Kimmich wieder Sechser: "Gefreut wie ein kleines Kind"
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München - Joshua Kimmich darf in der Nationalmannschaft neuerdings auf seiner Lieblingsposition ran. Bei Bayern stellt sich die Situation allerdings anders dar.

März 2016, Signal-Iduna-Park in Dortmund. Pep Guardiola brüllte. Er fuchtelte. Er packte zu. Sein Opfer: Joshua Kimmich. Dabei hatte der damals 21-Jährige gegen den BVB auf ungewohnter Position im Zentrum der Viererkette eine herausragende Leistung gezeigt.

"Ich habe ihm gesagt, dass er einer der besten Innenverteidiger der Welt ist. Aber nicht nur das, er kann überall spielen", klärte Guardiola später mit einem Schmunzeln auf.

Natürlich nur die halbe Wahrheit. Und doch hat Kimmich seit jenem Tag immer wieder eines bewiesen: Die von seinem Ex-Trainer propagierte Polyvalenz auf dem Platz.

Kimmich auch bei Bayern auf der Sechs?

Nachdem Bundestrainer Joachim Löw Kimmich als wohl markantestes Merkmal seines "Umbruchs light" nun im DFB-Team auf die Sechserposition beorderte, drängt sich die Frage auf, ob dieser auch bei den Münchnern dahin zurückkehrt, wo er schon bei RB Leipzig agiert hatte.

Ins Zentrum des Geschehens, als Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld. Dorthin, wo er sich selbst am liebsten sieht.

"Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mal wieder auf der Sechserposition ran durfte", sagte Kimmich im Anschluss an die Partie gegen Frankreich. Thomas Müller war sich sicher, "dass das für Josh ein Tag ist, als wenn Ostern und Weihnachten zusammenfallen."

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Kimmich stellt keine Asprüche

Derartige Feste wird er in München aller Voraussicht nach erst einmal nicht feiern können. Beim FC Bayern wird der 23-Jährige unter Niko Kovac wieder auf die rechte Abwehrseite zurückkehren müssen.

"Nee, ich werde von meiner Seite nicht das Gespräch suchen", sagte der Schwabe am Sonntag, nachdem er gegen Peru abermals auf der Sechs gespielt hatte. "Ich gehe davon aus, dass ich bei Bayern wieder rechts verteidigen werde. Und wenn man mich auf einer anderen Position braucht, spiele ich auf einer anderen Position."

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Alternativen für Kimmich fehlen

Allerdings liegt genau dort sein Problem: Gebraucht wird er in erster Linie auf seiner angestammten Position rechts hinten.

Der Brasilianer Rafinha ist zwar durchaus ein solider Backup, allerdings ist er nach dem Verkauf von Juan Bernat an PSG auch erste Alternative auf der linken Seite für David Alaba.

Auch eine "Ochsenabwehr" mit vier Innenverteidigern wie zuletzt beim DFB-Team ist bei Bayern kein Thema.

Bei Bayern wenig Platz auf der Sechs

Ganz anders stellt sich die Lage auf der von Kimmich so geliebten Sechser-Position dar. Trotz der Verkäufe von Arturo Vidal und Sebastian Rudy hat Kovac hier qualitativ und quantitativ ansprechende Möglichkeiten.

Bislang variiert er zwischen den beiden Spaniern Javi Martinez, der eine starke Vorbereitung absolvierte, und dem spielstärkeren Thiago, der die Sechserrolle als "eine großartige für mich" bezeichnet.

Dazu lechzen dahinter Weltmeister Corentin Tolisso und Renato Sanches nach Einsatzminuten.

Geballte Konkurrenz in der Zentrale, wenige Alternativen auf der rechten Seite. Die Voraussetzungen für Kimmich, schon bald als Schaltzentrale im Münchner Mittelfeld zu agieren, sind derzeit nicht die besten.

Thiago (l.) und Tolisso streiten sich um Einsatzminuten im Mittelfeld des FC Bayern
Thiago (l.) und Tolisso streiten sich um Einsatzminuten im Mittelfeld des FC Bayern © Getty Images

Pavard als Lösung?

Ob sich das in der Zukunft ändern könnte, wird auch von der Transferpolitik der Bayern abhängen. Mit Benjamin Pavard wird ein neuer Mann für die Defensive hoch gehandelt.

Zwar ist der 22-Jährige gelernter Innenverteidiger und wird auch beim VfB Stuttgart auf dieser Position eingesetzt, wurde aber als Rechtsverteidiger Weltmeister mit Frankreich in Russland.

Ob er am Ende Kimmich den Wechsel ins Mittelfeld ermöglicht? Wie auch immer sich diese Personalie entwickelt, Niklas Süle ist sich sicher, dass es bei den Bayern immer einen Platz für Kimmich geben wird. Ganz egal wo.

"Jo kannst du überall hinstellen", sagte Süle am Sonntagabend in Sinsheim. "Vielleicht nur nicht in den Sturm, da ist er vielleicht ein kleines Stückchen zu langsam."

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