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Oliver Mintzlaff freut sich auf Leipzigs Auftaktspiel gegen Union Berlin
Oliver Mintzlaff freut sich auf Leipzigs Auftaktspiel gegen Union Berlin © Getty Images
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Nürnberg - Die Spekulationen um einen Wechsel von Timo Werner zum FC Bayern nehmen Fahrt auf. Bei SPORT1 spricht Oliver Mintzlaff von RB Leipzig über die Gerüchte. Hier das Interview.

Zieht es Timo Werner womöglich schon im Sommer zum FC Bayern?

Der Nationalstürmer hat bei RB Leipzig aktuell einen Vertrag bis 2020, ein Angebot zur Verlängerung hat Werner bisher nicht angenommen. Sollte es dabei bleiben, droht Leipzig ein ablösefreier Abgang des 22-Jährigen.

Damit beschäftigt sich RB-Boss Oliver Mintzlaff nach eigener Aussage derzeit aber noch nicht. Er hofft trotz der Spekulationen um eine Ablösesumme im hohen zweistelligen Millionenbereich weiter auf einen Verbleib von Werner.

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"Wir haben gar keine Summe im Kopf, weil das, was wir im Kopf haben, ist die Vertragsverlängerung - und deswegen haben wir ihm ja ein tolles Angebot auf den Tisch gelegt", betont Mintzlaff im SPORT1-Interview.

Mintzlaff spricht über Werner und FC Bayern

Eine kolportierte Einigung zwischen Werner und dem Rekordmeister aus München verweist Mintzlaff ins Reich der Fabel.

"Ich weiß gar nicht, was der FC Bayern in der Causa Werner zu tun hat. Mit Timo können sie ja noch gar nicht gesprochen haben, weil der Spieler bei uns ist, einen Vertrag bei uns hat - und Bayern hält sich auch immer an alle FIFA-Regularien", erklärt der 43-Jährige.

Im SPORT1-Interview spricht Mintzlaff zudem über die angeblichen Überlegungen, Werner auf die Tribüne zu verbannen.

SPORT1: Herr Mintzlaff, zuletzt war zu lesen, der Berater von Timo Werner habe schon Einigkeit mit dem FC Bayern erzielt. Wie ist Ihr aktueller Stand in dieser Personalie?

Oliver Mintzlaff: Es wird immer viel geschrieben, die Zeitungen müssen gefüllt werden. Aber Fakt ist, dass Timo bei uns einen Vertrag hat bis 2020, dementsprechend gehen wir ganz entspannt mit der Situation um.

SPORT1: Ralf Rangnick hat gesagt, ein ablösefreier Wechsel von Timo Werner komme nicht infrage. Warum nicht?

Mintzlaff: Wir sind ein junger Verein und man muss sich auch mal die Entwicklung von Timo anschauen. Auch wenn immer von Abschied oder Abgang gesprochen wird: Wir wollen ja eigentlich mit ihm verlängern. Er hat ein Angebot vorliegen, schon seit längerem, und nimmt sich jetzt die Zeit, dass er in Ruhe nachdenken kann, ob er den Schritt mit uns weitergehen möchte, auch mit dem neuen Trainer Julian Nagelsmann. Ich glaube, dass wir sehr viel in die Waagschale legen können, nicht nur ein attraktiver Klub sind, sondern natürlich auch im nächsten Jahr den nächsten Schritt gehen wollen - und das auch gerne mit Timo Werner.

Timo Werner hätten damals ja viele andere Vereine auch holen können. Auch die kolportierten, die jetzt alle Interesse haben sollen, hätten ihn damals auch für eine überschaubare Ablösesumme vom VfB Stuttgart kaufen können. Das haben Ralf Rangnick und wir gemacht, weil wir gesehen haben, dass ganz, ganz viel Potenzial in dem Spieler steckt. Er ist bei uns zum Nationalspieler geworden und selbstverständlich bemühen wir uns auch, dass Timo bei uns bleibt. Daher führen wir jetzt erst mal unsere internen Gespräche - und wenn sich andere Vereine mit unseren Spielern beschäftigen, das beschäftigt uns erst mal nicht.

SPORT1: Finanziell hätte es natürlich Nachteile, den Spieler bis zum Ende der Vertragsdauer zu halten, aber Beispiele wie das von Robert Lewandowski in Dortmund haben auch gezeigt, dass das sportlich durchaus sinnvoll sein kann …

Mintzlaff: Grundsätzlich entsteht natürlich der Nachteil, dass man keine Ablöse bekommt. Das wäre für unseren Verein natürlich sehr schlecht, weil wir ein junger Verein sind und weiter wachsen wollen. Wir sind natürlich auch immer wieder darauf angewiesen, dass wir auch Transfers tätigen und nicht nur Spieler kaufen, so funktioniert das Fußballgeschäft auch bei RB Leipzig. Aber um bei Timo Werner zu bleiben: Die Frage stellt sich jetzt noch gar nicht, sondern jetzt stellt sich erst mal die Frage, ob er mit uns den Schritt weitergehen und verlängern möchte. Wenn nicht, dann werden wir uns zusammensetzen und dann bin ich mir sicher, dass wir eine Lösung finden werden, mit der beide Seiten gut leben können.

