Gisdol fordert mehr Offensive

Augsburg - Beim Hamburger SV schrillen nach der Niederlage in Augsburg alle Alarmglocken. Vorstandsboss Heribert Bruchhagen findet deutliche Worte.

Die Profis des Hamburger SV standen noch konsterniert und mit leerem Blick auf dem Rasen, da klangen ihnen die hämischen Gesänge der Fans des FC Augsburg in den Ohren: "Zweite Liga, Hamburg ist dabei. Zweite Liga, Hamburg ist dabei."

Ob es passiert, ist nach dem 0:1 (0:1) beim FC Augsburg völlig offen, doch der verpatzte Start in die Rückrunde lässt Erinnerungen an all die Kapriolen der Vorjahre wieder aufleben. "Es ist enttäuschend. Die Leistung ist nicht ausreichend, da muss einfach mehr kommen", meinte Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

Sportchef Jens Todt haderte mit der Chancenverwertung. "Wir sind sehr gut reingekommen, hatten eine sehr gute Möglichkeit in der ersten oder zweiten Minute. Wenn wir den machen und das Glück mal haben kann so ein Spiel auch ganz anders laufen", sagte Todt bei SPORT1.

Gisdol: "Wir kennen diese Situation"

HSV-Boss Bruchhagen forderte "von jedem" eine Steigerung, schloss sich und den Trainer dabei ausdrücklich ein. "Man muss nicht über Einzelne reden."

Jener Trainer Markus Gisdol reagierte äußerlich gelassen auf die prekäre Lage des Tabellenvorletzten mit nur 15 Punkten nach 18 Spielen. "Wir kennen diese Situation", sagte Gisdol. "Es geht darum, nicht alles schwarzzumalen", merkte Abwehrspieler Mergim Mavraj an.(DATEN: Alle Ergebnisse im Überblick)

Todt machte Mut: "Es hakt an Kleinigkeiten, die Grundbedingung die Klasse zu halten ist da, dass sind der mannschaftliche Zusammenhalt und die gute kämpferische Einstellung." 

Also dann: Der HSV war defensiv recht gut sortiert, ließ in einem Kampfspiel auf überschaubarem Niveau nicht allzu viele Augsburger Chancen zu. U21-Europameister Julian Pollersbeck feierte im Tor ein anständiges Debüt in der Bundesliga, beim entscheidenden Treffer von Koo Ja-Cheol (45.) war er schuldlos.

Aber sonst waren in dieser ziemlich dunklen HSV-Brühe wenige helle Flecken zu erkennen. (TICKER zum Nachlesen)

"Sorgen machen wir uns seit einem Jahr"

Vom Anhang gab es für die Leistung Pfiffe, aber einige applaudierten der Mannschaft auch. "Sorgen machen wir uns seit einem Jahr", sagte Mavraj und meinte damit, dass keiner beim HSV die Situation unterschätzt.

Allerdings haben die Hanseaten mit der elften Niederlage einen Negativrekord für diesen Zeitpunkt einer Saison erreicht, noch nie gelang es in dieser Spielzeit zudem, nach einem Rückstand noch zu punkten.

Alle Highlights des 18. Spieltags am Sonntag um 9.30 Uhr und 13.30 Uhr in Bundesliga Pur auf SPORT1

Eklatant ist die Offensivschwäche. "Wir müssen mehr Chancen produzieren", forderte Gisdol schon für das Abstiegs-Endspiel in der kommenden Woche gegen den 1. FC Köln. Der Coach ist der Meinung, der HSV müsse sich "offensiv breiter aufstellen."

Todt erklärte zu eventuellen Transfers: "Wenn es eine Chance gibt etwas Vernünftiges auf dem Transfermarkt zu machen, vernünftig heißt sportlich muss es passen, finanziell machbar sein und der Spieler muss verfügbar sein, dann sind wir bereit zu agieren", sagte Todt zu SPORT1: "Aber wir verfallen überhaupt nicht in Hektik, unabhängig von irgendwelchen Ergebnissen."

Von einer Trainerdiskussion wollte der Sportchef ebenfalls nichts wissen.

Hoffnungen ruhen auf Arp

Einstweilen bleibt Dennis Diekmeiers Empfehlung für das Kellerduell gegen Köln: "Nächste Woche müssen wir es besser machen." Und dass diese Hoffnung irgendwie auch mit der Genesung des am Samstag erkrankten HSV-Juwels Jann-Fiete Arp zusammenhängt, spricht Bände.

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Der HSV hat ein Team, dem an verschiedenen Stellen offenkundig Qualität fehlt, und der HSV tanzt nun schon seit einigen Jahren auf der Rasierklinge. Dass er auch diesmal wieder ungeschoren aus der Saison kommt, ist keineswegs ausgemachte Sache.

"Die Mannschaft reagiert als Mannschaft, das ist das Positive", sagte Todt, während Andre Hahn erkannte: "An Einstellung und Einsatz mangelt es nicht."(DATEN: Tabelle der Bundesliga)

Der Druck steigt dennoch weiter, und gibt es gegen Köln kein passendes Ergebnis, dürfte die nächste Eskalation nicht fern sein. "Es darf keine Resignation geben, wir müssen Widerstand zeigen", sagte Bruchhagen.

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