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© SPORT1-Grafik/Getty Images
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München - FC Bayern gegen RB Leipzig: was entscheidet den Showdown in München am Mittwoch? SPORT1 nimmt die Knackpunkte unter die Lupe, RB schneidet sogar besser ab.

Bevor Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Sonntagabend in den Katakomben des Darmstädter Stadions am Böllenfalltor den Ausgang suchte, hinterließ der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern noch einen schönen Spruch: "Wer gegen Madrid, Barcelona oder Manchester United gespielt hat, der ist auch gegen Rasenballsport bereit."

Eine Stichelei in Richtung RB Leipzig. Nicht aber die verbalen Spitzen entscheiden den Mega-Gipfel (Mittwoch ab 19.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER). SPORT1 analysiert, worauf es ankommt.

- Die Psychologie

Vorteil Leipzig? "Für uns spricht einiges: Wir wollen, wir können, aber wir müssen nicht." So sieht es Stefan Ilsanker, der österreichische Allrounder im RB-Gebilde, der wie so viele von Salzburg nach Leipzig kam, um das spannende Red-Bull-Projekt auf deutschem Boden in die richtige Richtung zu lenken. Bange machen gilt nicht.

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Erst recht nicht beim RB-Architekten Ralf Rangnick, der im exklusiven SPORT1-Interview sagt: "Wir können nur gewinnen." Der Sportdirektor spricht von einem "Bonusspiel".

Bayern-Boss Rummenigge machte hingegen klar, dass er einen Sieg erwartet. "Leipzig hat das bisher gut gemacht, sie verdienen Respekt. Aber wir spielen zuhause", sagte er. Heißt übersetzt: Es ist Zeit, dem Überflieger der Liga die Flügel zu stutzen.

- Die Trainer

Carlo Ancelotti (57) ist ein bekennender Genussmensch, ein tiefenentspannter Pragmatiker, der vor allem nach München gekommen ist, um das vierte Mal die Champions League zu gewinnen. In die Alltagsaufgabe in der Bundesliga verbeißt sich der Routinier längst nicht so versessen wie Kollege Ralph Hasenhüttl (49), der RB Leipzig als bisher größte Chance seiner Trainerkarriere begreift.

Der einstige Bayern-Spieler (zweite Mannschaft!) hat nur diese eine Bühne und tüftelt Woche für Woche maßgeschneiderte Matchpläne aus. Hasenhüttl erklärt: "Wir haben jede Woche eine andere Herangehensweise an unser Spiel, weil jeder Gegner andere Stärken hat. Zusammen mit den Video-Analysten und Co-Trainern wird über Stunden ein Matchplan ausgearbeitet, der dann hoffentlich der richtige ist."

- Die Taktik

Ancelotti sagte, er habe die erste Elf fest im Kopf. Klar ist: Arjen Robben soll bis dahin wieder einsatzbereit sein. Auch Franck Ribery dürfte nicht erst von der Auswechselbank kommen. Damit könnte der Bayern-Trainer wie zuletzt gegen Wolfsburg (5:0) und in Mainz (3:1) angreifen: mit Robben/Ribery auf den Flügeln, Thomas Müller mit allen Freiheiten hinter Sturmspitze Robert Lewandowski.

In diesem System fühlen sich die Münchner wohler, kreieren mehr Überraschungsmomente. Das von Ancelotti genutzte 4-3-3-System wirkte in Darmstadt wieder einmal viel zu statisch.

Bei Hasenhüttl ist nur das 4-4-2-System mit zwei flexiblen Außen (Marcel Sabitzer, Emil Forsberg) und zwei Spitzen (Yussuf Poulsen, Timo Werner) eingespielt. Die Interpretation ist teilweise völlig unterschiedlich. Fest steht: Auch in München möchte Hasenhüttl mutig sein, "der Gegner, den sich viele wünschen".

Oder wie Rangnick sagt: "Wir wollen den Ball jagen, erobern, und dann geht nach vorne die Post ab. Davon werden wir nicht lassen." Interessant wird sein, ob sich die Bayern davon beeindrucken lassen. Ancelotti verspricht: "Wir sind auf jede Spielweise vorbereitet. Ob einer tief oder hoch verteidigt, ist für uns nicht entscheidend."

- Die Bereitschaft

Die Bayern agieren unter Ancelotti längst nicht so souverän in der Liga wie unter Pep Guardiola. Die Gegner haben mehr Raum und mehr Chancen. Immer häufiger – wie in Darmstadt – müssen sich die Münchner auf ihre individuelle Klasse wie beim Traumtor von Douglas Costa verlassen.

"Das war nicht der FC Bayern. Nicht in der Spielgeschwindigkeit, nicht in der Passgenauigkeit", monierte Nationaltorwart Manuel Neuer.

Die Leipziger agieren diese Saison mit ihrem jugendlichen Elan meist am Limit, haben abgesehen von der Niederlage in Ingolstadt (0:1) bei ihrem Powerstil fast immer ihre Grenzen ausgereizt.

Interessant: Die Sachsen laufen viel mehr (Laufleistung 116,1: 111,3 Kilometer), haben aber seltener den Ball als die Bayern (Ballbesitz: 51:69 Prozent) und spielen deutlich mehr Fehlpässe (Passquote: 73:87 Prozent).

Eine Folge des risikoreichen Umschaltspiels. Wer setzt sich durch? Wahrscheinlich hat der kluge Mats Hummels Recht: "Es wird ein Duell auf Augenhöhe. Wir brauchen ein Topspiel. Eine ordentliche Leistung reicht nicht."

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