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Grassau - In der vergangenen Saison landete Mainz 05 auf dem 12. Platz ohne Abstiegssorgen. Trainer Sandro Schwarz spricht bei SPORT1 über seine aktuellen Ambitionen.

Sandro Schwarz geht in seine dritte Saison als Cheftrainer des 1. FSV Mainz 05.

Im Trainingslager der Rheinhessen in Grassau am Chiemsee blickt der 40-Jährige im Interview mit SPORT1 auf den knackigen Saisonauftakt mit dem Pokalderby in Kaiserslautern, die Personallage, den möglichen Wechsel von Jean-Philippe Gbamin und die Karriere in den großen Fußstapfen von Jürgen Klopp sowie Thomas Tuchel.

SPORT1: Herr Schwarz, mit welcher Zielsetzung geht Mainz 05 in die neuen Saison?

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Sandro Schwarz: Wir sind noch nicht beim endgültigen Ziel angekommen, aber primär geht es darum, die Spielweise weiter zu verfeinern. Wir wollen da anfangen, wo wir letzte Saison aufgehört haben, mit sehr viel Offensivdrang und guter Verteidigungshaltung. Das sind unsere Ansprüche in der Vorbereitung, um für das erste Pokalspiel und natürlich für die Bundesligasaison vorbereitet zu sein.

SPORT1: Das Pokalspiel in Kaiserslautern ist ein ganz besonderes für alle in Rheinland-Pfalz. Mittlerweile ist Mainz 05 der "Große". Wie gefährlich kann es auf dem Betzenberg werden, auch weil Kaiserslautern bis dahin schon zwei Spiele gemacht hat?

Schwarz: Das ist ein sehr guter Gegner, auch jetzt mit dem Derby. Es wird ein emotionales Spiel, und das Stadion wird voll sein. Wir freuen uns darauf. Man muss gleich auf Betriebstemperatur sein und die komplette Leistung abrufen. Wie wollen unserer Favoritenrolle auch gerecht werden.

SPORT1: Es sind noch sehr viele Spieler im Kader, 30 haben wir gezählt. Mit wie vielen Spielern möchten Sie in die Saison gehen?

Schwarz: Wir haben hier noch viele NLZ-Spieler aus dem U19-Bereich, die sich sehr gut präsentiert haben. Von der U23 haben wir alle mitgenommen. Die Jungs, die beim Afrika-Cup sind, werden danach einsteigen. Wir haben keine Kadergröße festgelegt. Die Spieleranzahl, die wir jetzt hier haben, brauchen wir auch, weil wir individuelle Belastungsstörungen durch die U21-Nationalspieler haben, die verspätet dazugekommen sind. 

Schwarz: "Gbamin immer noch Spieler von Mainz 05"

SPORT1: Jean-Philippe Gbamin war beim Afrika-Cup. Sportchef Rouven Schröder hat gesagt, wenn das richtige Angebot kommt, dann kann er gehen. Wie wichtig wäre es für Sie, wenn Gbamin bleibt?

Schwarz: Gbamin ist ein sehr guter Spieler und hat eine sehr gute Entwicklung in den drei Jahren bei uns gemacht. Wir sind darauf vorbereitet, dass er den nächsten Schritt machen könnte. Wir stehen in täglichem Kontakt, und ich wünsche ihm das Beste. Trotzdem ist er immer noch ein Spieler von Mainz 05. Wir werden sehen, was in den nächsten Wochen passiert.

SPORT1: Mainz hatte von allen Bundesligisten die meisten Spieler bei der U21 EM. Was bedeutet das für den Verein?

Schwarz: Das ist unser Weg: jung und dynamisch. Wir bauen auf entwicklungsfähige Spieler, haben aber auch ein Gerüst von Spielern, die schon länger im Klub sind. Es ist extrem wichtig, junge Spieler aufzubauen und ihnen beim nächsten Karriereschritt behilflich zu sein. Natürlich sind wir glücklich darüber, dass so viele junge Spieler bei der U21 EM dabei sind und Aaron Martin das Turnier dann auch gewonnen hat. Das ist eine Bestätigung für uns als Verein und für unsere tägliche Arbeit.

