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München - Zur neuen Bundesliga-Saison werden Gelbe und Rote Karten auch für Trainer eingeführt. Auch Gelbsperren stehen im Raum. Das sorgt für viel Kritik bei den Übungsleitern.

Es dauert noch über zwei Wochen, bis die Bundesliga in ihre neue Saison startet. Dort treten dann auch die Regeländerungen in Kraft, die das International Football Association Board (IFAB) im März eingeführt hatte.

Unter anderem wird die viel kritisierte Handspielregel angepasst, auch der Videobeweis soll verbessert werden. Doch aktuell sorgt eine andere Änderung für Diskussionen: Die Einführung von Gelben und Roten Karten für Trainer.

Konkret heißt das: Bisher wurde ein Übungsleiter für ein Vergehen wie zum Beispiel das Verlassen der Coaching-Zone ermahnt, im Wiederholungsfall oder bei schlimmerem Vergehen auf die Tribüne geschickt. Von Fall zu Fall wurde im Anschluss über eine Sperre entschieden.

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Ab sofort ändert sich das. Genau wie bei den Spielern sollen Vergehen der Trainer mit Gelben und Roten Karten geahndet werden. Ein Platzverweis zieht dann neben dem Gang auf die Tribüne eine obligatorische Sperre nach sich.

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Strafenkatalog regelt Bestrafungen für Trainer

In einem Strafenkatalog ist genau festgelegt, für welche Vergehen Übungsleiter wie bestraft werden sollen. Eine Gelbe Karte gibt es beispielsweise für eindeutiges und wiederholtes Verlassen der Coaching-Zone.

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Auch für respektloses Verhalten gegenüber den Offiziellen soll es die Verwarnung geben. Dazu gehört zum Beispiel auch sarkastisches Klatschen. Auch das Fordern einer Karte oder des Videobeweises soll sanktioniert werden, bei Wiederholung gibt es die Gelbe Karte.

Eine Rote Karte gibt es zum Beispiel für eine Spielverzögerung bei gegnerischem Ballbesitz, wie zum Beispiel mit der Nichtfreigabe eines Balls. Auch wenn ein Trainer seine Zone verlässt, um sich bei einem Offiziellen zu beschweren, soll es einen Platzverweis geben. Die gegnerische Zone darf ein Trainer nicht betreten, bei konfrontativem Verhalten dort droht ebenfalls der Platzverweis.

Absichtliches Werfen oder Treten von Gegenständen auf das Spielfeld ist ebenfalls untersagt, außerdem darf ein Trainer das Spielfeld nicht betreten, um einen Unparteiischen zur Rede zu stellen, auch nicht in der Halbzeit oder nach Spielende.

Neururer kritisiert neue Regeln

Auch härtere Vergehen wie Tätlichkeiten, physisches oder aggressives Verhalten gegenüber dem Gegner, Offiziellen oder anderen Personen werden mit der Roten Karte geahndet.

SPORT1-Experte Peter Neururer hat kein Verständnis für den neuen Weg. "Das ist der größte Schwachsinn aller Zeiten. So einen Blödsinn habe ich in meinem Leben noch nicht gehört. Das ist ein Unding", kritisierte der ehemalige Bundesliga-Trainer bei SPORT1 die Einführung der Karten für Trainer.

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Auch aus der aktiven Trainerszene gibt es massenweise Kritik. "Warum soll ein Trainer schneller auf die Tribüne müssen als ein Spieler?", fragte RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann beim Internationalen Trainerkongress in Kassel und ergänzte: "Ich glaube einfach, dass der Schiedsrichter die Gelbe Karte viel schneller zeigen wird als er dich früher auf die Tribüne geschickt hat."

Seine Trainerkollegen halten von der Regeländerung ebenfalls nicht besonders viel. Vor allem die aktuell diskutierte Sperre von Trainern nach der dritten Gelben Karte, über die die DFL-Generalversammlung am 21. August entscheiden will, sorgt für Kopfschütteln. "Damit werden wir Trainer in unseren Aufgaben und bei unserer Arbeit völlig unnötig beschnitten“, kritisierte Düsseldorf-Trainer Friedhelm Funkel in der Bild.

Interpretationsspielraum für Schiedsrichter

"Warum will man die Trainer damit reglementieren? Unsportliches Verhalten wird ohnehin sanktioniert", sagte Neururer bei SPORT1. Normale Emotionen gehörten zu diesem Sport dazu, ein Trainer müsse irgendwo auch Emotionen ausleben dürfen.

Hertha-Trainer Ante Covic erklärte dem kicker, die Sportart lebe von Emotionen. "Wenn es dazu kommt, dass ich nichts mehr sagen darf, dann bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke." 

Der neue Strafenkatalog soll die Beurteilung der Trainervergehen einheitlicher und transparenter machen. Dennoch bergen einige Definitionen Interpretationsspielraum. Das Treten oder Werfen von Wasserflaschen kann sowohl mit Gelb als auch mit Rot geahndet werden. Ausschlaggebend hierfür soll sein, ob die Flasche bewusst aufs Spielfeld geschleudert wurde.

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Doch nicht nur die Trainer müssen in Zukunft lernen, ihre Emotionen besser im Griff zu haben. Auch der Rest der Teamverantwortlichen kann sanktioniert werden. Besonders brisant: Sollte der Übeltäter nicht zweifelsfrei auszumachen sein, wird stellvertretend der Trainer bestraft.

Während die Bestrafungen für verschiedene Vergehen von der FIFA vorgeschrieben sind, hat die DFL in Sachen Gelbsperren Handlungsspielraum. Nagelsmann appellierte beim Internationalen Trainerkongress in Kassel an den Verband. "Zumindest von der Idee von drei (Gelben Karten; Anm. d. Red.) plus Rot in so schnellen Fällen" solle abgerückt werden, sagte der RB-Trainer.

Doch auch das würde eins nicht ändern: Die Trainer müssen in Zukunft noch mehr auf ihr Verhalten achten. Denn dieses wird ab sofort noch genauer unter die Lupe genommen.

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