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Schalke 04 setzt Trainer Tedesco vor die Tür und beruft zwei Vereinsíkonen als dessen Nachfolger ein. Wie geht es jetzt weiter? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Domenico Tedesco ist auf Schalke Geschichte. Sportvorstand Jochen Schneider, der die Geschäfte erst vor kurzem von Christian Heidel übernommen hatte, gab am späten Donnerstagnachmittag die Entlassung des 33 Jahre alten Trainers bekannt.  

Die Trendwende sei "in der aktuellen personellen Konstellation nicht mehr möglich", befand Schneider. Mit Huub Stevens und Mike Büskens sollen zwei echte Schalke-Ikonen das Ruder herumreißen - zumindest kurzfristig.

Wie geht es jetzt auf Schalke weiter? Und wer könnte nach der Länderspielpause auf der Bank sitzen? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Warum war Tedesco nicht mehr zu halten?

0:7 in Manchester, vorher 2:4 bei Werder Bremen, 0:4 gegen Fortuna Düsseldorf und 0:3 beim FSV Mainz 05. Die Schalker Mannschaft wirkte zuletzt wahlweise heillos überfordert (Manchester), leblos (Düsseldorf), schlaff (Mainz) oder immerhin bemüht (Bremen). Angesichts dieser Negativspirale war klar, dass Tedesco auf Schalke keine Zukunft mehr haben würde. Der Schritt, den Trainer, der Schalke in der Vorsaison in ungeahnte Sphären geführt hatte, zu entlassen, war demnach konsequent.  

"Irgendwann ist bei uns das Wort Tiefpunkt verbraucht", gab sogar der junge Trainer zu. Spätestens am Dienstagabend, nach der Blamage in Manchester, musste auch Tedesco erkennen, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht.

"Wir haben lange gewartet bis zu dieser Entscheidung, die emotional sehr schwer war. Es tut mir auch sehr leid", sagte Schalkes mächtiger Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und fügte hinzu: "Gerade Jochen Schneider hat die Gesamtsituation sehr ruhig abgewogen. Wir sind mit der Entscheidung jetzt einverstanden, weil es so nicht mehr weitergehen kann."

Wie lief Tedescos Entlassung ab?   

Kurioserweise gingen die Königsblauen trotz der Rekordschlappe erst einmal zur Tagesordnung über. Als Tedesco am Donnerstagvormittag im Nieselregen das Training leitete, deutete alles darauf hin, dass der Coach gegen Leipzig wohl ein erneutes Endspiel bekommen würde. 

Wenige Stunden später teilte ihm Sportvorstand Jochen Schneider aber seine Entlassung mit. "Wir haben uns diese Entscheidung alles andere als leicht gemacht, denn Domenico Tedesco genießt eine große Wertschätzung auf Schalke", sagte der Schneider. "Allerdings dürfen wir nicht verkennen, dass die Entwicklung in dieser Saison unter dem Strich negativ ist."

Letztlich sei man "nach reiflicher Überlegung zu der Erkenntnis gekommen, dass diese (die Trendwende, d.R.) in der aktuellen personellen Konstellation nicht mehr möglich ist", erklärte Schneider. 

Für den früheren Schalke-Trainer Peter Neururer ist vor allem der Zeitpunkt von Tedescos Entlassung nicht nachzuvollziehen. "Ich kann ihn heute morgen nicht noch das Training machen lassen, um ihm abends mitzuteilen, dass er beurlaubt ist. Man hat Tedesco hingehalten. Das ist einfach nur Unsinn und nicht nachvollziehbar", sagte der SPORT1-Experte. "Die Art und Weise, wie es vonstatten gegangen ist, ist einfach nur unwürdig. So geht man mit keinem Menschen um."

Wie geht es kurzfristig weiter?

Mit Huub Stevens und Mike Büskens springen zwei echte Vereinsikonen ein - zumindest für ein Spiel. Der niederländische Coach und der Ex-Spieler werden das Team am Samstag gegen RB Leipzig betreuen. Mit dieser Konstellation erhofft sich die Vereinsführung, die völlig verunsicherte Mannschaft zu stabilisieren und den Druck auf das erfahrene Duo zu lenken.

Demnach werde Stevens "interimsmäßig als verantwortlicher Coach auf der Bank" sitzen, während Büskens die Position des Co-Trainers übernimmt. 

Stevens hatte die Königsblauen von 1996 bis 2002 und von 2011 bis 2012 trainiert. Aufgrund der großen Erfolge, wie den UEFA-Cup-Triumph 1997 und die DFB-Pokal-Siege 2001 und 2002, wählten die Fans den heute 65-Jährigen zum Schalker Jahrhunderttrainer. Büskens erwarb sich als Spieler große Meriten und gehörte zum Team der "Eurofighter" bei Stevens' erster Amtszeit. In seiner Trainerlaufbahn war der heute 50-Jährige von 2008 bis 2009 Co-Trainer auf Schalke und übernahm zweimal in Interimsfunktion das Amt des Cheftrainers: in den letzten sechs Spielen der Saison 2007/2008 und in den letzten neun Partien der Spielzeit 2008/2009.

Was passiert in der Länderspielpause?

Die Frage, wie lange die Interimslösung mit Stevens und Büskens angedacht ist, beantworten die Schalker nicht. Nach dem Spiel gegen RB Leipzig haben die Königsblauen zwei Wochen Zeit bis zur nächsten Aufgabe bei Hannover 96. Womöglich wartet man in Gelsenkirchen den Samstag ab, ehe man sich Gedanken über die Notwenigkeit einer weiteren Trainer-Rochade macht.

Neururer glaubt, dass die Knappen die Saison mit Stevens und Büskens über die Bühne bringen werden. "Ich gehe davon aus, dass es der Mike mit Unterstützung von Huub machen wird - und in dieser Konstellation bis zum Saisonende", sagte Neururer bei SPORT1.

Ganz abwegig ist diese These nicht, schließlich scheinen auf dem Trainermarkt aktuell kaum geeignete Kandidaten, die einem Traditionsverein wie Schalke aus der Patsche helfen könnten.  

Was wird jetzt aus Tedesco?

Nachdem er in seiner ersten Saison die Königsblauen sensationell zur Vize-Meisterschaft geführte hatte, erlebte der junge Coach zum ersten Mal seit seinem kometenhaften Aufstieg die Schattenseiten seines Berufs. Tedesco, der sich auch in der schlimmsten Krise vor seine Mannschaft stellte, musste nun erkennen, dass ihn zumindest Teile des Teams verraten haben. 

Sorgen machen muss man sich aber nicht um den immer noch blutjungen Übungsleiter. Tedesco wird seine Schlüsse aus der 20-monatigen Amtszeit auf Schalke ziehen und sich möglicherweise im Sommer eine neue Aufgabe suchen. Dass er vor allem taktisch alle Anlagen hat, auch eine Top-Mannschaft zu trainieren, hat er bewiesen.

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