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München - Bayern bastelt am Luxus-Kader - und plötzlich stehen eigentliche Stammspieler auf der Kippe. SPORT1 analysiert die Folgen des Hernandez-Deals für Hummels und Boateng.

Als Joachim Löw vor drei Wochen unangemeldet an der Säbener Straße aufkreuzte und die Nationalspieler Mats Hummels (30), Jerome Boateng (30) und Thomas Müller (29) über seine Pläne in Kenntnis setzte, war der Aufschrei groß.

Umbruch schön und gut, aber wie konnte der Bundestrainer diese verdienten (und noch keineswegs alten) Fußballer einfach so aussortieren?

Nicht nur viele Bayern-Kollegen schlugen sich auf die Seite der Ausgestoßenen, auch Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic prangerten in einer gemeinsamen Pressemitteilung die "fragwürdigen Umstände" (sprich: den Zeitpunkt) an.

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Hoeneß hält sich zurück

Nur Uli Hoeneß blieb auffällig ruhig. Zunächst wollte er "noch einige Wochen durchhalten, bis unsere wichtigen Spiele vorbei sind. Dann wird es schon mal noch einen Kommentar geben." Nach dem 6:0-Sieg der Bayern gegen Mainz erklärte er den Journalisten dann aber, dass er die Angelegenheit mit Löw in einem Vier-Augen-Gespräch klären wolle. 

"Hätte ich gesagt, was ich denke, hätte das Internet erst einen Salto rückwärts und dann vorwärts gedreht. Das wollte ich mir ersparen - und Jogi Löw übrigens auch", erklärte Hoeneß am Freitag im Vereinsmagazin 51.

Was passiert mit Hummels und Boateng?

Eine Aussage, die durchblicken lässt, dass auch der mächtige Bayern-Präsident nicht nur lobende Worte für den Bundestrainer gefunden hätte. Möglicherweise bekommt er am Saisonende die Chance, es besser zu machen. Zu zeigen, wie man verdiente Spieler einigermaßen taktvoll aus dem Kader herauskomplimentiert. 

Blickt man nämlich auf den Umbruch, der mit der Verpflichtung von 80-Millionen-Euro-Mann Lucas Hernandez mächtig Fahrt aufgenommen hat, dann stellt sich zumindest bei Boateng und Hummels die Frage, wo da noch Platz sein soll im Luxus-Kader der Bayern.

Beide Spieler haben noch einen gültigen Vertrag bis 2021, fanden sich aber bereits in der laufenden Spielzeit öfter auf der Ersatzbank wieder, als ihnen lieb war.

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Boateng vor dem Abschied

Mit den Verpflichtungen von Hernandez und Benjamin Pavard wird es aber in der kommenden Saison vor allem in der zentralen Innenverteidigung so eng, dass zumindest einer der beiden Altvorderen das Weite suchen dürfte. Die Indizien sprechen dabei für einen Wechsel von Boateng, der bereits im vergangenen Sommer mit einer Luftveränderung Richtung Paris geliebäugelt hatte.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung steht sogar schon fest, dass der 30-Jährige gehen wird, lediglich sein Ziel sei noch offen.

Hummels gibt sich kämpferisch

Von Hummels, der sich in den vergangenen Monaten seinen Stammplatz zurück erkämpft hat, hört man derzeit noch kämpferische Töne. "Ich bin der Meinung, dass ich nicht vor vielen Konkurrenten auf meiner Position Angst haben muss. Und den sportlichen Wettkampf habe ich noch nie gescheut", sagte der frühere Dortmunder in der Sport Bild. Über einen Wechsel habe er sich deshalb noch keine Gedanken gemacht.

Doch auch für Hummels könnte es eng werden. Der 23 Jahre alte Niklas Süle hat sich durch konstant starke Leistungen zum Abwehrchef unter Trainer Niko Kovac aufgeschwungen und dürfte auch in der neuen Spielzeit gesetzt sein. Bliebe also nur noch eine Position in der Mitte frei, um die sich, zumindest nach aktuellem Stand, vier Weltmeister streiten - zwei von 2014 (Hummels, Boateng) und zwei von 2018 (Hernandez, Pavard).

Plant Kovac die Dreierkette?

Eine Möglichkeit, drei Innenverteidiger unter einen Hut zu bringen, wäre die Dreierkette - eine Option, die Kovac schon in Frankfurt im Repertoire hatte und auch zu Saisonbeginn in München testete. Mit Hernandez, Süle und Hummels oder Pavard könnte der Cheftrainer ein Abwehrtrio aufstellen, das auch gehobenen internationalen Ansprüchen genügen würde.

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