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Gelsenkirchen - Der FC Schalke 04 unterliegt Frankfurt nach einem Elfmeter nach Videobeweis in der Nachspielzeit. Luka Jovic verwandelt eiskalt, die Schalker sind erbost.

Trotz des ersten Bundesliga-Heimtors nach sechseinhalb Stunden hat der kriselnde Vizemeister FC Schalke 04 einen wichtigen Punkt im Kampf gegen den Abstieg verpasst.

Die Königsblauen unterlagen nach einem Handelfmeter in der Nachspielzeit 1:2 (1:1) gegen den Champions-League-Anwärter Eintracht Frankfurt, der mit dem sechsten Ligasieg in Folge seinen Höhenflug fortsetzte. (SERVICE: Der Tabelle der Bundesliga)

Während das Team des Interimstrainers Huub Stevens nach der neunten Heimpleite nur noch fünf Punkte vor dem Relegationsplatz liegt, sind die in diesem Jahr noch ungeschlagenen Hessen klar auf Königsklassenkurs. 

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Serdar gleicht Rebic-Führung aus

Ante Rebic brachte die Eintracht, die am Donnerstag (21 Uhr) als letzter deutscher Klub im internationalen Geschäft im Viertelfinale der Europa League bei Benfica Lissabon antritt, früh in Führung (13.). Suat Serdar (21.) glich für die Gelsenkirchener aus, die in den vier Bundesliga-Heimspielen zuvor kein Tor erzielt hatten. 

In der Nachspielzeit wurde es dann turbulent. Nach einem Handspiel von Daniel Caligiuri entschied Schiedsrichter Sascha Stegemann nach Videobeweis auf Elfmeter - unter heftigen Protesten der Schalker. Luka Jovic traf mit dem spätesten Elfmeter der Bundesliga-Geschichte seit detaillierter Datenerfassung zum Sieg der Gäste (90.+9).

Serdar hatte zuvor noch Gelb-Rot (90.+4/wiederholtes Foulspiel) gesehen. (Der LIVETICKER zum Nachlesen)

Caligiuri und Stevens sauer auf Schiedsrichter

Nach der Partie stuften die Schalker Stegemanns Entscheidung als fehlerhaft ein. Dem Handspiel von Caligiuri sei ein Foulspiel vorangegangen. "Man sieht, dass ich noch einen kleinen Schubser von hinten kriege. Meiner Meinung nach geht der Ball erst an die Schulter und dann an den Arm. Dann ist es kein Handspiel", argumentierte der Pechvogel bei Sky.

Sein Trainer sah die Szene genauso. "Scheinbar habe ich es etwas anders gesehen als der Schiedsrichter. Aber ich darf jetzt kein Kommentar abgeben, sonst werde ich auch noch bestraft. Ich habe es so gesehen, dass Daniel Caligiuri vor dem Handspiel geschubst wurde, der Ball dann an die Schulter und dann erst gegen den Arm geht. Vorher ist das Foul und darauf reagiert er (Schiedsrichter, Anm. d. Red.) nicht", schimpfte Stevens.

Der Niederländer warf dem Unparteiischen auch danach Fehlverhalten vor. "Wenn der Schiedsrichter dann nur zum Spieler geht und sagt, dass es Elfmeter gibt und ihn nicht zur Situation befragt, verstehe ich es nicht. Dann braucht man den Spieler nicht zu sich rufen", sagte Stevens.

Sein Resümee lautete: "Es ist ungerecht, weil die Mannschaft alles gegeben hat, um einen Punkt mitzunehmen, aber wegen bestimmten Sachen von außen nicht belohnt wurde."

"Eine Frechheit" nannte Sportvorstand Jochen Schneider die Entscheidung, "einen kapitalen Fehler des Videoschiedsrichters".

