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München und Hamburg - Bei Hannover 96 sorgt die Personalie Takuma Asano für Ärger. Ein Arbeitsrechts-Experte erklärt SPORT1, warum die Ausbootung zum Bumerang werden kann.

Mit der sportlichen Talfahrt hätte Bundesliga-Tabellenschlusslicht Hannover 96 dieser Tage eigentlich genug zu kämpfen - mit der Ausbootung von Leih-Spieler Takuma Asano haben sich die Niedersachsen allerdings eine weitere, höchst nervige, Baustelle aufgerissen.

"Genau auf die Frage habe ich jetzt noch gewartet, ganz zum Schluss, nach dem Spiel. Das musste jetzt noch kommen. Die Frage mussten Sie jetzt noch reindrücken. Gut. Super", meinte Trainer Thomas Doll sichtlich angefressen, als das Thema am vergangenen Samstag nach dem 1:3 beim VfL Wolfsburg zur Sprache kam.

Hannovers Geschäftsführer Martin Kind hatte zuvor ein Spielverbot für den Japaner bestätigt, dieses sei sogar "schriftlich niedergelegt", erklärte er der Neuen Presse in Hannover. Denn: Bei einem weiteren Einsatz müsste 96 den vom FC Arsenal ausgeliehenen Asano kaufen.

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Was nun zur Folge hat, dass Trainer Doll nicht mehr frei über seinen Kader verfügen und den 24-Jährigen, für den ansonsten eine kolportierte Ablösesumme von bis zu drei Millionen Euro fällig wird, einsetzen darf. "Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung des Vereins, und da wir Trainer ja auch Angestellte sind, müssen wir uns auch daran halten", meinte Doll schmallippig.

Der Leidtragende ist vor allem Asano selbst. Die Gunners sind "not amused" über Kinds Winkelzüge. Hannover steht Ärger ins Haus, auch rechtliche Schritte sind nicht ausgeschlossen, wie Arbeitsrechtsexperte Heiko Hecht im Gespräch mit SPORT1 bestätigte.

Ärger für Hannover droht

"Wir haben hier eine Vertragspflichtverletzung gegenüber dem Spieler, denn der Spieler hat ein großes Interesse, eingesetzt zu werden", betont der Rechtsanwalt. Die Argumentation dabei: "Seine spielerische Leistung findet auf dem Platz statt - und eben nicht auf der Bank oder sogar auf der Tribüne." Es kommt einem Verbot der 96er für Asano gleich, sich bis zum Saisonende ins Schaufenster zu stellen, um sich so für andere Vereine interessant zu machen.

Dementsprechend könnte Asano nun sogar gegen Hannover und/oder Arsenal vorgehen, meint der Experte. Ausgerechnet die öffentliche Kommunikation des Spielverbots, sprich Kinds öffentliches Statement sowie die Aussage des erst am Dienstag entlassenen Sportchefs Horst Heldt ("Wir haben die Stallorder bekommen, dass wir ihn nicht mehr einsetzen dürfen"), vermag dem Klub dabei zum Verhängnis zu werden.

"Das ist sehr gut für die Dokumentation und für einen möglichen Schadenersatz-Anspruch gegenüber Hannover 96 oder gegenüber Arsenal. Denn der Spieler selbst möchte mit Sicherheit spielen - ihm wird jetzt die Möglichkeit genommen", erklärt Hecht. Durch das Verbot "leidet seine Reputation und auch seine Möglichkeit, seine spielerischen Fähigkeiten auf dem Feld weiterzuentwickeln."

96 will Vertragsinhalte nicht kommentieren

Hannover wollte sich auf SPORT1-Nachfrage "zu Details aus seinem Arbeitsvertrag nicht äußern". Ob 96 als derzeitiger Arbeitgeber seine rechtlichen Pflichten allerdings bereits damit erfüllt, Asano am Training teilnehmen zu lassen, bezweifelt der Experte.

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"Bei einem hochkarätigen Spieler ist die Beschäftigungspflicht erst erfüllt, wenn er auf dem Platz steht. Wir kennen nicht die Details des Vertrages, der im Hintergrund steht, zwischen dem Dreieck Arsenal, Hannover 96 und Asano. Aber es ist davon auszugehen, dass hier die Rechtsposition des Spielers verletzt wird", meint der Anwalt.

Knackpunkt also: Um durch das Spielverbot nicht aufs Glatteis zu geraten, müsste im Vertrag zwischen Arsenal, Hannover und Asano festgehalten sein, dass ein Einsatz im Training als Beschäftigung (die der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer schuldet) ausreiche.

Geht Asano vor Gericht?

"Wir haben bei uns in der Praxis häufig die Konstellation, dass Arbeitgeber mutwillig Arbeitnehmer freistellen. Das ist eine sogenannte unberechtigte Freistellung. Das lässt sich arbeitsgerichtlich jedoch überprüfen und ist nicht zulässig", erklärt Hecht weiter.

Daraus würden sich dann wiederum Schadenersatz-Ansprüche für Asano ableiten. "Einmal gegenüber seinem Hauptarbeitgeber Arsenal und im Rahmen der Entleihung gegenüber Hannover 96", wie der Experte darlegt.

Selbst wenn Hannover den Japaner nun also nicht mehr einsetzt und die Kauf-Klausel nicht greift - die Episode könnte am Ende richtig teuer für Hannover ausgehen.

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