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München - Der FC Bayern findet bei Hannover 96 zu einer neuen Selbstverständlichkeit. Alaba und Thiago zaubern, Niko Kovac sieht die Trendwende vollzogen.

David Alaba hatte so ein Gefühl entwickelt. Relativ zeitig in diesem Spiel.

"Ich habe gleich gespürt, dass es läuft", sagte Bayerns Linksverteidiger, als er das 4:0 bei Hannover 96 analysierte. 

Dafür, dass es lief, hatte Alaba seinen Beitrag geleistet. In Minute 29 rauschte sein Dropkick-Schuss von der Strafraumkante in Richtung Winkel von Hannovers Tor. 

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Keeper Michael Esser streichelte den Ball noch mit seinen Fingerspitzen. Die sanfte Kontaktaufnahme konnte das 2:0 aber nicht verhindern - bei dem Geschoss, das Alaba dort abgegeben hatte. 

Alaba frohlockt: "Bock, in dieser Mannschaft zu spielen"

"Is' a bissl schnell gangen, würd' ich mal sagen", sagte der Österreicher später, als er grinsend vor Reportern stand. "Hab ihn nur wirklich gut getroffen. Dann ist er, glaube ich, schön ins Tor gegangen."

Sein Traumtor war der eindrucksvollste szenische Beweis für die Rückkehr von Bayerns Spielfreude. 

Es sei Thema während der Halbzeit gewesen, bekundete Alaba, "dass es einfach Bock macht, in dieser Mannschaft zu spielen". Was das bedeuten muss, sah man auf dem Platz.

Niko Kovac lobte seine Mannschaft nach Abpfiff fast überschwänglich. "Das 4:0 ist eigentlich noch zu wenig", sagte er. "Wir haben noch drei, vier Hundertprozentige sitzen lassen." Der Trainer sah an diesem kalten Winternachmittag in Hannover "mit die beste Leistung in dieser Saison".

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Das hatte gewiss auch mit seiner Aufstellung zu tun. Nach drei Spielen hatte Kovac mal wieder seine Startelf verändert.

Thiago überragt für FC Bayern

Für den unpässlichen Franck Ribery stürmte Kingsley Coman am linken Flügel. Mats Hummels durfte nach knapp einem Monat mal wieder als Innenverteidiger ran. Und nach seinem starken Joker-Auftritt in Amsterdam durfte Thiago diesmal die vollen 90 Minuten als Spielmacher wirbeln.

Gerade letzteres sollte sich als Glücksgriff erweisen. Für den Spanier war es der erste Startelf-Einsatz nach seiner Sprunggelenksverletzung. Doch den meisterte er so, als wäre er nie weg gewesen. (Tabelle der Bundesliga)

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Kovac: "Bekommen die Kurve"

Thiago hatte 158 Ballkontakte, mit Abstand die meisten aller Akteure auf dem Platz. Jeder gefährliche Bayern-Angriff lief über ihn. 97 Prozent seiner Zuspiele fanden einen Mitspieler - eine herausragende Quote.

Thiago verkörperte das, wovon Alaba später sprach: "Wir hatten Freude am Fußball spielen."

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Dieses kollektive Gefühl machte sich auch in der Statistik bemerkbar. 32:3 Torschüsse konnten die Münchner am Ende für sich beanspruchen. Eine Zahl, die für Kovac ein Beleg dafür ist, "dass wir die Kurve bekommen".

Sportdirektor Hasan Salihamidzic freute sich besonders für Joshua Kimmich. Der Torschütze zum 1:0 hatte vor dem Spiel gegenüber seinen Kollegen einen Treffer angekündigt. Es vergingen gerade mal 65 Sekunden nach Anpfiff, ehe er sein Versprechen einlöste.

"Ich habe zu ihm gesagt: 'Ein Mann, ein Wort'", feixte Salihamidzic nach dem Spiel. 

Wenn es überhaupt etwas zu bemängeln gab bei diesem zu keiner Zeit gefährdeten Sieg, dann Bayerns Nachsicht vor des Gegners Tor. 

Chancenverwertung verbesserungswürdig

Sandro Wagner, in der Schlussphase eingewechselt, schaute nach Abpfiff fassungslos in Richtung seines Sturmpartners. Robert Lewandowski hatte ihn zweimal in aussichtsreicher Position außer Acht gelassen, und lieber selbst den Abschluss gesucht. Einmal schoss er drüber, einmal ans Außennetz. 

Mit jedem Mal winkte Wagner verzweifelter. Lewandowski schenkte ihm keine Beachtung. Er haderte vielmehr mit seinen Stollen. 

Wenn, dann waren sich die Bayern an diesem Bundesliga-Samstag selbst der größte Gegner. 96 kam für diese Rolle nicht infrage. 

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