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München - Manuel Neuers Berater lässt mit deutlicher Kritik und klaren Forderungen an den FC Bayern aufhorchen. Steht sogar ein Abschied des Torhüters im Raum?

Wenn der FC Bayern am Montagvormittag in die Vorbereitung auf die neue Saison startet, wird Manuel Neuer noch nicht an der Säbener Straße erscheinen - und doch in aller Munde sein.

Denn obwohl der Torhüter wie alle Nationalspieler der Münchner noch verlängerten Urlaub bis Freitag hat, ist er das Gesprächsthema Nummer 1 rund um den Rekordmeister.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung hatte Neuers Berater Thomas Kroth einige bemerkenswerte Aussagen fallen gelassen: zu Neuers Zielen, einem möglichen Karriereende - und zur aktuellen Kadersituation beim FC Bayern.

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Dieser sei "aktuell noch nicht entsprechend - also konkurrenzfähig - aufgestellt", hieß es da unter anderem. Selbstredend spricht Kroth vor allem im Namen seines Mandanten. Es kann also davon ausgegangen werden, dass es der Keeper ist, der seine Unzufriedenheit kundtun will.

Cech, Buffon, Casillas als Vorbild für Neuer?

Ganz offensichtlich erhöht das Neuer-Lager den Druck auf die Verantwortlichen beim Double-Sieger. Aber was sollen Kroths Aussagen bezwecken? Steht am Ende gar ein Abschied Neuers vom FC Bayern im Raum?

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Ausschließen wollte sein Berater das mit Blick auf die weitere Karriereplanung des inzwischen 33-Jährigen nicht. "2021 will er nicht aufhören", stellte Kroth klar, für Neuer stelle sich jetzt die Frage: "Wie geht es perspektivisch weiter? Die Vertragsverlängerung und ein Karriereende beim FC Bayern ist natürlich das naheliegende Modell. Aber nicht das einzige."

Siehe Petr Cech, Gianluigi Buffon oder Iker Casillas, die allesamt im fortgeschrittenen Alter noch einmal die Herausforderung bei einem neuen Verein suchten. An dem Punkt ist Neuer offenbar jedoch noch lange nicht.

"Wenn er merkt, der FC Bayern klotzt ran, dann wird er noch mal richtig aufblühen", prophezeite Kroth. Die Forderung, "ranzuklotzen", durfte dabei in erster Linie mit Blick auf die bisher wenig erfolgreichen Bemühungen der Münchner auf dem Transfermarkt verstanden werden.

Klar: In der kommenden Woche werden in Lucas Hernández (23, für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid) und Benjamin Pavard (23, für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart) zwei französische Weltmeister-Neuzugänge offiziell vorgestellt, hinzu kommt mit dem erst 19-jährigen Jann-Fiete Arp ein Perspektivspieler für die Offensive vom Hamburger SV.

Abstand zu Englands Top-Klubs wächst

Aber: Hernández befindet sich derzeit nach einer Innenband-OP noch in der Reha, wird zunächst nur individuell trainieren können. Pavard präsentierte sich beim Abstieg des VfB Stuttgart des Öfteren alles andere als weltmeisterlich.

Mit den Abgängen von James Rodríguez (nach Leihe vorerst zurück zu Real Madrid), Rafinha (zu Flamengo) und den Führungsspielern Franck Ribéry (noch offen), Arjen Robben (Karriereende) und Mats Hummels (Borussia Dortmund) ist nicht nur sportliche Qualität, sondern auch jede Menge Erfahrung verloren gegangen.

"Mein Eindruck ist, dass der Abstand zu den vier englischen Top-Teams schon gravierend ist", schilderte Kroth einen Eindruck vom Bayern-Kader, den viele Fans teilen. Er habe das Gefühl, dass "der Münchner Kader aktuell noch nicht entsprechend - also konkurrenzfähig - aufgestellt ist, um auch die Ziele von Manuel ernsthaft anzugehen". Nach SPORT1-Informationen teilen einige Stammspieler diese Ansicht.

Diese Ziele sind für Neuer auch mit 33 Jahren nicht weniger ambitioniert als zuvor.

"Er will die Europameisterschaft gewinnen", erklärte Kroth mit Blick auf die EM 2020 (und vielleicht sogar noch 2024?), "und er will noch mal die Champions League gewinnen".

Bayerns Kontakt mit Nübel besteht nach wie vor

Eine klare Ansage, dass Neuer noch lange nicht satt ist - und dass der FC Bayern möglichst alles dafür tun soll, seinen Titelhunger auch auf internationaler Ebene zu stillen.

Eine klare Ansage auch an mögliche Konkurrenten, die Neuer den Platz zwischen den Pfosten streitig machen wollen. Marc-André ter Stegen im Nationalteam - und vielleicht auch bald Alexander Nübel beim FC Bayern?

Die aktuelle Schalker Nummer 1 wird schon seit Wochen als möglicher Nachfolger des ehemaligen Schalkers gehandelt. Nach SPORT1-Informationen ist der Kontakt weiterhin intensiv. Mit starken Leistungen im Schlussspurt der vergangenen Saison machte Platzhirsch Neuer jedoch schon deutlich, dass er so schnell nicht klein beigeben wird. Die markigen Worte seines Beraters untermauern das noch einmal.

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Zugleich bringt Kroth seinen Klienten so aber auch schon auf dem Transfermarkt in Position. Für den Fall der Fälle, nach dem Motto: Wenn die Bayern ihm keinen titelreifen Kader für die Champions League zur Seite stellen wollen, dann ja vielleicht ein anderer Verein.

Warum schickt Neuer seinen Berater vor?

Dass die Torhüterposition auf dem Weg zum Titel in der Königsklasse entscheidend sein kann, stellte der FC Liverpool jüngst eindrucksvoll unter Beweis. Nach dem Final-Drama um Loris Karius 2018 holten die Reds 2019 auch dank eines überragenden Alisson Becker den Henkelpott.

Bleibt nur noch eine Frage: Wieso brachte Neuer sich nicht selbst in Stellung, sondern ließ seinen Berater für sich sprechen?

Eine mögliche Antwort liefert ein Blick rund zehn Jahre zurück. Damals kritisierte der langjährige Bayern-Profi Philipp Lahm ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung öffentlich die Transferpolitik seines Klubs.

Uli Hoeneß wütete, Lahm werde "dieses Interview noch bedauern". Letztlich erhielt der ehemalige Kapitän nach Vereinsangaben die bis dahin höchste verhängte Geldstrafe beim Rekordmeister.

Auf derartigen Zoff mit den Vereinsoberen hatte Neuer wohl keine Lust. Genauso wenig wie auf zwei titellose Jahre mit dem FC Bayern.

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