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Beim Spiel in München setzt es für Sebastian Rudy die Höchststrafe - er wird in der ersten Hälfte ausgewechselt. Kommt Schalkes Königstransfer noch auf die Beine?

Es läuft erst die 33. Minute im Spiel des FC Bayern gegen Schalke 04, als die Anzeigetafel des vierten Offiziellen die erste Auswechslung ankündigt. Neben einer grünen Sechs erscheint eine rote 13. Für Schalkes Mittelfeldspieler Sebastian Rudy findet die Partie ein jähes Ende – es ist die Höchststrafe für den Ex-Münchner.

Der FC Schalke lag zum Zeitpunkt der Auswechslung mit 1:2 zurück. Den Königsblauen fehlte im Mittelfeldzentrum der Zugriff, um die Bayern-Angriffe frühzeitig zu unterbinden. S04-Trainer Domenico Tedesco sah sich gezwungen, zu handeln, und entschied sich für die Hereinnahme von Omar Mascarell – und gegen Rudy.

Tedesco: "Individualtaktische Entscheidung"

"Wir wollten einen aggressiveren Sechser auf dem Platz haben, das hat den Ausschlag gegeben", erklärte Tedesco nach dem Spiel. "Es war nicht so, dass Basti schlecht war, sondern eine individualtaktische Entscheidung. Wenn du in München früh in Rückstand gerätst, musst du so reagieren."

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Rudy, der Tedescos "individualtaktischer Entscheidung" zum Opfer fiel, reagierte sichtlich angefressen auf die frühe Auswechslung. Der 27-malige deutsche Nationalspieler verweigerte seinem Trainer nach dem Tausch den Handschlag und suchte den direkten Weg in die Katakomben.

Die Rückkehr an die alte Heimstätte hatte sich Rudy, der in der Saison 2017/18 25 Bundesligaspiele für den FC Bayern bestritten hatte, mit Sicherheit anders vorgestellt.

Heidel über Rudy: "Ist keine 18 Jahre alt"

"Der Junge ist keine 18 Jahre alt, der ist 28, der ist Profi", meinte Schalkes Manager Christian Heidel nach dem Abpfiff dazu. "Das ist anderen auch schon passiert. Da muss er durch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Trainer in dem Moment darauf achtet, in welchem Stadion wir hier spielen. Es geht darum, durch eine Auswechslung eine Verbesserung herbeizuführen."

Rudy wirkte bis zu seiner frühen Herausnahme wie ein Fremdkörper im Schalker Spiel. Der 28-Jährige schaffte es nicht, den Spielaufbau an sich zu reißen, nach 33 Minuten standen nur 20 Ballkontakte zu Buche, zudem spielte er drei Fehlpässe. In der Defensive ließ Rudy die nötige Aggressivität vermissen, bestritt lediglich drei Zweikämpfe, von denen er nur einen gewann.

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16 Millionen Euro hatte sich der FC Schalke die Dienste des Nationalspielers im Sommer kosten lassen – doch der Königstransfer entpuppt sich immer mehr als Missverständnis. Auf zwölf Bundesligaeinsätze bringt es Rudy für die Königsblauen, allerdings nur sechs davon über die volle Distanz. Der Mittelfeldspieler hat seine Rolle im Schalker System noch nicht gefunden. Nach meist überschaubaren Leistungen stellt sich die Frage: Findet er diese unter Tedesco überhaupt noch?

Heidel fordert "mehr Power"

"Er muss ganz einfach besser Fußball spielen. Ich unterstelle Sebastian nicht, dass er zu wenig Leidenschaft hat. Aber da muss ein bisschen mehr Power rein", forderte Heidel nach dem Bayern-Spiel und fügte an: "In München ist das mit 60 Prozent Ballbesitz etwas einfacher. Bei uns muss Sebastian sein Spiel umstellen, da muss ein bisschen mehr kommen."

Nicht nur Heidel erhofft sich von seinem Königstransfer mehr. Die Erwartungen an Rudy waren und sind riesig, als Nachfolger von Leon Goretzka sollte er der Taktgeber des Schalker Spiels sein.

Davon ist er weit entfernt – auch weil die Taktik von Schalke-Trainer Tedesco nicht zu seiner Spielweise passt. Rudys große Stärken - Spielübersicht, Passstärke und Ruhe am Ball - kommen am besten in einem auf Ballbesitz ausgerichteten System zu tragen. Ein System, das Schalke aktuell nicht praktiziert.

Rudy-Diskussion im Doppelpass

Auch die Expertenrunde des CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 diskutierte die schwierige Situation des Schalker Mittelfeldspielers am Sonntag. "Es gibt Transfers, die funktionieren, und es gibt Transfers, die funktionieren nicht. Das ist einer der unglücklichsten Transfers in dieser Saison. Es ist ein Missverständnis", sagte SPORT1-Experte Marcel Reif und fügte an: "Bei der WM war er eine stabile Figur. Jetzt findet er nicht statt."

Hamit Altintop, früherer Profi des FC Schalke und des FC Bayern, kritisierte derweil Tedescos Entscheidung, Rudy so früh aus dem Spiel zu nehmen: "Wenn er einen Stürmer reingebracht hätte, hätte ich gesagt: okay. Man wusste doch, dass man gegen München einen aggressiven Sechser braucht, dafür brauche ich keine 30 Minuten. Mit dieser Aktion hast du den Spieler verloren."

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