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Wissenschaftler finden auffällige Torwetten bei Bundesliga-Partien - besonders bei drei Referees. Ein Beweis für Manipulation sei das zwar nicht, aber ein Indiz.

Zwölf Jahre nach dem Fall Hoyzer wird die Bundesliga wieder im Zusammenhang mit auffälligen Wetten genannt. 

Eine gemeinsame Studie der Universitäten Bielefeld, Pennsylvania und West Virginia (USA) hat auffällige hohe Torwetten bei deutschen Erstliga-Spielen ermittelt. Wie das WDR-Magazin sport inside berichtet, wird ein Zusammenhang zwischen Wetteinsätzen und Schiedsrichter-Ansetzungen hergestellt. 

Konkret gehe es um Spiele, die von drei Schiedsrichtern geleitet wurden, deren Namen nicht genannt werden.

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Auffälligkeiten nur bei drei Schiedsrichtern

Einen konkreten Hinweis auf Manipulation konnte die Studie nicht ziehen. "Der Rückschluss ist nicht möglich, dass man sagt, das ist definitiv Wettbetrug oder Wettbetrug würde hier vorliegen", sagte Christian Deutscher, Sportökonom der Universität Bielefeld und Mitautor der Studie: "Aber man beobachtet statistische Eigenschaften, die man auch erwarten würde, falls es Wettbetrug gäbe"‚ 

Auch nach Ansicht von Markus Knasmüller, Gutachter und Sachverständiger bei mehreren Wettbetrugsprozessen in Österreich, legen die Ergebnisse der Untersuchung einen Betrugsverdacht nahe. Zu sport inside sagte er: "Wir haben hier einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Höhe der Wetteinsätze und der Schiedsrichterbesetzung."

Konkret haben die Forscher zwischen der Saison 2010/2011 und einschließlich 2014/2015 1.251 Bundesligaspiele untersucht und dabei systematisch auffällige Torwetten ermittelt. Dabei sind die Partien der drei unter Verdacht stehenden Referees in den Fokus geraten. 

"Am einfachsten zu manipulieren"

"Wir haben hier 26 Schiedsrichter, deren Spiele über die Jahre hinweg analysiert worden sind und man müsste glauben, dass die Ausreißer bei den Wetteinsätzen bei allen Schiedsrichtern ungefähr gleich verteilt sind", sagte Experte Knasmüller in dem Beitrag. In dem konkreten Fall "haben wir aber eine Konzentration auf drei Schiedsrichter und nur bei diesen dreien kommen die Ausreißer de facto vor." 

Die auffälligen Wetteinsätze sind dem Bericht zufolge vor allem bei sogenannten Über/Unter-Wetten platziert worden, wo es nur darum geht vorherzusagen, wie viele Tore in einer Partie fallen. Das Ergebnis spielt keine Rolle. Diese Art von Wetten bezeichnet Knasmüller als diejenige, mit der man "einfachsten im Fußball manipulieren kann".

"Kein Spiel als manipulationsverdächtig eingestuft"

Der DFB verwies auf sein internes Überwachungssystem, dass der Verband gemeinsam mit Sportradar betreibt. Das habe seit 2005 "kein Spiel der Bundesliga oder 2. Bundesliga als manipulationsverdächtig eingestuft". 

Weiterhin hieß es in der Erklärung: "Wie die Autoren der vorliegenden Studie selbst kommt auch Sportradar im Rahmen einer ersten Analyse zu dem Ergebnis, dass ein Verdacht auf Wettmanipulation durch die nun präsentierten Daten nicht belegt wird."

Der in der DFB-Kommission "Wissenschaft" arbeitende Spielmanipulations-Experte Eike Emrich (Universität des Saarlandes) komme zudem nach erster Einschätzung zu dem Schluss, "dass sich die Bundesliga als sehr resistent gegenüber Match Fixing" erweise.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) reagierte "erstaunt" darüber, "wie unreflektiert hier unbestätigte Verdachtsmomente weiterverbreitet werden", teilte ein Sprecher mit: "Fakt ist: Die Studie liefert keinen Beleg für Wettmanipulation. Das sagen die Autoren selbst, wird aber auch von Experten bestätigt."

Experten sehen derweil eine Schwäche bei dem Überprüfungssystem des DFB. Der Bochumer Kriminalhauptkommissar Michael Bahrs sagte sport inside, dass die Ermittler seit 2009 "eine Vielzahl an Fußballspielen" registriert hätten, "die zumindest als verdächtig einzustufen waren".

Sportökonom Hendrik Sonnabend vertritt derweil eine andere Theorie.

"Angenommen, ein bestimmter Schiedsrichter neigt zu einer Spielleitung, beispielsweise wenn er viel laufen lässt, die hohe Ergebnisse eher begünstigt, wird es Player auf dem Wettmarkt geben, die das erkennen und ihre Einsätze entsprechend platzieren. Das könnte ebenso gut eine Erklärung sein", sagte er. Der Referee selbst bekäme davon gar nichts mit.

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