bayer verpasst Anschluss

Leverkusen verpasste es durch eine leblose und größtenteils erschreckende Vorstellung, im Kampf um einen Europacupplatz den Abstand zur Konkurrenz zu verkürzen, die bis auf die beiden Spitzenteams Bayern München und RB Leipzig am 15. Spieltag Federn gelassen hatte.

Nach der bereits schwachen Vorstellung beim glücklichen 1:0 auf Schalke eine Woche zuvor wurden die Fehler der Leverkusener diesmal gnadenlos bestraft.

In einer insgesamt schwachen Partie vor 25.075 Zuschauern waren die Gäste von Beginn an die bessere Mannschaft und hatten bei Standards in der Anfangsphase durch Pascal Groß und Roger bereits gute Möglichkeit zur Führung. Morales gelang nach Vorarbeit von Markus Suttner die verdiente Führung der Gäste, die ein klares Chancenplus hatten.

Gelb-Rot für Aranguiz passt ins Bild

Leverkusen bot in der Defensive viele Unzulänglichkeiten und brachte in der Offensive so gut wie nichts zustande. Weder Torjäger Javier "Chicharito" Hernandez, der wettbewerbsübergreifend 1068 Minuten auf einen Treffer wartet, noch Mehmedi in seinem 100. Bundesligaspiel stellten die sattelfeste Ingolstädter Abwehr vor große Probleme.

Auch im zweiten Abschnitt fiel den Hausherren, bei denen Kevin Kampl nach zweiwöchiger Verletzungspause wieder zum Einsatz kam, nicht viel ein. Die Aktionen der von Schmidt neu zusammengestellten Elf wirkten uninspiriert. Die Gelb-Rote Karte für Aranguiz passte ins Bild.

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