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München - Marcel Reif traut Niko Kovac sich in seiner SPORT1-Kolumne eine erfolgreiche Karriere zu. Dass Franck Ribery beim FC Bayern aufhört, ist für ihn nicht sicher.

Hallo Fußball-Freunde,

der FC Bayern hat sich zum Ende der Hinrunde wieder gefangen. Niko Kovac hat die Mannschaft verstanden - und die Mannschaft hat Niko Kovac verstanden.

Ein Schlüssel für den Aufschwung ist, dass Kovac nicht beratungsresistent war. Er weiß, dass er noch etwas lernen muss. Wenn er stur an all seinen Prinzipien festgehalten hätte, wäre es schief gegangen.

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Aber Kovac hat im taktischen Bereich und im Umgang mit der Mannschaft einen großen Schritt gemacht. Er ist auf einem guten Weg, ein großer Trainer zu werden. Und auch die Mannschaft hat angesichts von zwischenzeitlich neun Punkten Rückstand auf Dortmund begriffen, was Sache ist. Da macht es selbst bei der größten Ich-AG mal Klick.

Nun steht eine kritische Phase bevor, weil alle wissen, dass die Bayern für ihren Umbruch neue Spieler brauchen. Da hängen andere Klubs gerne mal eine Null an eine mögliche Ablösesumme dran. Es geht vor allem darum, Spieler zu verpflichten, die ihnen sofort weiterhelfen. Zu hoffen, dass sich hinter Talenten wie Jadon Sancho ein Juwel verbirgt, dass sich so schnell durchsetzt - das können sie sich nicht leisten.

Alle sind sich darüber einig, dass Bayern den Umbruch braucht. Mit Franck Ribery ist es allerdings eine spannende Geschichte. Der Verein und der Spieler kennen sich so lange. Uli Hoeneß und er haben ein sehr spezielles Verhältnis.

Ribery muss selbst wissen, was noch möglich ist. Solche Spiele wie in Frankfurt werden sich mit längeren Pausen abwechseln. Wenn er das kapiert und wenn das ins Gefüge passt, dann spricht nichts dagegen, dass er seinen Vertrag verlängert. Dass Ribery jede Woche solche Spiele macht, ist schon rein biologisch nicht möglich.

Während der Bayernmotor lange gestottert hat, hat Borussia Dortmund eine hervorragende Hinrunde gespielt. Die Schwarzgelben sind aktuell so gut, weil sie aus einer anderen Position als der FC Bayern gestartet sind, nämlich als Jäger.

Sie hatten die richtige Überlegung, dass sie vieles ändern müssen. Sie mussten sich verjüngen, sind das Risiko auch eingegangen. Und dass man dann nicht sofort Deutscher Meister wird, kann man sich das in Dortmund erlauben. Sie haben sich mit dem Trainer richtig entschieden. Dass Lucien Favre junge Spieler besser machen kann, hat er über Jahre hinweg bewiesen.

Sie hatten bei den Transfers das glücklichste Händchen. Ich glaube nicht, dass es in Deutschland einen anderen Verein gibt, der jedes seiner Defizite so präzise getilgt hat mit Spielern wie Witsel, Delaney, Sancho, Bruun Larsen usw. Das hat alles Hand und Fuß und einen klaren Plan dahinter.

Zudem hat der BVB den wahrscheinlich besten "Neuzugang" der Liga: Marco Reus. Er ist gesund. Und wie er sich mit der Kapitänsbinde zur Führungsfigur auf und neben dem Platz gewickelt hat, ist faszinierend. Mit dieser Entwicklung hätte ich niemals gerechnet.

Dortmund hat in der Hinrunde zweimal richtig Haue gekriegt - gegen Düsseldorf und bei Atletico. Man hat das Gefühl, sie wachsen an solchen Rückschlägen. Andere junge Teams wären daran womöglich zerbrochen.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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