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Hamburg und München - Trotz des sportlichen Aufschwungs muss Dietmar Beiersdorfer beim HSV seinen Hut nehmen. Heribert Bruchhagen übernimmt und muss nun schnell einen Sportdirektor finden.

Der Wechsel auf dem Chefsessel des Hamburger SV ist offiziell vollzogen.

Heribert Bruchhagen löst Dietmar Beiersdorfer als Vorstandsvorsitzenden ab.

Dies gab der HSV am Sonntagabend bekannt - und bestätigte damit einen SPORT1-Bericht vom Nachmittag.

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Dienstantritt am Mittwoch

Bruchhagen wird schon am Mittwoch seinen Dienst antreten.

"Dieser Schritt war bei meinem Abschied in Frankfurt sicherlich nicht vorgesehen. Aber wenn der HSV anfragt, dann stellt sich für jeden, der im Bundesliga-Management tätig war, die Frage einer Zu- oder Absage gar nicht. Da ist eine Zusage Pflicht", erklärte Bruchhagen.

Gemeinsam mit Finanzvorstand Frank Wettstein soll der 68-Jährige die operative Führung des Klubs übernehmen.

Beiersdorfer wusste seit Dienstag Bescheid

Beiersdorfer zeigte sich dagegen "sehr enttäuscht". Die Entmachtung sei ihm bereits am vergangenen Dienstag im persönlichen Gespräch und am Donnerstag schriftlich mitgeteilt worden.

"In Anbetracht unserer sportlichen Situation und mit dem Wissen, alle Kraft und Energie unseres Klubs auf die letzten drei Spiele des Jahres zu fokussieren, habe ich von einer Veröffentlichung abgesehen", sagte Beiersdorfer.

Als letzte Amtshandlung soll er bis zum Jahresende eine geordnete Übergabe seiner Bereiche und Themen, vor allem auch der Winter-Transfervorbereitungen vornehmen.

Auch kurios: Am Sonntag nahm Beiersdorfer noch an der HSV-Weihnachtsfeier in einem Sushi-Restaurant teil.

Sportdirektor als erste Aufgabe

Der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Gernandt sagte zu der Entscheidung: "Der Aufsichtsrat hat sich bereits seit längerem mit der Frage beschäftigt, wie die Führungsstruktur der HSV Fußball AG aufgestellt sein muss. Das letzte halbe Jahr hat uns gezeigt, dass wir noch nicht auf dem Level angekommen sind, das wir uns als Ziel gesetzt haben."

Auch die jüngste sportliche Trendwende dürfe "den Blick für die unzufrieden stellende Gesamtsituation nicht verstellen".

Bruchhagen soll sich künftig als Vorstandsvorsitzender um die Fachbereiche Sport, Kommunikation und um die Vertretung des HSV in der Liga kümmern.

"Mit Heribert Bruchhagen legen wir die Position des Vorsitzenden nun in sehr erfahrene Hände", erklärte Gernandt die Personalentscheidung und betonte: "Eine seiner ersten Aufgaben wird es sein, einen Sportdirektor an Bord zu holen, der in enger Zusammenarbeit mit Markus Gisdol die Mannschaft weiter voranbringt."

Dies war Beiersdorfer in den vergangenen Wochen nicht gelungen, der HSV holte sich unter anderem Absagen von Jonas Boldt, Nico-Jan Hoogma, Christian Hochstätter und Jens Todt ab.

Als Kandidat dafür wird nun Horst Heldt gehandelt. Dessen Gespräche mit Beiersdorfer waren daran gescheitert, dass dieser ihm keinen Vorstandsposten anbieten wollte.

Offenbar Vertrag bis Sommer 2019

Nach Angaben mehrerer Medien erhält Bruchhagen einen Vertrag über zweieinhalb Jahre. Die Sport Bild beziffert sein Jahresgehalt auf 1,8 Millionen Euro, was demnach bislang auch Beiersdorfer verdient hat.

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Zumindest mit Blick auf die sportliche Situation kommt der Wechsel vom Zeitpunkt her überraschend, nachdem die Hamburger zuletzt viermal ungeschlagen geblieben waren und sich nach dem 1:0 am Samstag gegen den FC Augsburg auf den 16. Tabellenplatz verbessern konnten.

Bruchhagen, bis Sommer 13 Jahre in Frankfurt tätig, war bereits von 1992 bis 1995 Manager beim HSV. 

Beiersdorfer seit 2014 im Amt

Beiersdorfer war am 7. Juli 2014 zum zweiten Mal zum viermaligen deutschen Meister zurückgekehrt, konnte aber seitdem die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

Nach der zweiten glücklichen Rettung vor dem Abstieg in der Relegation 2015 und einem Jahr im Mittelfeld stürzte das Team in dieser Saison wieder in den Tabellenkeller.

Retter Bruno Labbadia war Ende September der vierte Trainer, den Beiersdorfer entließ. Nachfolger Markus Gisdol blieb danach zunächst ebenfalls erfolglos, ehe zuletzt zwei Siege in Folge gelangen.

"Ich kann in den Spiegel schauen"

"Ich kann in den Spiegel schauen und sagen, dass ich bislang immer und auch weiterhin alles nur im Sinne des HSV machen werde", hatte Beiersdorfer zuletzt erklärt.

Der 53-Jährige war bereits als Spieler von 1986 bis 1992 sowie als Sportdirektor von 2002 bis 2009 bei den Hanseaten. In seiner dritten Ära gab er rund 90 Millionen Euro für neue Spieler aus (bei rund 38 Millionen Einnahmen), der Erfolg blieb aber aus.

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