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München - Nach ihrer Ausbootung beim DFB dürfen Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller geschlossen beim FC Bayern ran. SPORT1 blickt auf die Darbietungen der Frust-Stars.

Mit dieser Entscheidung zeigte Niko Kovac Größe - und holte sich nach 161 Tagen die Tabellenführung in der Bundesliga zurück!

Nach der plötzlichen und für alle Beteiligten enttäuschenden Ausbootung von Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller aus der Nationalelf Anfang der Woche, ließ sie Kovac nur vier Tage später zusammen für den FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg (6:0) starten.

Diese Entscheidung ist insofern interessant, da die drei Ex-Nationalspieler erst zum dritten Mal in der laufenden Bundesliga-Saison zusammen von Beginn an spielten und man davon ausgehen konnte, dass Kovac seine Wunsch-Elf für das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions-League gegen den FC Liverpool testet – in welchem Müller rotgesperrt ist und voraussichtlich Niklas Süle neben Hummels spielt.

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Kovac betonte aber bereits vor dem Spiel, dass seine Entscheidung für die drei rein sportliche Gründe gehabt hätte. Auf SPORT1-Nachfrage schob Sportdirektor Hasan Salihamidzic hinterher: "Der Trainer wollte sie sowieso spielen lassen, weil es gute Spieler sind."

SPORT1 warf einen genauen Blick auf die Darbietungen der Frust-Stars!

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In der Innenverteidigung begann Hummels auf halblinks. In der Anfangsphase kaum gefordert, spielte er in der 22. Minute einen unnötigen Fehlpass. Danach drehte Hummels aber auf. (SERVICE: Die Tabelle der Bundesliga)

In der Luft gewann er fast jedes Duell, am Boden verhinderte eine perfekte Grätsche gegen Josuha Guilavogui eine Großchance für die Wölfe (32.). Insgesamt hatte er eine starke Zweikampfquote von 71 Prozent. Stark war auch sein Aufbauspiel.

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Hummels mit Instagram-Botschaft

Auffällig: Bei allen Toren stürmte Hummels schnellen Schrittes entweder zum Vorbereiter oder direkt zum Torschützen. Besonders mit Müller jubelte er ausgelassen. Sein Zeichen: Wir sind da, wir zeigen es euch!

Auch in der Offensive schaltete sich Hummels mit ein. Mal rutschte ein Schuss von ihm am Pfosten vorbei (45.), mal übersah ihn Robert Lewandowski (65.). Nach Spielende feierte er mit den Mitspielern in der Kurve, ehe er die Katakomben der Allianz Arena um 17.58 Uhr nahezu wortlos verließ – an der Seite von Müller.

Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen begründete er gegenüber ein paar Journalisten, warum er nichts sagen wollte: "Das wäre ja heute fatal." Wenig später postete er aber eine Botschaft auf Instagram. Unter einem Foto mit ihm und Müller kommentierte er "Iversonesque". Frau Cathy antwortete mit einem Herz und Müller mit "Thomats".

Was Hummels damit meint: 2004 endete die Nationalmannschafts-Karriere von NBA-Superstar Allen Iverson mit 29 Jahren ebenso abrupt wie die von Hummels. Bei Olympia in Athen hatten sich das "Dream Team" blamiert, unter anderem gegen Puerto Rico verloren und am Ende nur Bronze geholt. Iverson wurde nie mehr ins Nationalteam berufen, drehte in der NBA aber noch einmal auf. 2005/2006 legte er 33 Punkte im Schnitt auf - so viele wie nie in seiner Karriere.

Ebenfalls passend: Iversons Spitzname lautet "The Answer" - auch die passende Antwort auf Löws Entscheidung gaben die Bayern-Stars auf dem Platz. (SERVICE: Ergebnisse der Bundesliga)

Boateng als erster in die Kabine

Hummels-Pendant Boateng spielte ebenso solide, aber weniger auffällig. Bei Toren trottete er wie immer auffallend lässig und als Letzter zu den Jubelnden. In der 37. Minute pfiff er Joshua Kimmich zurück, weil sich dieser in den Angriff mit einschaltete, obwohl Rafinha das schon tat.

Boateng war auf Absicherung bedacht und tat mit 83 Prozent gewonnenen Zweikämpfen einiges dafür, dass hinten die Null stand.

Gekonnt leitete der 30-Jährige auch das 3:0 ein. Einen langen Ball der Wolfsburger fing er mit der Brust ab, spielte direkt auf Thiago weiter. Der bediente Torschütze James. Boatengs erster Gratulant: Hummels. Nach Abpfiff ging Boateng schnurstracks in die Kabine, verzichtete auf den Gang in die Fankurve und verlor auch später kein Wort mehr.

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Müller spielte stark

Müller wurde von Kovac auf die rechte Außenbahn befördert. Also dorthin, wo ihn sein Trainer eigentlich nicht sieht. Nichts zu sehen war von Müller auch in der Anfangsphase des Spiels nichts.

Ihm versprangen Bälle, er rannte sich fest, er haderte. Dann aber bereitete er mit einer Flanke das 1:0 durch Serge Gnabry (34.) vor – das 900. Tor in der Allianz Arena und Müllers neunter Liga-Assist. Fortan war es auch sein Spiel.

Der Ur-Bayer (seit 2000 im Verein) hatte immer wieder gute Läufe und Torchancen, ließ eine hundertprozentige Chance liegen (62.). Mehrere Male bediente er auch Lewandowski, ehe er auf Vorlage von Franck Ribery per flachem Direktschuss zum 4:0 traf (76.) – sein sechstes Saisontor.

Obendrein stellte Müller einen Bundesliga-Rekord auf: Er verlor nicht eines seiner 87 Bundesliga-Spiele in denen er traf (82 Siege, fünf Remis). Er verlor auch fast kein Wort nach Spielende, sagte im Vorbeigehen aber schelmisch: „Das war ein schöner Spieltag heute.”

Fazit: Der Kovac-Plan ging voll auf. Seine drei Frust-Stars hatten am Samstagnachmittag richtig Lust und empfahlen sich für weitere Startelfeinsätze – auch zu dritt. Schlusswort Salihamidzic: "Die Jungs haben die richtige Antwort eindrucksvoll auf dem Platz gegeben."

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