So empfand Tedesco seine Rolle als Schalke-Einheizer
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München - Nach dem Derbysieg gegen den BVB hat Schalke die Champions League fast sicher. Königsblau feiert seinen Erfolgsgaranten: Trainer Domenico Tedesco.

Ein paar Reserven hatte sich Domenico Tedesco zum Glück aufgespart.

Schalkes Trainer war während der 95 Derbyminuten durch seine Coaching-Zone gewetzt. Er hatte wild mit den Händen gerudert. War Bällen nachgejagt, die ins Aus sprangen. Und hatte dabei immer wieder das Publikum angestachelt.

Sein blaues Poloshirt war durchgeschwitzt. Doch für diese Einlage reichte seine Kondition noch.

Schalkes Ultras hatten ihren Trainer nach dem größten Erfolg seiner Laufbahn auf den Zaun erbeten.

"Ich hatte ja ein bisschen Angst, dass die das Stadion abbauen", gestand Tedesco später. "Da musste ich rauf."

Tedesco auf dem Zaun: "Das wollen die Menschen sehen"

Den Moment, da er sich als König der Nordkurve fühlen durfte, empfand er dann aber doch als "Privileg". Tedesco schnappte sich ein Mikrofon und gab den Einheizer. Königsblau feierte den ersten Derbysieg seit vier Jahren.

"Domenico ist ein Emotionsbündel durch und durch. Der soll das ausleben", sagte Manager Christian Heidel bei Sky. "Das wollen die Menschen hier sehen."

Trainer-Legende Huub Stevens hatte ja bereits vor dem Derby befunden, Tedesco sei "endlich wieder ein Trainer, der den Klub mit jeder Faser lebt".

So mitten unter den Fans muss dem Coach eine ungefähre Vorstellung davon bekommen haben, wie es sich für Schalker anfühlt, als Gewinner aus dem wichtigsten aller Fußballspiele im Ruhrgebiet hervorzugehen.

Durch dieses 2:0 gegen Borussia Dortmund ist ein Champions-League-Platz für die kommende Saison fast sicher. 

Schalke fit für die Champions League

Acht Punkte beträgt der Vorsprung auf Platz fünf, bei noch vier ausstehenden Spielen. Da müssten sämtliche Vier-Minuten-Dramen dieser Welt zusammen kommen, dass S04 nächstes Jahr nicht in der Königsklasse mitspielen darf.

Tedesco hat aus einer konzeptlosen Mittelfeld-Mannschaft binnen eines Jahres einen potentiellen Teilnehmer von auf Europas Top-Wettbewerb gemacht.

"Er hat alles das umgesetzt, was wir vor der Saison besprochen haben", lobte Boss Heidel. "Dass wir hier eine Mannschaft entwickeln wollen. Da kann ich nur den Hut ziehen."

Heidel war mit der Verpflichtung des jungen Trainers ein hohes Risiko eingegangen. Tedesco ist erst 32. Als er im Sommer auf Schalke anfing, brachte er die Erfahrung aus einem Vierteljahr Zweitliga-Abstiegskampf bei Erzgebirge Aue mit.

Heidel setzte dennoch auf ihn – und seitdem zahlt Tedesco das Vertrauen mit Erfolg zurück.

Dank Tedesco: Naldo wieder in Top-Form

Schalke spielt nicht immer schönen Fußball. Doch der Trainer hat ein Kollektiv geschaffen, das funktioniert und in dem altgediente Spieler wieder zu Top-Niveau zurückgefunden haben.

Naldo ist das beste Beispiel. Der Brasilianer verteidigte gegen Dortmund erneut überragend und erzielte bereits seinen siebten Saisontreffer.

Sein Freistoßgeschoss zum 2:0, das mit mehr als 110 km/h einschlug, steht symbolisch für die Leistungsexplosion, zu der Tedesco seinem Abwehrchef verholfen hat.

Und dann hat der Trainer ja noch ein besonders gutes Gespür bei Personalentscheidungen.

"Noch lange nicht am Ende"

Den Ukrainer Yevhen Konoplyanka hatte er gegen den BVB überraschend für die Startelf nominiert. Dass der flinke Stürmer Schalkes Führung erzielte, passte zu Tedescos Derby-Erfolgsgeschichte an diesem Nachmittag.

Wobei das mit dem Erfolg nicht zwingend auf das Derby begrenzt bleiben muss.

"Ich habe das Gefühl, wir sind noch nicht am Ende", sagte Christian Heidel. Er meinte Tedescos Aufstieg, die Entwicklung der Mannschaft, die gesamte Saison.

Dieses Schalke 04 könnte tatsächlich Vize-Meister werden. Und nächste Saison wartet dann die Champions League…

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