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München - Vor dem Derby gegen Schalke spricht Schauspieler und BVB-Fan Wotan Wilke Möhring über den Dortmunder Höhenflug und den Vorteil gegenüber dem FC Bayern.

Echte Liebe - für die Arbeit vor der Kamera und Borussia Dortmund. Für Wotan Wilke Möhring ist beides pure Leidenschaft.

Der 51-Jährige ist einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands. Unter anderem spielt er die Rolle des Hamburger Tatort-Kommissars. Nebenbei ist Möhring Fan vom BVB.

Vor dem Revierderby bei Schalke 04 (Sa., ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) spricht er im SPORT1-Interview über seine Liebe zur Borussia, den Erzrivalen und den schwächelnden FC Bayern

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SPORT1: Herr Möhring, sind sie schon in Derby-Stimmung?

Wotan Wilke Möhring: Ich bin schon aufgeregt vor dem Auswärtsspiel in Schalkes Turnhalle. Es geht um die Herrschaft im Revier. Damit kann man eine Saison rumreißen. Aber das hat der BVB in dieser Saison ja gar nicht nötig.

SPORT1: Haben Sie erwartet, dass Dortmund die Liga so souverän beherrschen würde?

Möhring: Ich habe das ein bisschen gehofft. Favre war schon lange im Gespräch und ich glaube, auch die Neueinkäufe wurden vorab schon mit ihm abgesprochen. Es ist fast eine neue Mannschaft. Wir haben 15 verschiedene Torschützen, was auch nicht jede Spitzenmannschaft von sich behaupten kann. Und mit Paco Alcacer den perfekten Einwechselspieler. Das ist auch das Händchen von Favre. Er scheint da ganz viel richtig zu machen.

SPORT1: Ist Favre nach Klopp der perfekte Trainer für den BVB?

Möhring: Ich glaube, er ist der perfekte Trainer für den aktuellen Abschnitt. Ich weiß aus seinem Umfeld, dass er wirklich fußballverrückt ist. Favre hat eine Weitsicht, ist in der Liga sehr erfahren und ist eine Instanz, zu der junge Spieler aufschauen. Die jungen Profis kommen alle lieber nach Dortmund als zu anderen größeren Vereinen.

SPORT1: Was macht das Spiel der Mannschaft aus?

Möhring: Der Glaube an sich ist beim neuen BVB das Entscheidende. Wir waren in der vergangenen Saison auch nicht schlecht, wir waren nur psychologisch am Boden. Jetzt ist dieses Selbstbewusstsein da. Der BVB hat sogar ein kleines Punktepolster. In der Rückrunde sind wir die Gejagten. 

SPORT1: Ist der BVB reif für den Titel?

Möhring: Auf jeden Fall. Das hat man in den entscheidenden Duellen bisher gesehen. Die Bayern machen ihr bestes Spiel gegen uns und verlieren trotzdem. Das hatte schon etwas von einer kleinen Vorentscheidung. Aber für die Rückrunde wird sich der eine oder andere Verein verstärken, da muss der BVB aufpassen.

SPORT1: Im Gegensatz zum FC Bayern hat beim BVB der Umbruch funktioniert. Was ist der Grund dafür?

Möhring: Was uns vor allem unterscheidet, ist die Klub-Spitze. Die Bayern machen an Kommunikation und Pressearbeit in dieser Saison alles falsch, was man nur falsch machen kann. Beim BVB gibt es kein vernageltes Dreigestirn wie bei Bayern, das sich wichtig nimmt und an dem man als Trainer nicht vorbeikommt.

SPORT1: Sie spielen auf den Einfluss von Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic an. Was macht der BVB in dieser Hinsicht besser?

Möhring: Ich glaube, dass die Rückkehr von Matthias Sammer wichtig war. Da gibt es eine transparente Kommunikation. Es gibt keinen, der im Hintergrund gegen den Trainer stichelt oder ähnliches. Diese innere Ruhe, die man hat, weil alles neu ist, auch etwas in die Hose gehen kann und man auch experimentieren darf, hat Kraft und Selbstvertrauen gegeben. 

SPORT1: Also alles der Verdienst von Sammer und Sebastian Kehl? 

Möhring: Sammer hat fast eine philosophische Tendenz für das große Ganze. Und Kehl, den ich als Spieler schon sehr geschätzt habe, kennt die Abläufe in Dortmund und zum Teil auch noch die Mannschaft. Das war ein toller Coup mit den beiden.

SPORT1: Kritiker behaupten, Sportdirektor Michael Zorc sei dadurch entmachtet worden. Wie stehen Sie dazu?

Möhring: Die Flexibilität, die Zorc und Hans-Joachim Watzke bewiesen haben, kann man nach so vielen Jahren gar nicht hoch genug bewerten. Da entsteht kein Gutsherren-Gehabe wie in vielen anderen Vereinen. Der Fußball ist so schnell und modern und wenn man sich da als beratungsresistent hinstellt, dann ist das der Anfang vom Ende. Wenn man Sorgen und Nöte hat, ist es das Normalste der Welt, dass man sich bei anderen Menschen Rat holt, die eine andere Perspektive haben.

SPORT1: Sie als Schauspieler: Haben Sie bei der Pressekonferenz der Bayern-Bosse eigentlich schmunzeln müssen?

Möhring: Schon. Die Bosse haben sich nicht mal untereinander abgesprochen. Wenn man die Würde des Menschen zitiert und vom Grundgesetz redet, muss man sich an sein eigenes Programm halten. Dass sich die Vereinsspitze in zehn Minuten selbst zerlegt, das war schon fast entwürdigend.

SPORT1: Warum bleiben die Schalker in dieser Saison bislang deutlich hinter den Erwartungen?

Möhring: Man war Vizemeister und dann wurde davon geredet, dass man angreift. Aber immer, wenn in der Vergangenheit solche Ansagen gemacht wurden, wurde da nichts draus. Sie machen das mit Domenico Tedesco inzwischen schon viel besser. Früher waren die Parolen der Vereinsspitze viel schlimmer. 

SPORT1: Schalkes Sportvorstand Christian Heidel sagte, er sei noch nicht so weit, mit Bewunderung nach Dortmund zu schauen.

Möhring: Das nehme ich ihm nicht übel. Heidel muss die Leistung des BVB jeden Tag, wenn er auf die Tabelle schaut, mit Bewunderung anerkennen. 

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