Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

Stuttgart - Mario Gomez glaubt nach seinem Platzverweis gegen Freiburg an eine Retourkutsche durch Deniz Aytekin. Die Bilanz des VfB Stuttgart ist historisch schlecht.

Nach dem Schlusspfiff war Markus Weinzierl nicht mehr zu halten. Wutentbrannt rannte der Trainer des VfB Stuttgart auf Schiedsrichter Deniz Aytekin zu und sagte im deutlich seine Meinung. "Ich habe nachgefragt, warum es eine so lange Nachspielzeit gab und warum der Mario die Gelb-Rote Karte gegeben hat. Der Platzverweis war für mich definitiv zu hart", sagte Weinzierl nach dem 2:2 (0:1) im brisanten schwäbisch-badischen Kellerduell gegen den SC Freiburg bei Sky.

Durch einen Last-Minute-Treffer von Florian Niederlechner (90.+4) hatte der VfB zuvor einen neuerlichen Rückschlag im Abstiegskampf erlitten. Die Schwaben hatten durch Tore von Emiliano Insua (75.) und Daniel Didavi (83.) 2:1 bis kurz vor Schluss geführt. Janik Haberer (4.) hatte den SC früh in Führung gebracht.

Gomez fliegt erstmals vom Platz

In der 89. Minute sah Gomez die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels. Der Stürmer hatte innerhalb von fünf Minuten zweimal die Ellbogen im Luftduell regelwidrig eingesetzt und sah damit den ersten Platzverweis seiner Profikarriere. Vor allem die zweite Gelbe Karte war strittig und für Weinzierl mitentscheidend für den verpassten Sieg.

Anzeige

ANZEIGE: Jetzt das Trikot vom VfB Stuttgart oder SC Freiburg bestellen - hier geht's zum Shop

Gomez ging in seiner Wut sogar noch weiter als sein Trainer. Nach dem Spiel stürmte er nach Informationen der Bild in die Schiedsrichter-Kabine und schleudert Deniz Aytekin seinen Vorwurf entgegen: "Ich habe ihm gesagt, dass er sich das Hinspiel gut gemerkt hat und gefragt, ob er da jetzt nur darauf gewartet hat.“

Der Hintergrund: Nach dem 2:2 im Hinspiel hatte Gomez Aytekin öffentlich kritisiert. Nun vermutete er die Retourkutsche.

Nach Aussage von Gomez blieb Aytekin ruhig und sachlich: "Er hat mir versichert, dass es vollkommen Wurst ist, was damals war. Er meinte, einmal wäre immer das erste Mal und wenn ich zwei Mal so hingehe, müsste ich damit rechnen, dass ich Rot kriege."

Gomez sieht dies komplett anders: "Ich habe drei Millionen solcher Zweikämpfe geführt. Wenn ich mal Gelb dafür kriege, ist es so. Aber in vier Minuten Gelb-Rot dafür zu geben, das muss man schon wollen. Ich war schockiert auf dem Platz."

VfB mit Negativrekord

Die Lage nach zuletzt vier Niederlagen und dem fünften sieglosen Spiel in Folge wird für den VfB immer prekärer, da der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz durch den Sieg des FC Augsburg sogar auf drei Punkte angewachsen ist. Weinzierl verpasste seinen vierten Sieg im 13. Spiel (neun Niederlagen). Magere 15 Punkte nach 20 Spieltagen bedeuten zudem die schlechteste Bilanz in der Vereinshistorie. Lediglich 16 Saisontore sind ebenso Minusrekord. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Ich bin froh, dass ich noch getroffen habe und wir einen verdienten Punkt mitnehmen. Wir haben eine tolle Moral", sagte Niederlechner nach der Partie bei Sky.

Meistgelesene Artikel

Pavard gibt Comeback - Gomez auf der Bank

Vor 50.000 Zuschauern erwischten die spielerisch besseren Gäste wie schon beim 3:3 im Hinspiel einen Start nach Maß. Auf Vorarbeit von Nationalspieler Nils Petersen ließ Haberer VfB-Torwart Ron-Robert Zieler mit einem platzierten Schuss keine Chance.

Weinzierl hatte in seiner Startformation erstmals wieder den lange verletzten Weltmeister Benjamin Pavard aufgeboten, dafür erneut auf Torjäger und Freiburg-Spezialist Mario Gomez verzichtet, der in seinen bisherigen zwölf Spielen gegen die Breisgauer zwölfmal getroffen hat. "Nach vorne brauchen wir noch mehr Wucht, Geradlinigkeit und Abschlüsse", begründete Weinzierl diese Maßnahme. (Service: Ergebnisse und Spielplan)

Doch diese Wucht ging dem VfB wie schon so oft in dieser Saison vor der Pause ab. Die dicht gestaffelte SC-Defensive hatte kaum Mühe, die meist einfallslosen Angriffsbemühungen der Schwaben abzuwehren. Die erste gute Chance hatte Winterzugang Alexander Esswein bei einem Konter. Freiburg wartete auf Fehler der Stuttgarter, um dann schnelle Gegenangriffe zu starten. Dies hätte in der 21. Minute fast zum 2:0 geführt, doch Lucas Höler traf in aussichtsreicher Position den Ball nicht richtig.

Freiburg verpasst 2:0

Nach der Pause reagierte Weinzierl und brachte für den schwachen Anastasios Donis Gomez. Der VfB hatte aber erst einmal Glück, dass es elf Sekunden nach Wiederbeginn nicht gleich 0:2 hieß. Der agile Höler verfehlte um Zentimeter das Tor. Kurz danach parierte Zieler gegen Vincenzo Grifo. (Service: Tabelle der Bundesliga)

Der VfB schaffte es kaum, Druck aufzubauen. Auch Gomez konnte sich wenig in Szene setzen. Die beste Chance hatte Nicolas Gonzalez (57.), ehe Insua nach einer Unachtsamtkeit der SC-Abwehr fast aus dem Nichts traf und Didavi nachlegte. Nach der Gelb-Roten Karte gegen Gomez warf Freiburg alles nach vorne und belohnte sich in der Nachspielzeit.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image