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Die Niedersachsen haben sich von Manager Horst Heldt getrennt. Der Nachfolger des 47-Jährigen wird voraussichtlich ein ehemaliger Nationalspieler.

Horst Heldt ist raus! Auch Thomas Doll droht der Rauswurf - und Ex-Spieler Jan Schlaudraff wird offenbar als Sportdirektor folgen.

Die schwere sportliche Krise von Hannover 96 hat mit Manager Heldt ein erstes prominentes Opfer gefordert. Das taumelnde Bundesliga-Schlusslicht trennte sich am Dienstag mit sofortiger Wirkung von dem 49 Jahre alten Ex-Nationalspieler.

"Mit dieser Entscheidung ist die Vergangenheit abgeschlossen. Wir schauen jetzt nach vorne", sagte Noch-immer-Klublenker Martin Kind auf SPORT1-Nachfrage.

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"Die Zielsetzung war, einen gesicherten Tabellenmittelplatz zu erreichen. Die Sportliche Leitung hat versichert, dass dieses Ziel mit den Transfers erreicht wird und die Mannschaft konkurrenzfähig ist. Diese Einschätzung hat sich nicht bestätigt", hieß es weiter zur Begründung in einer Klub-Mitteilung. Ein Nachfolger für Heldt, der mit einem Vertrag bis 2021 ausgestattet war, werde "zeitnah verpflichtet".

Auch Trainer Thomas Doll dürfte bei den Niedersachsen keine Zukunft mehr haben. Nach den jüngsten Aussagen von Geschäftsführer Kind spricht alles für einen kompletten Neuanfang - spätestens im Sommer. Doll, der erst im Januar die Nachfolge von Andre Breitenreiter angetreten hatte und seitdem acht von neun Spielen verloren hat, besitzt bei den Niedersachsen noch einen Vertrag bis 2020. (Service: Bundesliga-Tabelle)

Schlaudraff kehrt zu 96 zurück

Zwar sprach Kind Doll eine Job-Garantie bis zum Saisonschluss aus, doch es wäre nicht das erste Mal, dass der exzentrische Klubboss seine Meinung noch einmal ändert. So erging es auch Dolls Trainerkollegen Thomas Schaaf, der 2016 trotz gegenteiliger Beteuerungen sechs Spieltage vor Saisonende durch Daniel Stendel ersetzt wurde.

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Der Rauswurf von Kader-Planer Heldt, dem bei den Roten unter anderem die Millionen-Flops Walace, Bobby Wood und Jonathas angelastet wurden und der die Verpflichtung von Erfolglos-Trainer Doll zu verantworten hat, war am Ende keine Überraschung mehr. Kind, neuerdings Ex-Präsident, aber immer noch Chef der Fußball-Abteilung, sparte nicht mit öffentlicher Kritik am langjährigen Schalke-Macher, nannte den Kader von 96 zuletzt öffentlich "kaputt, schlecht zusammengestellt und gescheitert".

Die letzten Tage wurden für Heldt (seit März 2017 im Amt) zum öffentlichen Spießrutenlauf, denn nicht erst seit der 1:3-Niederlage am vergangenen Samstag beim VfL Wolfsburg, der siebten Pleite in Folge, waberten die Namen möglicher Nachfolger durch die niedersächsische Landeshauptstadt.

Nun wird voraussichtlich Schlaudraff das Erbe von Heldt antreten. Der 96-Held früherer Tage sollte nach dem ursprünglichen Plan im Sommer als Assistent der Sportlichen Leitung wieder bei den Niedersachsen einsteigen. Der 35-Jährige steht an der Leine für die erfolgreichen Europapokalzeiten der jüngeren Vergangenheit

Kind: "Brauchen einen Neuanfang"

"Wir brauchen einen Neuanfang", hatte Kind via Bild-Zeitung verbreitet und mit drastischen Worten einen weitreichenden Umbruch angekündigt: "Wir sind jämmerlich gescheitert. Es war und ist eine desaströse Saison. Wir werden alles auf den Prüfstand stellen. Wir müssen die Weichen stellen, müssen neue Antworten finden, ein eigenes Konzept erstellen." Von seinem Sportchef Heldt war er schon lange abgerückt, nun senkte er den Daumen.

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Nach der Trennung von Heldt, der in der Vergangenheit sehr zum Missfallen von Kind mit Wechseln nach Köln und Wolfsburg kokettiert hatte, dürfte auch Dolls Zeit spätestens im Sommer abgelaufen sein. Die sportliche Bilanz des Ex-Profis ist verheerend. Hannover liegt mit 14 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz und hat sechs Spieltage vor dem Saisonende elf Zähler Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz.

Was nach dem wahrscheinlichen Abstieg kommt, weiß so recht keiner. Selbst die künftige Rolle des erfolgreichen Unternehmers Kind ist nicht endgültig geklärt. Nach dem Sieg der Kind-kritischen Fraktion bei der jüngsten Mitgliederversammlung müssen die konträren Parteien irgendwie zusammenfinden. Schlaudraff, so die Hoffnungen, dürfte dafür seinen persönlichen Beitrag miteinbringen.   

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