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© SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann / Imago/ Getty Images
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München - Julian Draxler war mit großen Zielen nach Wolfsburg gewechselt, wollte dort die nächste Stufe seiner Karriere zünden. Anderthalb Jahre später stehen Spieler und Klub vor einem Scherbenhaufen.

Angefangen hat alles mit Kevin De Bruynes Abgang. Der VfL Wolfsburg war Vizemeister und frisch gekürter DFB-Pokalsieger und von frisierten Abgaswerten bei Volkswagen noch nichts bekannt.

Klaus Allofs wollte unbedingt einen Spieler, der einen ähnlich spektakulären Fußball spielen kann wie der Belgier. Und mit dem sich unter Umständen bei einem späteren Verkauf genauso gut verdienen lässt wie im Fall des 75-Millionen-Transfers De Bruyne.

Draxler der Sündenbock

Bekommen hat der VfL Wolfsburg damals Julian Draxler, gekostet hat der Nationalspieler 36 Millionen Euro. Anderthalb Jahre später ist der Heilsbringer einer der großen Buhmänner der Bundesliga und muss als Paradebeispiel herhalten für eine ziemlich verkorkste Karriereplanung.

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Die Niederlage am Wochenende gegen Hertha BSC wurde zu einem Spießrutenlauf für Draxler. Nach seiner Einwechslung wurde er von den eigenen Fans gnadenlos niedergepfiffen, verhöhnt und beleidigt.

"Die Fans haben das Recht dazu. Was diese Pfiffe aber mit einem Menschen machen, kann sich jeder denken", sagte Draxler noch am Samstagabend und bekräftigte mit Nachdruck seinen Wunsch, den Verein im Winter verlassen zu wollen. "Ich habe im Sommer schon beantwortet, wie ich zu allem stehe."

Damals wollte er weg, der VfL legte sein Veto ein und es kam zu einem öffentlich ausgetragenen Streit, Draxler warf seinem Arbeitgeber sogar Wortbruch vor. Es entstand schnell das Bild des raffgierigen Profis, der beim erstbesten noch lukrativeren Angebot auf bestehende Verträge pfeift.

Kein Spiel mehr für den VfL?

Mit diesem zweifelhaften Image in den Kleidern ging Draxler in die Saison; mit einer Mannschaft, für die er gar nicht mehr spielen wollte. Elf Spiele hat er in der Bundesliga bestritten, weder ein Tor noch einen Assist dabei zustande gebracht. Gegen Berlin wurde er erstmals "nur" eingewechselt. Aber selbst das dürfte in den Spielen bis zur Winterpause kaum noch der Fall sein.

"Ich habe mit meiner Entscheidung gezeigt, in welche Richtung es für mich geht. Ich nehme keine Rücksicht auf Namen. Ich brauche Spieler, die bereit sind für den Kampf", sagte Trainer Valerien Ismael. Gegen Berlin setzte er Luiz Gustavo, Daniel Didavi und Draxler auf die Bank.

Die Spekulationen, Draxler würde bis zur Winterpause zwar mit der Mannschaft trainieren, aber nicht mehr spielen dürfen, wollte der Klub auf SPORT1-Nachfrage allerdings nicht bestätigen.

Es gibt nur Verlierer

Das Thema setzt allen Beteiligten enorm zu und am Ende stehen da eigentlich nur Verlierer. Draxler, der es gegen die Hertha angesichts der Ereignisse in zwölf Minuten Spielzeit auf läppische sechs Ballkontakte brachte. Der in der Mannschaft nie angekommen und von großen Teilen der Fans längst gemieden wird. Im günstigsten Fall.

Allofs, der sich im Sommer gegen einen Verkauf verwahrte und dies mittlerweile offenbar anders sieht - nun aber einen immer noch hochbegabten Spieler zu einem Preis veräußern muss, der weit unter dem liegt, der noch vor fünf Monaten hätte aufgerufen werden können. Und um den sich auch schon Gerüchte ranken, dass er angesichts der Turbulenzen rund um Volkswagen seiner Arbeit etwas weniger intensiv nachgehen würde.

Der Klub, dem vom Mutterkonzern kolportierte 30 Prozent Etatkürzungen drohen und eine komplette neue interne Richtlinie: Weniger teure Stars, mehr Nachwuchsförderung.

Und die Mannschaft, die Draxler hätte anführen sollen. Und die mittlerweile in einen gefährlichen Strudel geraten ist mit zehn Punkten und Platz 15.

Wieder mal verbrannte Erde

Als Aushängeschild war Julian Draxler gekommen, als Symbolfigur. Sehr wahrscheinlich wird er den VfL in wenigen Wochen als krachend gescheiterter Spieler wieder verlassen. Und auch in Wolfsburg, wie schon auf Schalke, jede Menge verbrannter Erde hinterlassen.

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