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Sinsheim - Leon Goretzka überzeugt gegen die TSG Hoffenheim als torgefährlicher Zehner. Damit eröffnet er Trainer Niko Kovac zusätzliche Möglichkeiten.

Am Freitag war Leon Goretzka nur einmal zur falschen Zeit am falschen Ort.

Während der Tross des FC Bayern nach dem 3:1-Sieg bei der TSG Hoffenheim bereits im Mannschaftsbus wartete, harrte der Doppeltorschütze am späten Abend noch bei der Dopingprobe aus. Erst rund eine Stunde später, um 23.50 Uhr, war dann auch Goretzka bereit zur Abreise nach München. Mehr als bereit hatte er sich zuvor für seine neue Rolle gezeigt.

Trainer Niko Kovac hatte den 23-Jährigen auf die Position des Spielmachers befördert. Nicht Thomas Müller, nicht James Rodriguez. Goretzka agierte zum Rückrunden-Auftakt hinter der einzigen Spitze Robert Lewandowski – und rechtfertigte das Vertrauen mit einer Glanzleistung.

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"Ich kann der Mannschaft da gut helfen. Im Verein weiß auch jeder, dass ich die Position gut bekleiden kann. Das war auch klar, als ich geholt wurde", analysierte Goretzka später cool.

Kovac mit Sonderlob für Goretzka

Für ihn selbst kam das Positions-Upgrade daher weniger überraschend. Der gebürtige Bochumer, dessen selbst ernannte Lieblingsposition die des Achters ist, wurde bereits in einigen geheimen Trainingseinheiten als Zehner getestet. Seine Laufstärke, die schnellen Wege in die Tiefe nach Ballgewinn, seine Abschlussstärke – all das ermutigte Kovac, Goretzka gegen Hoffenheim derart offensiv aufzubieten.

Vielleicht spielte aber auch die kühne Ansage des ablösefreien Neuzugangs aus Schalke im Wintertrainingslager in Doha eine Rolle. Bereits im Wüstenstaat machte Goretzka klar, dass er gerne auf der Zehn spielt.

So könne er sich mehr in die Offensive einschalten. Ohnehin habe er sich vorgenommen, in der "Rückrunde torgefährlicher zu werden und der Mannschaft nach vorne mehr geben zu können". Bereits am ersten Spieltag im neuen Kalenderjahr ging sein Vorsatz in Erfüllung.

Per Nachschuss und mit Hilfe des Hoffenheimers Kevin Vogt, der unglücklich abfälschte, traf er zum 1:0. Beim 2:0 grätschte er in eine langgezogene Hereingabe von David Alaba hinein und schob den Ball gekonnt mit der Innenseite an TSG-Torwart Oliver Baumann vorbei. Es war sein erster Doppelpack in der Bundesliga.

"Das erste Tor war ein bisschen glücklich, das zweite war ganz gut”, analysierte Goretzka diesen erneut cool. Lob gab es auch vom Cheftrainer: "Leon hat es besonders gut gemacht. Er ist schnell und enorm flexibel, sowohl offensiv, als auch defensiv."

Leon Goretzka erzielt das 2:0 gegen die TSG Hoffenheim
Leon Goretzka erzielt das 2:0 gegen die TSG Hoffenheim © Getty Images

Warum spielte James nicht?

Cool im Sinne von kühl erging es übrigens James Rodriguez. Der Kolumbianer, der eigentlich von Haus aus für die Zehner-Positionen geboren ist, unter Kovac bislang aber nur in Teilzeit arbeitet, musste am 18. Spieltag erneut zunächst auf der Bank Platz nehmen. Sichtlich unerfreut war die Leihgabe von Real Madrid darüber, über dessen Zukunft sich die Verantwortlichen des FC Bayern noch immer nicht entschieden haben. Kaufen sie den Edeltechniker bis Mitte Juni für 42 Millionen Euro oder nicht?

James' Zukunfts-Frage spielte in Hoffenheim aber erstmal keine Rolle, denn der Kolumbianer hatte in der Schlussphase einen wichtigen Job zu erledigen, als die Bayern nur 2:1 führten: Konter fahren. Dem Spiel Ruhe verleihen. "Tödliche" Pässe spielen.

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Deshalb brachte ihn Kovac eine Viertelstunde vor Schluss im eisigen Sinsheim. Zunächst einmal fiel er dadurch auf, dass er sich die Hose zuband, während die TSG einen Freistoß schnell ausführte. Dass das Spiel schon lief, bemerkte James erst Sekunden später.

Hellwach war er dafür wenige Momente später. Er leitete das 3:1 durch Lewandowski ein, indem er sich den Ball im Mittelfeld abholte und einen Traumpass auf den rechten Flügel zu Thomas Müller spielte. Dementsprechend teilte sich die Bayern-Elf auf. Die eine Hälfte beglückwünschte den Torschützen. Die andere James. Sportdirektor Hasan Salihamidzic betonte später im ZDF, dass man wisse, dass er "Weltklasse" sein könne. Jedoch mit dem entscheidenden Zusatz: "Wenn er in Form ist".

Müller: Man muss Kovac auch mal loben

Das trifft in jedem Fall auf Thomas Müller zu, der sich im 4-2-3-1-System auch zu den Zehner-Kandidaten dazugesellt. Müller trug in Doha im Grunde genommen nichts anderes als das Leibchen der A-Elf und trainierte in den öffentlichen Einheiten im Grunde nirgendwo anders als auf der Zehn – zeitgleich spielte sich Goretzka auf der Sechs ein.

Offensiv-Allrounder Müller wurde in Hoffenheim aber überraschend auf die rechte Außenbahn gezogen, Serge Gnabry blieb dafür auf der Bank. Was Müller tat? Räume schaffen, auf die Innenbahn ziehen, Bälle mit einem Kontakt weiterleiten. Den Gegner einfach verrückt machen. Lewandowski bekam dadurch Platz, konnte sich tief fallen lassen und sich zahlreiche Bälle im Mittelfeld abholen. Goretzka wiederum fand dadurch Räume, um in die Spitze zu ziehen. Alles sah nach einem Plan aus.

"Der Trainer hat das entschieden. Wenn es funktioniert, was der Trainer macht, muss man ihn auch mal loben", sagte Müller mit einem Lächeln, nachdem er seinen Zehner-Konkurrenten zuvor in höchsten Tönen lobte: "Seine Abschlüsse waren super. Der Leon weiß, wie er sich vor dem Tor zu verhalten hat."

Wie verhält es sich mit dem Zehner-Karussell des FC Bayern nun zukünftig? Sicher scheint, dass sich Kovac auf dieser Position nicht festlegen wird und vor allem danach aufstellen wird, was der Gegner an Möglichkeiten bietet.

Steht er tief? Presst er? Für jede Form scheint Kovac fortan verschiedene Möglichkeiten zu haben – Goretzka sei Dank.

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