SPORT1: Gibt es eine Deadline, bis wann er sich entscheiden muss?

Mintzlaff: Ja, aber wir haben auch aus der Vergangenheit gelernt, dass wenn wir jetzt ein Datum sagen, und sich das dann um neun Tage verschiebt, dass wir dann neun Tage nichts anderes zu tun, als zu erklären, wann wir denn jetzt endlich die Entscheidung treffen oder bekanntgeben. Daher haben wir uns das abgewöhnt, dass wir ein klares Datum sagen. Was wir aber gesagt haben, ist, dass wir natürlich Klarheit haben wollen, wenn die Saison vorbei ist. Jetzt konzentrieren wir uns auf die wichtigen Spiele, die noch anstehen. Wir wollen unbedingt in die Champions League. Ich will unbedingt, dass Timo Werner wieder fit und gesund wird, er ist nämlich immer noch leicht erkältet und deshalb auch heute nicht bei uns und nicht im Kader. Alles andere werden wir sicherlich dann lösen, sodass Timo zufrieden ist und auch wir zufrieden sind.

SPORT1: Sollte es zu einem Transfer kommen, erscheint eine Ablöse zwischen 50 und 60 Millionen Euro realistisch. Könnte Timo Werner zum neuen Bundesliga-Rekordtransfer werden?

Mintzlaff: All das, was kolportiert wurde, dient sicherlich auch dazu, diese Geschichte jeden Tag wieder weiterzudrehen und jeden Tag hat jemand anderes eine andere Summe im Kopf. Wir haben gar keine Summe im Kopf, weil das, was wir im Kopf haben, ist die Vertragsverlängerung - und deswegen haben wir ihm ja ein tolles Angebot auf den Tisch gelegt. Wenn wir irgendwann zu Erkenntnis kommen, und insbesondere Timo sagt: 'Nein, ich kann mir nicht vorstellen, den Vertrag frühzeitig zu verlängern', dann werden wir uns beschäftigen mit dem Thema, was wir dann machen. Und dann kommt irgendwann auch mal der Punkt, dass man sich Gedanken macht, was der Spieler wert ist, wenn er dann im Sommer gehen würde. Aber wie gesagt: Ich hoffe, dass dieses Szenario gar nicht eintritt, weil wir ihn ja bei uns behalten wollen.

SPORT1: Meinen Sie denn, Ihr Angebot könnte mit einer Offerte des FC Bayern mithalten?

Mintzlaff: Ich weiß gar nicht, was der FC Bayern in der Causa Werner zu tun hat. Mit Timo können sie ja noch gar nicht gesprochen haben, weil der Spieler bei uns ist, einen Vertrag bei uns hat - und Bayern hält sich auch immer an alle FIFA-Regularien. Von daher gehe ich nicht davon aus, dass es da schon irgendwelche Absprachen gibt. Natürlich haben wir immer gesagt, dass sich unsere Leitplanken verschieben, wenn sich der sportliche Erfolg weiterentwickelt. Wenn wir Champions League spielen, sind wir natürlich auch in der Lage, uns auch sportlich und finanziell weiterzuentwickeln. Dementsprechend werden wir dann natürlich auch andere Gehälter zahlen können Und das Angebot, das Timo Werner vorliegt, spiegelt das dann auch schon wider.

SPORT1: Der Druck auf Timo Werner ist durch die zahlreichen Spekulationen sicher gewachsen, es wurde ja sogar gemutmaßt, er könnte ein Jahr lang auf die Tribüne verbannt werden. Wie geht er selbst damit um?

Mintzlaff: Wichtig ist, was Timo und wir besprechen. Was Ralf Rangnick und ich mit Karlheinz Förster, seinem Berater, besprechen. Was alle anderen dann noch dazudichten und wie sie die Geschichte aufplustern, das hat für uns keine Relevanz. Das kann auch gar keine Relevanz haben - auch nicht für Timo. Ich habe mit Timo die Tage noch mal persönlich gesprochen. Er weiß, wie sehr wir ihn schätzen, wie gern wir ihn bei uns haben. Wir sind dafür bekannt, dass wir uns an Absprachen halten, und das wird Timo auch tun. Dementsprechend brauchen wir gar keine Drohszenarien aufzubauen, das ist völliger Schwachsinn.

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