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Gelsenkirchen - Der Hamburger SV hat den direkten Klassenerhalt wieder vor Augen. Ausgerechnet der leidgeprüfte Pierre-Michel Lasogga beschert dem HSV ein "Endspiel" gegen Wolfsburg.

Pierre-Michel Lasogga stand im Unterhemd in den Katakomben der Schalker Arena und starrte wie gebannt auf den Fernseher an der Wand.

Als der umjubelte Held des Hamburger SV dort eine halbe Stunde nach der völlig verrückten Nachspielzeit beim FC Schalke 04 das verspätete Ende des Unwetter-Spiels in Wolfsburg sah, lächelte er breit und stapfte entschlossen in die Kabine.

Der HSV hat den direkten Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga im "Endspiel" am kommenden Samstag gegen den VfL Wolfsburg urplötzlich wieder in der eigenen Hand - und ausgerechnet der leidgeprüfte Lasogga hatte durch seinen Treffer zum 1:1 (0:1)-Endstand auf Schalke dafür gesorgt. (Der SPORT1-Tabellenrechner)

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Lasoggas Leidenszeit endet

"Das ist ein wunderschönes Gefühl. Ich bin heute sehr glücklich. Das tut gut, der Mannschaft so zu helfen", sagte Lasogga. In der zweiten Minute der Nachspielzeit hatte er zum hochverdienten Ausgleich getroffen und schon mal das Schreckgespenst des ersten direkten HSV-Abstiegs der Bundesliga-Geschichte vertrieben - es war sein erstes Tor seit April 2016, nach einer nicht enden wollenden Leidenszeit auf dem Hamburger Abstellgleis.

"Es war ein Scheißjahr für mich. Aber ich bin stolz auf mich, dass ich nie aufgegeben habe", meinte der Angreifer.

Alle Spiele, alle Tore: Die Highlights des 33. Spieltags am Sonntag in Bundesliga Pur ab 9.15 Uhr im TV auf SPORT1

Nun blickt Lasogga wie alle seine Kollegen wild entschlossen auf das Duell mit den Wolfsburgern, die nach dem 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach selbst mehr denn je die Relegation fürchten müssen und plötzlich sogar als gefühlter Außenseiter in das Duell gehen.

"Jeder hat sich voll reingeschmissen, das müssen wir einfach wiederholen", meinte Lasogga: "Dann bleiben wir mit unseren Fans im Rücken in der Liga." (Die Tabelle der Bundesliga)

Dramatische Nachspielzeit

In der Tat hat sich der zuletzt so lethargische Bundesliga-Dino diese Gelegenheit mit dem Punkt auf Schalke trotz des Rückstands durch Guido Burgstaller (25.) durch eine kämpferisch erstklassige Leistung nach der Pause redlich verdient - auch wenn in der dramatischen Nachspielzeit eine große Portion Glück dabei war.

Zunächst traf Lasogga mit einem verunglückten Schuss (Sportchef Jens Todt: "Er hat ihn reingemurmelt") zum wild umjubelten Ausgleich, den er nach einem Sprint über knapp hundert Meter vor der Kurve mit den ekstatischen HSV-Fans feierte. Doch das war nur der Auftakt des Dramas. (Das Spiel im Ticker zum Nachlesen)

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In der letzten Spielaktion versenkte Sead Kolasinac einen Eckball von Johannes Geis per Kopf zum vermeintlichen Schalker Sieg, doch Schiedsrichter Markus Schmidt (Stuttgart) pfiff die Szene und dann direkt auch das Spiel ab - der Ball war nach Geis' Ecke in der Luft durchs Aus geflogen.

Gisdol muss durchschnaufen

"Der Begriff 'Wechselbad der Gefühle' reicht für sowas nicht aus", sagte HSV-Boss Heribert Bruchhagen erschöpft, aber erleichtert: "Jetzt wollen wir den direkten Klassenerhalt - und dieses Spiel macht Hoffnung." (Der 33. Spieltag im Überblick)

Trainer Markus Gisdol ("Sowas vergisst man nicht so schnell") zwang sich sofort zu glasklaren, zielgerichteten Gedanken: "Wir schnaufen durch. Aber uns muss klar sein, dass das nur die Vorbereitung war, um ein ganz dickes Ding schaffen zu können. Wir müssen fokussiert bleiben."

Nur ein Sieg gegen Wolfsburg bewahrt den HSV vor dem dritten Entscheidungs-Duell mit dem Zweitliga-Dritten nach 2014 und 2015.

Und Lasogga ist urplötzlich wieder eine Option - ausgerechnet Lasogga, der den HSV 2014 in der Relegation mit einem Treffer gegen die SpVgg Greuther Fürth vor dem Absturz rettete und danach peu à peu den Anschluss verlor. "Er hat nie locker gelassen. In so einem Moment da zu sein, ist für einen Spieler grandios", sagte Gisdol.

Und als Bruchhagen über Lasogga sprach, zog er ungewollt eine Parallele zum kompletten HSV: "Vielleicht war das der Beginn einer Renaissance."

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