Trotz Sieg gegen Bayern: Dardai fürchtet Standpauke
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Berlin - Hertha BSC fügt Niko Kovac die erste Pleite als Bayern-Trainer zu. Dann brechen im Olympiastadion alle Dämme. Trainer Pal Dardai gibt den Partybefehl aus.

Hertha BSC hat dank einer bärenstarken und cleveren Leistung einen Überraschungs-Coup gelandet und Titelverteidiger FC Bayern unter Trainer Niko Kovac die erste Bundesliga-Niederlage beigebracht. (Alle Ergebnisse im Überblick)

Die Berliner feierten einen etwas glücklichen, aber verdienten 2:0 (2:0)-Sieg und schlossen in der Tabelle zu Spitzenreiter Bayern auf. Werder Bremen, Borussia Dortmund und theoretisch auch Borussia Mönchengladbach können am Wochenende noch vorbeiziehen. 

Vedad Ibisevic per Strafstoß (23.) mit seinem vierten Saisontreffer und Ondrej Duda (44.) mit Saisontor Nummer fünf trafen für Hertha zum ersten Sieg über die Bayern seit 2009. Am Ende fehlte den Hauptstädtern ein Tor, um zumindest bis Samstag sogar die Tabellenführung zu übernehmen. (LIVETICKER zum Nachlesen)

Dardai gibt Partybefehl

Hertha-Trainer Pal Dardai war am Eurosport-Mikrofon völlig aus dem Häuschen: "Erstmal feiern wir dieses Wochenende, das ist geil! Aber dann wird wieder hart gearbeitet, wir haben ein schweres Spiel in Mainz."

"In der ersten Halbzeit war es fast perfekt. Wir haben nicht nur gewonnen, wir haben verdient gewonnen. Es war eine individuell große Leistung von vielen Spielern", fügte Dardai hinzu.

"Wir waren spritzig und haben in den wichtigen Momenten die Tore gemacht", sagte der Ungar und lobte besonders das Verhalten seiner Spieler bei Ballbesitz: "So damit gegen die Bayern umzugehen, ist die Kunst gewesen."

Per Skjelbred war regelrecht fassungslos: "Ich habe lange gewartet auf einen Sieg gegen Bayern. Es fühlt sich etwas komisch an. Da guckt man zur Anzeigetafel hoch und denkt sich: 2:0 gegen Bayern München?! Immerhin habe ich im Duell mit ihnen auch schon einmal 2:9 (mit dem HSV) verloren. Doch jetzt kann ich endlich sagen, dass ich sie geschlagen habe."

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Neuer: "Kleinigkeiten haben gefehlt"

"Wir waren in der ersten Halbzeit nicht ganz so präsent wie in der zweiten. Da haben Kleinigkeiten gefehlt, und das macht den Unterschied", sagte Münchens Kapitän Manuel Neuer nach dem Abpfiff. "Nach der Pause brauchen wir uns keinen Vorwurf machen."

Trotziger Kovac droht Bundesliga: "Dann sieht es anders aus!"

"Die Chancenverwertung ist ein großes Thema. Wir müssen die Dinger rein machen, das hat wieder gefehlt." Mögliche Unruhe im Umfeld fürchtet der Nationaltorwart nicht: "Wir kennen das Geschäft und bleiben ruhig."

Bayern seit zwei Spielen ohne Sieg

Nach nunmehr zwei Liga-Spielen ohne Sieg erleben hingegen die Bayern unter Kovac ihre erste schwierige Phase und gehen etwas angeschlagen in das Heimspiel der Champions League am Dienstag gegen Ajax Amsterdam.

Zwei Spiele in Folge ohne Sieg hatte es für den Rekordmeister in der Bundesliga zuletzt vor einem Jahr im September 2017 gegeben.

Die 74.669 Zuschauer im ausverkauften Berliner Olympiastadion erlebten von Beginn an eine äußerst intensive Partie mit zwei hochkonzentrierten Teams. Kovac setzte wieder auf seine Stammkräfte Robert Lewandowski, Arjen Robben und Franck Ribery.

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Auch Jerome Boateng war von Beginn an dabei und hatte per Kopfball die erste Chance (14.). Hertha hielt mit spielerischen Mitteln dagegen und sorgte vor allem auf der rechten Seite mit Valentino Lazaro für sehenswerte Szenen.

Boateng verschuldet Elfmeter

Eine Flanke aus dem rechten Halbfeld von Duda leitete auch die Führung ein: Neuer konnte den Kopfball von Ibisevic noch abwehren, im Nachsetzen holte Boateng aber Salomon Kalou völlig unnötig von den Beinen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Ibisevic sicher zum 1:0.

Kurios: In allen vorherigen Spielen der neuen Saison hatte Hertha jeweils einen Strafstoß verursacht.

Bayern drängte wütend auf den Ausgleich. Ribery suchte über links immer wieder die Eins-gegen-eins-Situationen, seine Bälle fanden aber nur selten Lewandowski und Robben in der Mitte.

Nach einem Schuss von Joshua Kimmich aus kurzer Distanz stand Ribery zum Ärger des Bayern-Verteidigers im Weg. Kurz vor der Pause zog Robben den Ball noch knapp übers Tor. 

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Duda unter die Latte

Hertha sammelte Kraft und startete kurz vor der Pause nochmal zur Attacke - wieder über rechts: Lazaro sprintete bis zur Torlinie durch, legte zurück auf Duda, und der Slowake drosch den Ball unhaltbar für Neuer in die Maschen.

Bayerns Trainer Niko und Robert Kovac steckten ratsuchend die Köpfe zusammen, der Pausenpfiff ging im Jubel der freudetrunkenen Berliner Fans unter.

In der zweiten Halbzeit wurde der Druck der Bayern noch größer. Thomas Müller (52.) kam für Robben, bei Hertha tauschte Dardai mit Davie Selke für Ibisevic den Stürmer aus.

Mit Serge Gnabry (62.) für den wenig überzeugenden Renato Sanches erhoffte sich Kovac mehr Druck, doch Hertha machte weiterhin die Außen dicht und behielt im Zentrum kühlen Kopf. Es spielten zwar nur noch die Bayern, doch im Abschluss fehlten den Münchnern die Übersicht und das Glück.

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