vergrößernverkleinern
Ralph Hasenhüttl mit der Meisterschale der 2. Bundesliga
Ralph Hasenhüttl mit der Meisterschale der 2. Bundesliga © Getty Images
Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Mit Ingolstadt feierte Ralph Hasenhüttl seinen größten Erfolg, nun kehrt er mit RB Leipzig zurück. Nicht nur beim FCI trauert man ihm als Trainer und Mensch hinterher.

Es ist ein passendes Bild dieser Tage. Die Szene, wie Ralph Hasenhüttl schon mal eine Schale in die Luft gestemmt hat, diese kleine Radkappe für die Zweitliga-Meisterschaft mit dem FC Ingolstadt. Der jubelnde Trainer, mit Bier übergossen, eine Medaille um den Hals und die Schale fest in beiden Händen.

Mit RB Leipzig kehrt Hasenhüttl am Samstag (ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) zurück an den Ort seines bislang größten Triumphs als Trainer. Ingolstadt übernahm er als abgeschlagenes Schlusslicht der Zweiten Liga, er stabilisierte die Schanzer und stieg eine Saison später völlig überraschend mit dem kleinen Klub in die Bundesliga auf.

Hasenhüttl hatte dem Klub ein Gesicht verpasst und seiner Mannschaft einen Spielstil, der so schwer zu bespielen ist. Er verkörperte den FC Ingolstadt. Und wenn man den Worten von Geschäftsführer Harald Gärtner lauscht, bekommt man ungefähr eine Ahnung davon, wie wichtig Hasenhüttl für diesen Klub wirklich war.

Anzeige

"Entscheidender Faktor weggebrochen"

"Mit dem Wechsel unseres damaligen Trainers Ralph Hasenhüttl ist uns im Sommer ein ganz entscheidender Faktor für den Erfolg plötzlich weggebrochen. Dass man das nicht von einem auf den anderen Tag auffangen kann, hat man gesehen", sagt Gärtner im Gespräch mit SPORT1.

Ingolstadt hatte enorme Probleme, die übergroße Lücke nach Hasenhüttls Weggang zu schließen. Der erste Versuch mit Markus Kauczinski scheiterte, mittlerweile hat Maik Walpurgis die Mannschaft wieder einigermaßen auf Kurs bringen können.

Deshalb sei die Episode mit Hasenhüttl "längst abgehakt", wie Gärtner betont. "Wir blicken mit unserem Trainer Maik Walpurgis sehr positiv nach vorne, denn die Richtung stimmt."

Lob von Walpurgis

Walpurgis weiß um die großen Fußstapfen und findet bei SPORT1 nur positive Worte für den RB-Coach: "Ralph Hasenhüttl hatte in Ingolstadt großen Anteil am Aufstieg in die Erste Liga. Unter ihm hatten die Schanzer wirklich eine extrem erfolgreiche Zeit. Er hat Großes erreicht."

Selbiges traut Walpurgis seinem Trainerkollegen auch mit seinem neuen Klub zu: "Bei RB Leipzig knüpft er nahtlos daran an und führt die Trainer-Arbeit von Ralf Rangnick fort, der im vergangenen Jahr mit der Mannschaft auch gut gearbeitet hat."

Selbst zu Regionalliga-Zeiten habe Leipzig "immer den gleichen Spielstil an den Tag gelegt, immer mit jungen Talenten gearbeitet. Dass sie jetzt von der Spitze der Bundesliga grüßen, damit konnte man im Sommer nicht rechnen, aber sie machen das sehr gut und stehen absolut zu Recht da."

Aalen teilte Ingolstadts Schicksal

Auch und vor allem dank Hasenhüttl.

Viele Trainer verrichten in vielen Klubs ihren Job. Einige wenige reißen einen ganzen Verein mit, stiften Identität, bauen Strukturen auf und hinterlassen nachhaltige Konzepte. Wie Jürgen Klopp oder Pep Guardiola, wie Julian Nagelsmann derzeit in Hoffenheim oder Hasenhüttl in Leipzig. Und davor in Ingolstadt. Und davor in Aalen.

VfB Stuttgart II v VfR Aalen - 3. Liga
VfB Stuttgart II v VfR Aalen - 3. Liga © Getty Images

Der kleine Klub von der Ostalb hat bereits durchgemacht, was Ingolstadt seit diesem Sommer widerfährt. Hasenhüttl hat seine Ingolstadt-Geschichte einige Jahre zuvor in Aalen schon einmal geschrieben, führte einen Abstiegskandidaten der Dritten Liga bis hinauf in die Zweite Liga. Und hinterließ nach seinem Abgang vor drei Jahren ein riesengroßes Loch.

"Wir haben damals nicht nur einen Spitzentrainer verloren, sondern auch einen feinen Menschen", erinnert sich Aalens damaliger Präsident und Mäzen Berndt-Ulrich Scholz bei SPORT1. In Aalen führte Hasenhüttl damals die Offensividee des schnellen Umschaltspiels ein, das er in der Art und so aggressiv vorher auch noch nicht praktiziert hatte.

"Leider hat er frühzeitig um seine Vertragsauflösung gebeten, weil er auf lange Sicht beim VfR Aalen keine Perspektive mehr gesehen hat. Für Aalen war die Zweite Liga schon die absolute Spitze. Für Ralph Hasenhüttl nicht. Wir haben seinen Abgang sehr bedauert, die hinterlassene Lücke war sehr groß."

Was kommt nach Leipzig?

Ähnliches hört man auch aus Ingolstadt. Hasenhüttl hatte bereits nach dem Aufstieg mit den Schanzern ein Angebot aus Leipzig, sah seine Mission mit dem Erreichen der Bundesliga in Ingolstadt aber noch nicht beendet. Erst der Klassenerhalt, der Beweis, dass seine Spielidee die Mannschaft auch in der Bundesliga mit einem verhältnismäßig schmalen Etat tragen kann, machte sein Wirken in Ingolstadt perfekt.

"Aus den Möglichkeiten in Ingolstadt das Maximale rauszuholen war eine super spannende Aufgabe - das ist keine Frage", sagt Hasenhüttl, der im Sommer dann doch der Verlockung RB Leipzig erlegen war und eine neue Aufgabe angehen wollte.

"Mit einem Verein, der noch mal andere Möglichkeiten hat. Und dass wir die in Leipzig haben, ist offensichtlich. Deswegen habe ich mich im Sommer zu diesem Schritt entschlossen."

Längst hat Ralph Hasenhüttl über die Landesgrenzen hinaus Begehrlichkeiten geweckt, selbst große Klubs aus der Premier League sollen sich mit dem Österreicher befassen.

Wie gut ein Trainer mit einem klaren inhaltlichen Konzept und einem ausgeprägten Gespür für die Spieler aus der Bundesliga funktionieren kann, beweist Jürgen Klopp ja längst beim FC Liverpool.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image