SPORT1: Ist es auch eine Bestätigung, wenn ein Spieler von Bayern München wie Jonathan Meier sagt, dass er spielen, sich der Konkurrenz stellen möchte und deshalb zu Mainz 05 wechselt?

Schwarz: Klar, aber trotzdem müssen wir das richtig einordnen. Jonathan Meier hat dort vermehrt in der U23 gespielt und auch Trainingseinheiten mit den Profis absolviert. Das sind aber die Profile, die wir brauchen: ehrgeizig, die Bereitschaft für Mainz 05 zu spielen, um mit uns die nächsten Entwicklungsschritte zu gehen. Jona ist ein sehr großes Talent und hat schon gute Schritte bei den Bayern gemacht. Deshalb freuen wir uns, dass er sich für uns entschieden hat.

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SPORT1: In den letzten Jahren waren auch immer wieder Identifikationsfiguren Thema. Mit Offensiv-Trainer Michael Thurk wurde jemand in den Verein zurückgeholt, der das jahrelang für Mainz 05 war. Wer hat denn in der aktuellen Mannschaft das Potenzial, ein solcher Spieler zu werden?

Latza, Brosinski und Bell als Identifikationsfiguren

Schwarz: Es ist wichtig für uns, dass wir Spieler haben, die über längere Zeit da sind und die Werte von Mainz 05 an die neuen und jungen Spieler weitergeben. Wir haben Danny Latza, Daniel Brosinski und Stefan Bell, die schon lange hier sind. Wir haben schon einige, die für Identifikation mit unserem Klub sorgen.

SPORT1: Das Motto von Mainz 05 ist "Unser Traum lebt". Das bezieht sich immer auf den Klassenerhalt. Dass Mainz 05 Bundesliga spielt, war jahrelang nicht selbstverständlich. Könnte man nach der souveränen Saison auch nach Europa schielen?

Schwarz: (lacht) Das wollen ja immer alle hören. Nein, also wenn es kurz vor Saisonschluss einmal so weit sein sollte, dann werden wir uns nicht dagegen wehren. Aber wir müssen realistisch bleiben. Das heißt nicht, dass wir nicht die höchsten Ansprüche haben in unserer täglichen Arbeit auf dem Platz oder in der Spielleistung am Wochenende. Wir wollen Spiele gewinnen, auch auf unsere Art. Es ist für uns wichtig, die Bundesligasaison zu bestätigen. Aber nach oben gibt es keine Grenzen. Wir wollen dranbleiben und in unserer Art, Fußball zu spielen, die nächsten Schritte gehen. Wir wollen die Leute begeistern und zufrieden stellen. 

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SPORT1: Wir haben gestern Marco Rose am Tegernsee besucht. Sie waren WG-Kollegen. Gibt es zwischen Ihnen eine interne Wette, wenn Mainz gegen Gladbach spielt?

Schwarz: Nein, es gibt keine Wette und es wird auch keine Genugtuung geben, wenn es einen Sieger geben sollte. Klar ist es dann auch ein außergewöhnliches Spiel für die Öffentlichkeit. Wir haben schon als Spieler gegeneinander gespielt. Wir freuen uns, dass wir uns dann sehen und uns während des Spiels auch bekämpfen. Aber nach dem Spiel werden wir auch wieder herzlich auseinander gehen.

SPORT1: Wenn man sich Ihre Vorgänger in Mainz anschaut, dann ging es für Jürgen Klopp und Thomas Tuchel anschließend steil bergauf. Sind Sie eher der Typ, dem das Kleinere in Mainz liegt oder schielen Sie auch mal in Richtung der größeren Klubs?

Schwarz: In erster Linie reizt es mich, jeden Tag mit meiner Mannschaft zusammen zu sein und das Bestmögliche rauszuholen. Ich mache mir keine großartigen Gedanken, was die Karriere betrifft. Wir haben eine geile Vorbereitung, und das Spiel gegen Kaiserslautern ist jetzt unser Fokus.

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