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Stegemann erklärt Entscheidung

Stegemann schätzte den Schubser bei SPORT1 gegen Caligiuri nicht als strafwürdig ein. Er fügte hinzu: "Im Originalablauf war es für mich im Eifer des Gefechts und im Gewühl nicht erkennbar, wie weit die Hand letztlich vom Körper weg war und ob es eine aktive Bewegung in die Flugbahn des Balles gegeben hat. Deswegen habe ich mich dafür entschieden, das Spiel erstmal weiterlaufen zu lassen und mir nach Absprache mit dem Videoassistenten ein eigenes Bild in der Review-Area zu machen. Die Bilder, die ich dort gesehen habe, haben gezeigt, dass der Arm weit vom Körper weggewesen ist und dass der Arm aktiv in die Flugbahn des Balles geführt bzw. gehalten wurde und dass es deswegen nach den geltenden Auslegungs-Grundsätzen ein strafbares Handspiel ist."

Dass er zu Caligiuri ging, erklärte Stegemann so: "Weil es natürlich eine besondere Situation ist. 95. Minute, es ist eine Schlüsselszene des Spiels. Es ist klar, dass diese Szene eine besondere Brisanz und Bedeutung hat. Und deswegen wollte ich im Sinne der Deeskalation den Spieler informieren, was mich zu meiner Entscheidung bewogen hat, was die Gründe dafür gewesen sind und habe deshalb das persönliche Gespräch mit ihm gesucht."

Stevens hatte gegenüber dem Pokal-Aus gegen Werder Bremen (0:2) seine Startelf auf zwei Positionen verändert. Für den angeschlagenen Salif Sane (muskuläre Probleme) und Nationalspieler Sebastian Rudy rückten Jeffrey Bruma und nur vier Wochen nach seinem Syndesmoseriss der genesene Caligiuri ins Team. Zur ersten Elf gehörte erneut der 19-Jährige Nassim Boujellab. Vor dem Anpfiff gab der Klub bekannt, dass der Marokkaner einen Profivertrag bis 2022 erhielt. (SERVICE: Der Spielplan der Bundesliga)

Frankfurt ohne Haller und Rode

Eintracht-Coach Adi Hütter musste auf drei Stammspieler verzichten: Die Offensivspieler Sebastien Haller (Bauchmuskelverletzung) und Mijat Gacinovic (Fersenverletzung) fehlten ebenso wie Mittelfeldmann Sebastian Rode (Wadenverletzung). Kapitän David Abraham kehrte dagegen nach langwierigen Wadenproblemen erstmals nach zweieinhalb Monaten zurück.

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Mit vier Zu-Null-Siegen und 14 Pflichtspielen ohne Niederlage im Rücken begannen die Frankfurt selbstbewusst und offensiv. Schon in der dritten Minute musste Schalke-Torwart Alexander Nübel mit einer Glanzparade die Eintracht-Führung durch Luka Jovic verhindern. Nur zehn Minuten später war der U21-Nationalkeeper machtlos, als ihn Rebic nach Zuspiel von Filip Kostic ausspielte und sein neuntes Saisontor erzielte.

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Serdar beendet Durststrecke

Aus heiterem Himmel fiel der Ausgleich. Nach einem Freistoß von Caligiuri wehrte Eintracht-Torwart Kevin Trapp einen Kopfball von Breel Embolo vor die Füße von Serdar ab. Der Ex-Mainzer beendete die Schalker Durststrecke nach 392 Bundesliga-Minuten in der heimischen Arena. Für Frankfurt war es das erste Gegentor nach 500 Pflichtspielminuten.

Als nach einer halben Stunde Rebic im Strafraum zu Boden ging, forderten die Gäste Elfmeter. Doch Schiedsrichter Stegemann ließ weiterspielen und blieb auch nach Ansicht der Videobilder bei seiner Entscheidung. 

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Nach der Pause bewahrte Nübel bei Kopfbällen des eingewechselten Goncalo Paciencia (51.) und seines Mitspielers Caligiuri (52.) sein Team mit weiteren Glanzparaden vor einem weiteren Rückstand. Beim Elfmeter war er chancenlos.

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