Favre schwärmt von Super-Stürmer Alcacer
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Borussia Dortmund euphorisiert auch beim 4:3 gegen Augsburg. Was ist möglich für den runderneuerten BVB? SPORT1 beleuchtet das Team.

Die Spieler von Borussia Dortmund tanzten ausgelassen und die Südtribüne bebte. Mittendrin im Pulk Mario Götze, von Trainer Lucien Favre lange auf Eis gelegt und nun als Torschütze mitbeteiligt an diesem denkwürdigen 4:3 gegen Augsburg.

Die Szenen ließen Erinnerungen aufsteigen. An den Last-Minute-Wahnsinn von 2013 im Viertelfinale der Champions League gegen Malaga. Oder an die Meistersaison 2011, als sich die Borussia immer mehr in einen Rausch spielte.

Allerdings hatte es vor ziemlich genau einem Jahr nach einem 6:1 gegen Gladbach ebenfalls ähnliche Szenen gegeben: Der BVB lag auf Platz 1, hatte sogar noch zwei Punkte mehr auf dem Konto - und wurde als ernsthafter Bayern-Konkurrent gesehen.

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Ist der neue BVB jetzt weiter - und nach dem erheblichen Umbruch im Sommer dieses Mal reif für den Titel?

SPORT1 beleuchtet Mannschaft und Umfeld.

- Bürki ist endlich ein Rückhalt

Roman Bürki stand im Vorjahr wie seine Vorderleute heftig in der Kritik. In dieser Saison hält der Schweizer bislang tadellos. An den drei Gegentoren gegen Augsburg traf Bürki keine Schuld. Der 27-Jährige hat schon zahlreiche Großchancen vereitelt und erlaubt sich keine Patzer. Vielmehr strahlt Bürki Ruhe aus, die auch seinen jungen Vorderleuten gut tut.

- Der "Kinder-Riegel" wackelt manchmal noch

Die Abwehr ist noch ein wenig Dortmunds Achillesferse. In den sieben Ligaspielen kassierte der BVB acht Gegentore. Bis auf die routinierten Außenverteidiger Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer setzt Favre auf den "Kinder-Riegel" mit Achraf Hakimi (19), Manuel Akanji (23), Dan-Axel Zagadou (19) und Abdou Diallo (22).

Da bleiben Fehler und Leistungsschwankungen nicht aus. "Der BVB spielt zum Teil schon Kinderfußball mit seiner jungen Abwehr", befand Marcel Reif im CHECK24 Doppelpass.

Favre schwärmt von Super-Stürmer Alcacer

Insbesondere Akanji agiert aber schon recht reif. Zudem begeistert Hakimi mit Vorstößen und Tor-Vorbereitungen.

- Witsel ist Dortmunds Königstransfer

Axel Witsel lässt sich mit Fug und Recht als Dortmunder Königstransfer einstufen. Der belgische WM-Dritte hebt das Spiel auf ein anderes Niveau. Witsel ist der nötige Stabilisator für die junge Mannschaft. Sehenswert war gegen Augsburg seine Balleroberung und das schnelle Umschaltspiel vor dem 1:1-Ausgleich. Auch Neuzugang Thomas Delaney verrichtet wichtige Dienste im defensiven Mittelfeld. Hinzu kommen Julian Weigl und Mahmoud Dahoud, dem aber zu häufig noch einfache Abspielfehler unterlaufen.

- Reus und die jungen Wilden als Prunkstück

Dortmunds Offensivwirbel ist in seiner Flexibilität und Kreativität kaum zu bändigen. Kapitän Marco Reus darf endlich auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld nach Belieben schalten und walten. Auf den Außenpositionen bringen Jadon Sancho und Christian Pulisic die Gegner mit ihrer Schnelligkeit schier zur Verzweiflung. Mit Jakob Bruun Larsen und Marius Wolf stehen Favre weitere Spieler zur Verfügung, die sich ebenfalls in guter Verfassung präsentieren.

Und jetzt trifft auch noch Götze. Erstmals kam Deutschlands WM-Held von 2014 in dieser Saison überhaupt in der Liga zum Einsatz, wurde in der 77. Minute eingewechselt und markierte nur sieben Minuten später das 3:2.

- Alcacer als neuer Torgarant

Dortmund hat endlich wieder einen echten Mittelstürmer. Paco Alcacer überbietet derzeit jegliche Superlative. In drei Kurzeinsätzen in der Liga traf die Leihgabe des FC Barcelona nun schon sechsmal, schnürte gegen Augsburg einen Dreierpack und brachte das Stadion mit seinem Tor zum 4:3 in der fünften Minute der Nachspielzeit zum Erbeben.

Alcacer ist nicht nur Dortmunds neue Torgarantie, sondern macht auch seine Mitspieler besser. Die wirbelnde Offensive hat mit dem Spanier einen Fixpunkt und eine ständige Anspielstation.

- Favre funktioniert prächtig

Was Lucien Favre im Moment anfasst, wird zu Gold. Bereits 12 Jokertore hat der BVB in dieser Saison in Liga, Pokal und Champions League erzielt. In der Offensive ist die Handschrift von Favre, der Spielzüge akribisch einstudieren lässt, schon nach wenigen Wochen zu erkennen. Zwar hat der Schweizer die in der vergangenen Saison teils vogelwilde Abwehr etwas stabilisiert, dort muss sich die Borussia aber noch steigern.

- Auch Kehl hat seinen Anteil

Die Stimmung innerhalb der Mannschaft könnte nicht besser sein. Das ist natürlich auch den jüngsten Erfolgen zu verdanken. Doch auch Sebastian Kehl trägt als neuer Leiter der Lizenzspielerabteilung einen Verdienst an der Entwicklung der Mannschaft. Undiszipliniertes Verhalten etwa – wie in der Vergangenheit durch Pierre-Emerick Aubameyang oder den streikenden Ousmane Dembele praktiziert – wird von Kehl nicht toleriert.

- Madrid und Bayern als Gradmesser

Ein Zittersieg im Pokal, zwei Siege in Europas Königsklasse, dazu zwei Remis und fünf Siege in der Liga: Die Bilanz unter dem weiterhin ungeschlagenen Favre könnte kaum besser sein. Nach noch unsicherem Saisonbeginn spielt der BVB inzwischen wie entfesselt, bäumt sich zudem nach Rückständen erfolgreich auf.

Festzuhalten bleibt aber auch: die ganz großen Gegner stehen noch aus. "Vielleicht ist Platz eins jetzt etwas zu früh. Es sollte nicht überdecken, dass da noch genug Arbeit ist", sagte Reif.

Weitere Aufschlüsse über das Leistungsvermögen der Mannschaft werden das nächste Spiel in der Champions League Ende Oktober gegen Europa-League-Sieger Atletico Madrid und das Heimspiel in der Bundesliga am 10. November gegen den FC Bayern geben.

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